Olten

Lokale Brauerei «Drei Tannen» rüstet ihr Angebot für Bierfreunde auf

Luc Nünlist (links) und Johan Gass im Braukeller, wo das Oltner Dreitannen-Bier hergestellt wird.

Luc Nünlist (links) und Johan Gass im Braukeller, wo das Oltner Dreitannen-Bier hergestellt wird.

Mehr Bier aus der Stadt für die Stadt: Die Brauerei «Drei Tannen» will bald ein Dutzend Gastrobetriebe beliefern. Dafür wurde die Produktionsmenge mehr als verdoppelt.

Ab Mai steht Oltner Bierfreunden eine noch grössere Menge lokaler Bräue zur Auswahl. Die beiden Bierbrauer Luc Nünlist und Johan Gass haben ihren Braukeller aufgerüstet. In zehn zwei Meter hohen Stahltanks im Keller der Galicia-Bar werden fortan die vier verschiedenen Sorten ihres «Drei Tannen»-Bieres hergestellt – je nach Saison womöglich auch mehr. Nebst der Standardsorte «Amber» reifen in den Stahlbehältern ein Stout (ähnlich dem irischen Guinness), ein «heller Bock» sowie der 12-prozentige «Mega-Bock», der den belgischen Tripel-Bieren nachempfunden ist, heran.

Nach zwei Jahren des Bierbrauens auf kleiner Gasflamme wagen die beiden Oltner nun den Schritt zur Kapazitätserweiterung. «Die Bars wollten immer mehr Bier, als wir herstellen konnten», sagt Luc Nünlist. Mit der 150-Liter-Braupfanne, die sie vor zwei Jahren einer Gruppe biermachender Sekundarlehrer abkauften, konnte die rasch vorhandene Nachfrage nach dem Drei-Tannen-Bier mit den produzierten rund 225 Litern pro Woche nie ganz gedeckt werden.

Mithilfe von Stammgästen

Nun war dank günstiger Umstände der Ausbau möglich. Eine Gruppe von Privatpersonen hat den Jungbrauern den Kredit geliehen, der ihnen die Investitionen in den Umbau des Braukellers ermöglicht hat. Nebst den Kreditgebern waren es aber auch Galicia-Stammgäste, Freunde und Verwandte, welche die Errichtung der neuen Anlage mitermöglicht haben. Viele Installationen konnten somit unentgeltlich erledigt werden. «Ohne diese Hilfe wäre das Projekt nicht machbar gewesen», so Nünlist.

Die neue Brauanlage ist teilweise bereits in Betrieb und wird nun sukzessive hochgefahren. Ab Mai soll dann Vollauslastung möglich sein, was einer Produktionsmenge von circa 550 Litern pro Woche entspricht. Damit sollen künftig um ein Dutzend Bars in Olten und Umgebung beliefert werden. Nünlist: «Bisher waren wir vorsichtig bei der Annahme neuer Kunden.» Ab Mai könne man nun aber auf Expansionskurs gehen.

In Olten beliefern die Jungbrauer nebst dem «Galicia» bereits die Paraiba-Bar, die Vario-Bar, das Restaurant National sowie in Aarburg die Alte Post. Die Akquisition neuer Kunden sei aber nicht immer ganz einfach, erklärt Braumeister Gass: «Im Gäu ist es in vielen Beizen so, dass ein neues Bier durch die grossen Brauereien, mit denen die Wirte Verträge haben, nicht zugelassen wird.» Erfolgreich eingefädelt ist jedoch schon die baldige Versorgung der Oltner Beizen Coq d’Or und Gleis 13.

Reich werden – Fehlanzeige

Trotz Ausbau: Reich werden Nünlist und Gass mit ihrem Bier nicht. Bislang gönnten sich die beiden kein Gehalt, investierten den Gewinn stets wieder in den Betrieb. Auch nach der Aufrüstung wird es vor allem darum gehen, den Kredit schnellstmöglich zurückzuzahlen.

Ein kleines Honorar will man sich jedoch künftig erlauben: «einen spärlichen Praktikantenlohn», präzisiert Nünlist. Schliesslich soll das Brauen eine Nebentätigkeit bleiben. Haupttätigkeit der beiden ist oder wird das Studieren: Nünlist geht in Basel Osteuropastudien nach. Gass, der bereits eine Lebensmitteltechnologie-Lehre bei Feldschlösschen absolviert hat, widmet sich diesem Berufsfeld ab September in Form eines Studiums an der ZHAW Wädenswil.

Sowieso gehe es ihnen nicht ums Geld. «Unser Ziel war und ist es, ein Bier für Olten zu brauen», erklärt Gass. Die vielen positiven Rückmeldungen der Konsumenten seien das Erfreuliche am Ganzen, ergänzt Nünlist. Ausserdem könnten sie jetzt mit den neuen Kapazitäten ihre Kreativität spielen lassen. «Das ist der Vorteil der Kleinbrauerei, dass man flexibel ist und auch saisonale Biere herstellen kann», freut sich Nünlist.

An Ideen mangelt es nicht: «Angedacht ist zum Beispiel ein Frühlingsbier mit frischen Tannentrieben. Das wäre auch wegen dem Namen unseres Bieres interessant», sagt Gass. Ebenfalls denkbar ist ein Kakaobier auf den Winter hin, oder ein im Eichenfass gereiftes Bräu. Ausserdem befindet sich ein Bitterbier mit Namen «Mänu-Bier» in der Konzeptionsphase, benannt nach Nünlists Onkel Manuel. «Er ist kein grosser Fan unseres Ambers, da er bittere Biere bevorzugt», erläutert Nünlist den Hintergrund der anstehenden Kreation.

Mit Unterstützung der «Glace Galerie» lancierten Bier-Glace halten sie zudem auch für Nicht-Biertrinker ein Angebot bereit. Ebenso denkt man an die Grillier-Freunde: «Eine Biermarinade oder Treberwürste wären noch eine Idee», verrät Gass.

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