Olten
Life Style ist bei den Matura- und Abschlussarbeiten hoch im Kurs

Am Samstag wurden an der Kantonsschule Olten die Matura- und Abschlussarbeiten präsentiert. Bei deren Themenwahl gibt es klare Favoriten.

Urs Huber
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Viel Betrieb an der Infotafel, die zu den Präsentationen der Matura- und Abschlussarbeiten leitete.

Viel Betrieb an der Infotafel, die zu den Präsentationen der Matura- und Abschlussarbeiten leitete.

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«Ich sage immer: Es ist das wissenschaftliche Gesellenstück.» Martin Pünter ist seit Jahren Leiter der Arbeitsgruppe Maturaarbeit an der Kanti Olten und bringt den Charakter der Matura- oder Abschlussarbeit mit diesem Satz auf den Punkt.

«Hier stellen Schülerinnen und Schüler erstmals das wissenschaftliche Arbeiten ins Zentrum.» Von der Idee bis zu deren Umsetzung, Fragestellungen, Vermerk auf Quellen, dem didaktischen Vorgehen, den Schlussfolgerung stammt (fast) alles aus Schülerhand. Seit rund 15 Jahren gehört die Arbeit an sich zum Maturitätswerdegang, in den letzten Jahren wurde sie notenwirksamer Bestandteil. Am Samstag erlebte die öffentliche Präsentation der Arbeit einmal mehr ihre Hochzeit an der Kantonsschule.

Maximale Freiheit

«Die Schülerschaft ist bei ihrer Themenwahl maximal frei», sagt Pünter. Wobei er festhält, dass man gelegentlich bei völlig abstrusen Themen das Veto einlege. Zudem haben in den letzten Jahren Trendthemen Einzug gehalten, einzuordnen vielleicht unter dem Oberbegriff «Life Style». Themen wie Veganismus oder Krafttraining etwa. Zunehmend auch Arbeiten aus der Sparte Literatur und Sprachen.

«Freie» Wahl

Das Thema einer Matura- oder Abschlussarbeit wird in der Regel dann angenommen, wenn sich dafür eine betreuende Lehrkraft findet und der Schüler in seiner Laufbahn je mit der betreuenden Lehrkraft im Unterricht zu tun hatte.

«Es ist klar: Schülerinnen und Schüler wählen Themen aus einem Fachbereich, der ihnen den besten Erfolg verspricht», fasst Pünter zusammen. Er hält im Übrigen für möglich, dass der Einzug der ersten Maturitätsjahrgänge mit Sek-P-Einfluss die Art der Themenwahl beeinflussen könnte.

Geburtsreihenfolge bedeutsam

Der Blick in die Unterrichtszimmer, die zu Präsentationszimmer umfunktioniert wurden, offenbart dann die Vielfältigkeit der Arbeiten: Céline Cornaz aus Olten hat sich in ihrer Zwillingsstudie der Frage angenommen: «Beeinflusst die Geburtsreihenfolge bei Zwillingen deren späteres Verhalten?» Fazit der zweieiigen Zwillingsschülerin: Es tut.

«Das hat mich eigentlich schon noch überrascht», sagt sie. Während Erstgeborene im Vergleich zu ihren Nachfolgern zumindest in den ersten Lebensjahren als forscher, kontaktfreudiger, bestimmender wahrgenommen werden, verliert sich diese Eigenheit im Laufe des Lebens aber zunehmend. «Leider konnte ich lediglich mit sechs eineiigen Zwillingspaaren arbeiten. So musste ich auch mit zweieiigen Zwillingen arbeiten, um überhaupt zu einigermassen repräsentativen Ergebnissen zu kommen», so Céline Cornaz.

Solche Schwierigkeiten kannte Pablo Baschung aus Stüsslingen nicht. Er hatte sich auf einen zweiwöchigen Selbstversuch zum Thema «Glück» eingelassen. Rund 50 Zuhörer wollten seine Erkenntnis aus erster Hand erfahren, die da waren: Glücksgefühle lassen sich zwar nicht erzwingen, aber deren Entstehung durchaus beeinflussen.

Und: Das Glück liegt auch in einer ausgewogenen, vorurteilslosen Kommunikation und ist letztlich durch drei Faktoren bestimmt: der eigenen Person, dem nicht näher zu bestimmenden Momentum und der andern Person. «Ich wollte von den Erkenntnissen meiner Arbeit auch im späteren Leben noch profitieren können», begründete der Stüsslinger seine originelle Themenwahl.

Einkaufen in «D» spart Geld

Handfesterem widmete sich Nils Rohrmann aus Oberbuchsiten, der in Erfahrung bringen wollte, ob sich beim Einkaufen in Deutschland sparen lässt. Es tut, aber nicht für alle, wie der Maturand festhielt. Es lohnt sich vor allem für die von ihm erdachte vierköpfige Familie, nicht aber für Einzelpersonen, weil für Letztere die Fahrtkosten genau gleich hoch sind und mengenmässig für die Einzelperson an sich bloss ein geringerer Spareffekt drinliegt.

Und während Nils Rohrmann vom gefüllten Warenkorb berichtete, erzählte Jasmin Schleuniger aus Olten die Geschichte ihrer Verwandten im «Endzeitberlin» 1945, deren Erlebnisse zu traumatischen Zuständen hätten führen können.

Dies aber offenbar nicht taten. Denn: «Ein funktionierendes, tragendes soziales Netz vermag traumatisierende Ereignisse augenscheinlich aufzufangen», resümierte Jasmin Schleuniger die Erkenntnisse ihrer Arbeit. Sei sie zuvor noch davon ausgegangen, dass Kriegserlebnisse per se zu einer Traumatisierung führten. Jetzt ziehe sie denn Schluss, dass dies nicht zwingend so sein müsse. Zum Glück.