Christ setzte sich in einem bunt gemischten Teilnehmerfeld gegen ihre Mitbewerber durch und konnte im Final gegen das Team InterroBang und Michael Frei aus Thun die Gunst des Publikums gewinnen.

Bestens aufwärmen

Der erste Slam der neuen Trilogie startete mit «Saymen the man» begleitet vom Pianisten Simon Althaus. Der Freiburger Rapper konnte mit seinen Mundarttexten und seiner Bühnenpräsenz das zahlreiche Publikum bestens für den Slam aufwärmen.

Als Startpoet betrat Hansjürg Zingg die Bühne, seine «Texte aus dem Wörtersack» begeisterten das Publikum, und die ersten Wertungen gingen bereits in die Höhe. Die Schützi war gut gefüllt und bereits ab dem ersten Text war das Publikum dabei, applaudierte und genoss den Slam sichtlich.

Carlo Spiller war erstmals in Olten. Er thematisierte in seinem Text seine eigene Rolle. Der junge Student des Literaturinstituts Biel hinterfragte die Rolle des Schriftstellers und Künstlers mit der Sinnhaftigkeit von Geld und wofür man Geld verdient bzw. was Kunst wert ist und welche Bedeutung diese hat. Der gebürtige Zürcher performte in der Geschwindigkeit eines Schnellzuges und war ein starker Gegenpol zum gemütlichen HasleRüegsauer Zingg.

Gefällige Bühnenschau

Mit dem Team InterroBang waren erstmals zwei Poeten auf der Bühne, deren Strategien zur Reaktion auf Spendensammler theatralisch und gesanglich untermalt waren und eine Bühnenshow abgaben, die dem Publikum gefiel und mit einer sehr hohen Punktzahl den Finaleinzug sicherte.

Zombies und ...

Mit Pesche Heinigers Zombietext und Michael Freis Text über die Heimat mit Wortspielen zu Lebensmitteln ging der Abend weiter. Die spätere Siegerin Lisa Christ sinnierte über den Begriff «Schokoladenkondom». Sie hatte den Begriff vom Publikum der Oltner Lesebühne im Coq d’Or erhalten und verfasste dazu einen Text. Dass Christ nicht einfach auf die Strategie «Frau schreibt über Sex = hohe Punkte» zu reduzieren ist, bewies sie später im ernsteren, nachdenklichen Finaltext, als sie über das Schubladisieren von Menschen performte und damit ihre Vielfältigkeit bekräftigte.

Der Thuner Remo Rickenbacher sprach über sich selbst und über das Die-Welt-Verstehen, und auch Surya Esser aus Freiburg mit Erinnerungsbildern des Ozeans konnte mit einem nachdenklichen Text überzeugen. Ivo Engeler wird für seine Kurztexte geliebt und ist der heimliche Star unter den Slammern. So kamen aus dem Backstage viele Begeisterungswellen, als er seine absurden Texte performte, und auch das Publikum schätzte diesen weiteren Gegenpol der klassischen Slamtexte.

... das Alleinsein

Den Final machten Michael Frei mit einem Text über Alleinsein und Lebensprobleme, InterroBang mit der Menschheitsgeschichte und Geschichtenschreiben und Christ untereinander aus. Christ liess sich selbst nicht in die Schublade stecken und verwies die drei Herren auf die Silber- und Bronzeplätze. Sichtlich erleichtert und glücklich konnte Lisa Christ den Pokal in die Höhe stemmen und den Whisky öffnen.

Am nächsten Slam vom 8. Januar werden alle drei Finalisten wieder dabei sein und mit einem spannenden Teilnehmerfeld um weitere Punkte kämpfen. Wie viele der Szene möchten sie in die Geschichte der Trilogie eingehen und den 10. Titel mit nach Hause nehmen.

Der Start in die neue Slamsaison ist geglückt und Olten bestätigt sich weiterhin als wichtige Destination des gesprochenen Wortes auf der Schweizer Landkarte.