Olten

«Leute von woanders» sollen dank dieser Gruppe schneller Anschluss finden

Kirill Bourovoi (2. von links) und seine Frau Jessica (4. von rechts) organisieren regelmässige Treffen.

Kirill Bourovoi (2. von links) und seine Frau Jessica (4. von rechts) organisieren regelmässige Treffen.

Um den Wirtschaftsstandort Olten zu fördern, werden unorthodoxe Mittel ergriffen. Die Gruppe «International Community Olten» soll zum Beispiel Neuzuzügern aus Nah und Fern helfen, sich in Olten zu integrieren.

«Es gibt viele Leute wie wir in Olten», sagt Kirill Bourovoi. Mit «Leute wie wir» meint er Menschen, die Olten als ihre Heimat gewählt haben, aber nicht hier aufgewachsen sind. Menschen, die wegen beruflicher oder privater Gründe aus dem Ausland nach Olten gekommen sind. Bourovoi selber ist Weltbürger: Geboren ist der 34-Jährige in Russland, zur Schule ist er in Deutschland gegangen, studiert hat er in mehreren Ländern. Seit drei Jahren wohnen er und seine Frau Jessica hier in Olten. «Mit dieser Gruppe wollen wir keine Insel in Olten schaffen. Sondern wir wollen dazu beitragen, dass Leute von woanders schneller Anschluss finden und sich untereinander und mit den Einheimischen vernetzen.»

Die Gruppe International Community Olten (ICO) gibt es seit letztem März. Den Stein ins Rollen gebracht hat der Oltner Wirtschaftsförderer Rolf Schmid. Er will mit dieser Gruppe dem Fachkräftemangel in der Region entgegenwirken. «Bei einem Anstellungsgespräch mit jemanden, der nicht aus der Region oder aus der Schweiz kommt, kann es nur zum Vorteil sein, sagen zu können, dass es eine Anlaufstelle gibt», so Schmid. Sein Ziel ist es, dass der Standort Olten wahrgenommen und attraktiver wird. «Wir wollen, dass Leute nach Olten kommen, hier arbeiten und wohnen.» Oder nur eines von beiden. Diese Plattform soll nun zeigen, dass schon ein soziales Netzwerk vorhanden ist. «Es ist wünschenswert, dass an diesen Treffen nicht nur die internationale Gemeinschaft teilnimmt, sondern auch Oltnerinnen und Oltner mit Interesse an spannenden Kontakten», meint Schmid.

Die Gruppe ist letztendlich dank Kirill Bourovoi und seiner Frau Jessica entstanden. «Wir haben eine solche Gruppe in Olten vermisst und wollten schon selbst aktiv werden. Als ich in meinem Betrieb hörte, dass der Wirtschaftsförderer ein ähnliches Projekt im Visier hatte, haben wir uns zusammengeschlossen und gemeinsam den ersten Kick-off-Event organisiert», so Bourovoi. Bei diesem ersten Anlass sind ungefähr 30 Menschen aus aller Welt gekommen.

Um sie zu erreichen, musste zuerst Werbung gemacht werden und vor allem musste eine Website her. Diese wurde durch den Wirtschaftsförderer gesponsert. «Das Ganze anzustossen hat uns ungefähr 2000 bis 3000 Franken gekostet», sagt Schmid. Der Rest der Marketingaktion wurde dank der Arbeit der Gruppe selber realisiert. Er ist froh, dass eine «Eigendynamik» entstanden ist und die Gruppe sich regelmässig trifft, sodass er in den Hintergrund treten kann.

Seit März gibt es jeden zweiten Donnerstag im Monat ein Treffen. «Wir treffen uns in einer Bar oder Kneipe in der Stadt und lernen so auch neue Orte kennen», erklärt Bourovoi. Im Sommer seien zeitweise nicht viele Leute anwesend gewesen, da viele Gruppenmitglieder verreist waren. «Doch meistens sind wir ungefähr zehn bis zwanzig Menschen. Im E-Mail-Verteiler hat es etwa 75 Adressen», meint er. An diesem Donnerstagabend treffen sich ungefähr 15 Wahloltner, darunter auch vier neue Gesichter.

Ein Abend auf Deutsch, Englisch und Spanisch

Bourovoi ist mit seiner Frau als Erster vor Ort. Seine Frau Jessica arbeitet im Bündnerland als Kantonsschullehrerin und er in Aarburg bei der Franke Gruppe. «Wir haben uns aber in der Ostschweiz kennen gelernt», sagt er. Jessica ist in Italien aufgewachsen, seine Familie wohnt in Deutschland. «Uns gefällt es in der Schweiz und sie ist geografisch in der Mitte zwischen den Wohnorten unserer Familien», sagt Bourovoi. Er und seine Frau verstehen Schweizerdeutsch und wollen auch in Zukunft in der Schweiz bleiben.

Jetzt trudeln die Leute ein. Es wird Englisch gesprochen, das Bier wird auf Deutsch bestellt. Die Leute kommen aus aller Welt. Die Geschichten, wieso sie in Olten wohnen, sind unterschiedlich, gleichen sich aber trotzdem. Sei es die Liebe, sei es der Beruf oder weil von Olten her grössere Schweizer Städte gut erreichbar sind.

Autorin

Judith Frei

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