Oltner Buchmesse

Literatur-Gipfel mit einer Premiere

Erfolgreich mit Krimis: Hansjörg Schneider mit seinen «Hunkeler»- und Martin Suter mit den «Allmen»-Romanen.

Erfolgreich mit Krimis: Hansjörg Schneider mit seinen «Hunkeler»- und Martin Suter mit den «Allmen»-Romanen.

Der Samstagabend der Jubiläums-Buchmesse war dem Diogenes-Verlag gewidmet. Auf der Bühne des Oltner Stadttheaters plauderten Hansjörg Schneider und Martin Suter über ihr Leben und Schreiben.

Beide Schriftsteller veröffentlichen ihre Bücher beim renommierten Zürcher Diogenes-Verlag, Suter von Anfang an, Schneider nach dem Eingehen seines Ammann-Verlags seit 2015. Moderiert wurde das Gespräch von Luzia Stettler, Literaturredaktorin bei Radio SRF 1.

Berufsziel Schriftsteller

«Ich wollte immer Schriftsteller werden», sagte Martin Suter offen. Gleichzeitig gestand er, dass er mit dem Schreiben auch Geld verdienen wollte. Deshalb bewunderte er den zehn Jahre älteren Hansjörg Schneider, der als Schriftsteller bereits erfolgreich war. Um vom Schreiben leben zu können, verfasste er Werbetexte. Und weil er das, was er machen musste, gut machen wollte, wurde Suter bereits mit 26 Jahren Creative Director bei der GGK in Basel, einer der bedeutendsten Werbeagenturen. Parallel dazu schrieb er Reportagen, unter anderem fürs «Geo».

1997 gelang ihm der Durchbruch mit dem Buch «Small World». «Ich schickte das Manuskript an den Verlag, und am Silvester rief mich Diogenes-Verleger Daniel Keel an, um mir zu sagen, dass er den Roman veröffentlichen und sich für ihn besonders einsetzen werde», erzählte Suter. Klar, dass er mit dem Champagner nicht bis Mitternacht wartete. In «Small World» gibt es auch ein Verbrechen, aber der Kriminalfall spielt eine untergeordnete Rolle. Suter, selber ein kritischer und ungeduldiger Leser, weiss aber: «Auch wenn nicht im Vordergrund – eine Geschichte, die ich erzähle, muss immer ein Spannungselement haben. Bloss Stimmung und Schönheit der Sprache ist nicht abendfüllend.»

«Richtige» Krimis verfasst Martin Suter seit 2011, in denen er die Figur des Lebemanns von Allmen mit seiner Firma für Wiederbeschaffung von schönen Dingen schuf. Das Publikum am Diogenes-Abend kam in den Genuss einer Premiere. Suter las zum ersten Mal aus einem seiner Allmen-Romane, einen Abschnitt aus «Allmen und die Libellen».

Literaturform Krimi

Der 1938 in Zofingen geborene Hansjörg Schneider arbeitete nach seinem Studium zuerst am Basler Theater. Er wagte früh den Schritt in die Schriftstellerei. 1972 hatte er Erfolg mit dem Schauspiel «Sennetuntschi», das ihn 1980 mit der Fernsehausstrahlung in die Schlagzeiten und Leserbriefspalten brachte. Schneider verfasste auch Drehbücher. «Ich hatte einmal eine gute Geschichte und bot sie dem Fernsehen mit einem Exposé für die Eurocops-Krimiserie an. Doch als ich sah, was sie daraus machen wollten, zog ich das Angebot zurück und schrieb einen Kriminalroman», berichtet Schneider.

So entstand Peter Hunkeler, Basler Kriminalkommissär (inzwischen pensioniert). Hansjörg Schneider las Passagen aus seinem neunten Fall, «Hunkelers Geheimnis», der sich mit dem topaktuellen Thema Flüchtlinge befasst.

Allerdings werden Kriminalromane oft nicht als richtige Literatur angesehen. Wer einfach und leicht lesbar oder Krimis schreibt, ist suspekt, bemängelte Schneider. Wie um das Gegenteil zu beweisen, überraschte Martin Suter alle, indem er drei Landschaftsbeschreibungen aus Hunkeler-Romanen vorlas, Stimmungsbilder in wunderbarer Sprache.

Wurlitzer im Olimpia

Welchen Bezug haben die Bestsellerautoren zu Olten, fragte sie Luzia Stettler. Hansjörg Schneider verbindet Olten mit einer lebendigen Jazz-Szene. Er wuchs in Zofingen auf und besuchte Konzerte in Olten, beispielsweise im Gambrinus. Er bewunderte immer den Jazztrompeter Umberto Arlati. Schneider erinnert sich auch an das Café «Olimpia» an der Baslerstrasse, wo eine Wurlitzer-Musikbox mit Jazzplatten stand.

Martin Suter hingegen kennt Olten eigentlich nur als Umsteigebahnhof, etwa wenn nachts der letzte direkte Zug von Zürich heim nach Basel bereits weg war und nur der Umweg über Olten blieb. Immerhin schätzt der Sprachkünstler Suter das Bahnhofbuffet, einen Schmelztiegel der Schweizer Mundarten. «Das Bahnhofbuffet Olten war ein Ort, der einen manchen Zug verpassen liess.» Wenn das keine Liebeserklärung ist.

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