Olten
Literaturkollektiv macht Groschenromane salonfähig

Das Oltner «Narr» bringt als Sonderedition sieben Groschenromane für Fortgeschrittene auf den Markt.

Fränzi Zwahlen-Saner
Drucken
Teilen
Das «Narr»-Team (v.l.): Adam Schwarz, René Frauchiger, Lukas Gloor, Daniel Kissling und hinten die Grafiker Mirko Leuenberger und David Lüthi. Es fehlt Jan Müller. (zvg)

Das «Narr»-Team (v.l.): Adam Schwarz, René Frauchiger, Lukas Gloor, Daniel Kissling und hinten die Grafiker Mirko Leuenberger und David Lüthi. Es fehlt Jan Müller. (zvg)

zvg

Eine oft verpönte Literaturform wird salonfähig gemacht: der Groschenroman. Und zwar durch eines der innovativsten und originellsten Literaturkollektive, welches derzeit in der Schweizer Literaturszene unterwegs ist. Nämlich durch die Herausgeber des seit 2011 bestehenden «Narrativistischen Literaturmagazins» aus Olten. Einer der Mitbegründer des «Narr», wie das Herausgeberteam kurz genannt wird, ist Lukas Gloor. Er stellt die sieben Groschen-Hefte vor und erklärt das Konzept.

Die sieben Groschenromane

«Das Kastanienbankett» – der
erotische Groschenroman von Romana Ganzoni;
«Piraten der Schildkröteninsel» – der Piraten-Groschenroman von Pablo
Haller;
«Zierfischfutterflocken» – der Krimi-Groschenroman von Raul Fuertes;
«Die Nacht der Handy-Monster» – der Horror-Groschenroman von René Frauchiger;
«Dr. Jon-Peider Capeder» – der Bergdoktor-Groschenroman von Doris Wirth;
«Der helle Sklave, der dunkle Gott» – der Vampir-Groschenroman von Kristina Schippling;
«Ein Sonnenstrahl kommt selten allein» – der Liebes-Groschenroman von Margherita Martini;

Doch zunächst holt er aus. «Unser Magazin, welches jedes Jahr drei Ausgaben herausbringt, steht für junge Texte, frische Literatur und ambitionierte Grafik. Jedes Jahr geben wir zum Jahresende eine Sondernummer heraus, und dieses Jahr sind es gleich sieben Hefte – sieben Groschenromane nämlich». Die Idee, diese oft geschmähte Literaturform, die es seit der Gründerzeit gibt, wieder aufleben zu lassen, habe das «Narr»-Team schon länger gehabt, erzählt Gloor. «Wir machten uns im Vorfeld Gedanken darüber, welche Groschen-Themen wir gerne herausbringen wollten und haben gezielt Autoren angefragt. Es blieben sieben Autorinnen und Autoren, die sich bereit erklärten, mitzumachen.»

Überhöhte Stereotype

Groschenromane sind auch im Zeitalter der Digitalisierung und des Selfietums nach wie vor gefragt, weiss Gloor. «Es gibt den Bergdoktor, die Spionage-Geschichte, die Liebesverwicklungen, die Schicksalsgeschichten. Sie sind voll von Stereotypen, dem Guten und dem Bösen. Unsere Autoren übernehmen diese Klischees, überhöhen sie, wenden sie ins Ironische.» Genau so werden Plattitüden aufgedeckt und damit entlarvt. «Das wollen wir mit diesen Groschen-Romanen bewirken, denn wir alle können uns nur schwer solchen Stereotypen entgegenstemmen.»

Es sei eine grosse Arbeit für das Team gewesen, das Lektorat für alle sieben Hefte zu bewerkstelligen. «Dazu haben unsere Grafiker David Lüthi und Mirko Leuenberger für jedes Heft eine typische Schrift geschaffen. So erhalten die Hefte mit ihren Inseraten auch eine spielerische Note.» Erhältlich sind alle sieben Hefte komplett oder auch einzeln.

Vor sechs Jahren haben sich die literaturbegeisterten Gründer des «Narr» zusammengetan und können heute auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken. Lukas Gloor: «Es ist viel Arbeit, doch inzwischen sind wir schweizweit bekannt und werden auch zu verschiedenen Literaturveranstaltungen und -Festivals eingeladen. «Wichtig sind uns unsere rund 100 Abonnenten, die unsere Hefte das Jahr hindurch erhalten.» In der Tat ist jede «Narr»-Ausgabe ein für sich stehendes literarisches und grafisches Kunstwerk.

Die Vernissage der «Narr-Groschen»-Hefte findet am 15. Dez. im Sphères, Zürich, und am 16. Dez. im Farelhaus, Biel, im Rahmen der Buchmesse Edicion statt. Alle 7 Hefte 30 Fr.; Einzelheft 7 Fr. Bestellung an: www.dasnarr.ch