Es scheint kompliziert zu sein. Roman Wyss sitzt an seinem Arbeitstisch. In seiner linken Hand: eine Computermaus. Zu seiner Rechten: ein Bildschirm. Vor ihm: zwei weitere Bildschirme. Senkt Wyss seinen Blick, sieht er zwei Mischpulte mit vier digitalen Anzeigen, 17 Schiebereglern, ebenso vielen Drehknöpfen, 127 teils rot oder weiss leuchtenden oder blinkenden Tasten sowie zig Lämpchen.

Auf dem Pult und unter dem Fenstersims stehen weitere Apparate, alle irgendwie verkabelt. Den Durchblick in diesem Studio, hat wohl nur der Produzent: Roman Wyss, der schon mit Grössen wie Endo Anaconda, Gigi Moto, Manuel Stahlberger oder Marc Sway zusammengearbeitet hat.

Ins Mikrofon

Hinter der Glasscheibe sitzt Alex Capus. An diesem Dienstagmorgen spricht der Bestsellerautor Texte ins Mikrofon. Über seine Heimat weiss Capus allerhand zu berichten. Einiges hat er in jene acht Kurzgeschichten verpackt, die er nun vorliest. Vorbei ists mit der Flachserei, volle Konzentration ist angesagt. «Am Bahnhof» heisst die erste Erzählung.

Schon nach wenigen Wörtern verhaspelt sich Alex Capus. «Nomou», sagt er in unverkennbarem Oltner Dialekt und wiederholt die Passage, ohne sich aufzuregen. Besser. Aber nicht gut. «Warte rasch», unterbricht ihn Roman Wyss und schiebt diplomatisch nach: «Ich finde, du könntest es ein wenig ruhiger nehmen.» Langsamer also.

Der Autor, der lieber schreibt denn liest, beginnt von vorn, diesmal klappts tadellos. Dennoch fällt ihm der Tontechniker wieder ins Wort: «Warte rasch.» Roman Wyss steht auf, öffnet die zwei Türen zwischen Technik- und Aufnahmeraum, stellt eine Wand hinter den Vorleser. Nun sollte es besser klingen.

Capus setzt an – und wird erneut zurückgepfiffen. «Warte rasch.» Der Inhaber der «double U productions GmbH» schiebt an einem Regler rum, «jetzt hallt es.» Sekunden später – alles perfekt eingestellt. Doch er muss den Schriftsteller, in seiner Story bereits auf Gleis 12 angekommen, wiederum bitten, einen Abschnitt zu wiederholen. «Ich habe das Rascheln beim Umblättern gehört», sagt der Mann an den Knöpfen – ein Musiker mit bestens geschultem, vielleicht sogar dem absoluten Gehör. Keine eineinhalb Stunden später bemerkt er, keinesfalls unglücklich darob: «Jetzt sind wir schon bei der letzten Geschichte.»

Sie heisst «Eiger, Mönch und Jungfrau» und dreht sich um ebendiese Gipfel, die von der Bahnhofbrücke in Olten aus zu erblicken sind – sofern sich keine Nebelschwaden dazwischenschieben, wie dies im Spätherbst und Winter so oft vorkommt in der Stadt am Jurasüdfuss. Auch das ein Thema, das der Autor in einer seiner acht Erzählungen aufgreift, die ab Ende April auf der Alex-Capus-Tour des nationalen Schriftstellerwegs «Olten LiteraTour Stadt» zu hören sind.

Sie scheint sich zu lohnen, all die Mühe. Die Geschichten sind im Kasten, Alex Capus bedankt sich, verabschiedet sich und schwingt sich auf sein Fahrrad. Der Tontechniker macht sich alleine an die Arbeit. Eine Weile noch wird Roman Wyss die Fragmente zusammenschnipseln und dafür sorgen, dass die Qualität der Audiodateien stimmt – und dem Hörgenuss in Olten ab Ende April nichts mehr im Wege steht. (mgt)