Die Marke: aussergewöhnlich. Deren Verkostung: ebenso. Die Rede ist da von Kalte Lust, dem hiesigen Produzent von Speiseeis, welches in fast 30 Aromen zu haben ist und dessen Verkostung bei Glaceliebhabern die Seele wärmt. Hinter der Marke stecken Dominique Mattenberger, Darko Bosnjak und Florian Stähli, die beiden Erstgenannten sind Geschäftsführer des Hotels Olten, die nebenher auch noch Speiseeis herstellen.

Und gemäss einer von «Blick» initiierten Facebook-Umfrage auch das beste der Schweiz. «Wir sind sicher Nischenplayer», sagt Mattenberger. Obwohl: Letzten Monat gingen 10'000 Becher in den Verkauf. Nicht übel für einen Nischenplayer, der das Eis von A bis Z selbst herstellt und gar noch die Aroma-Etikettierung eigenhändig auf den Becherdeckel klebt.

Firmenbezeichnung (Kalte Lust) und die affirmative Verortung des Produkts (Leck mich) sind das Eine, das andere sind die Rohstoffe, welche verarbeitet werden. Ums kurz zu machen: Das Beste ist dem Glaceproduzenten gut genug. Die Bio-Milch etwa stammt vom Hof der Familie Badertscher aus dem bernischen Madiswil.

Jamal Haidache, der Meister

Wenns aber darum geht, den Hauptverantwortlichen für den Erfolg zu benennen, zögern die beiden Hotel-Olten-Geschäftsführer keine Sekunde. Die Lorbeeren gehen an Jamal Haidache, dem Meister-Gelataio aus Italien. «Dort hab ich meinen Beruf auch gelernt», sagt der 46-Jährige. Der Meister der Ingredienzien lächelt. Und es dauert keine Sekunde, bis er in einem Becher schwungvoll eine leckere Stracciatella herüber reicht. «Die 150 Milliliter sind volumenmässig Standard», sagt Darko.

«Der Inhalt aber äusserst lecker», sagt ein Geniesser. Die knapp 30 Aromen sind die Basis von Kalte Lust. Der absolute Renner darunter ist die Eiscrème mit Pistazien. «Die geht eindeutig am besten», sagt Mattenberger. Ein Produkt, das nicht vor Geschmacksverstärkern und künstlich beigefügten Aromen strotzt, sondern wirkt, als hätte man die Pistazienkerne zu einem himmlischen Schaum geschlagen und dann mit Zucker und Milch vermengt.

Die Produktionsfläche, derzeit noch in den Betriebsräumlichkeiten des Hotel Olten angesiedelt, korrespondiert eigentlich eher negativ mit dem Erfolg von Kalte Lust. 45 Quadratmeter müssen Jamal Haidache reichen. Noch. Denn die Verantwortlichen rechnen mittelfristig mit Wachstum. «Wir sind auf der Suche nach einem grösseren und geeigneteren Standort», sagt Bosnjak.

Drei Pasteurisatoren und eine Glacemaschine müssen derzeit reichen, demnächst soll aber eine zweite installiert werden. «Wir müssen uns noch genau darüber schlüssig werden, welches Zielpublikum wir mit unserem Produkt ansprechen wollen», sagt Mattenberger. Tendenziell haben die beiden Geschäftsleute vor allen die Gastrobranche und den Strassenverkauf im Visier.

Sardellen-Glace gibts auch

Und da gibts da noch rund 80 andere Aromen, die meist auf speziellen Wunsch hergestellt werden. Der Vorstellung sind kaum Grenzen gesetzt. Demnächst kommt eine Glace aus Zitronengeranie in den Verkauf. Schon am Markt ist bereits ein anderer Exot: Wer kennt «After Eight» nicht, jene quadratischen Täfelchen aus Bitterschokolade, die mit einer Fondantcreme mit Pfefferminz-Geschmack gefüllt sind. «Daraus lässt sich auf Wunsch Glacé machen», sagt Bosnjak. Hauptzutat klar: After Eight-Plättchen. Und selbst Glacé aus Sardellen stellt Kalte Kunst auf Bestellung her. «Das war bislang der ausgefallenste Auftrag», weiss Mattenberger.

Die Herausforderung dabei: die an sich unmöglich scheinende Verbindung von Salzigem mit Süssem. Meister Jamal Haidache schaffts. Meist gehen diese speziellen Kreationen auf Wünsche von Firmen zurück, die dann gleich 200 oder 300 Becher bestellen.

«Leck mich!» geht nicht überall

Die Kalte Lust tritt keck auf. Nur schon deren Firmenname dürfte für nicht wenige eher gewöhnungsbedürftig sein. Zur Diskussion stand am Anfang noch die Bezeichnung Rotzlöffel; aber die war einem engeren Testpublikum dann doch zu negativ besetzt. Aber der mit der Glace einhergehende Imperativ «Leck mich!» stösst definitiv an Grenzen. «In urbaneren Gebieten wird das toleriert oder gar belustigt zur Kenntnis genommen», sagt Bosnjak. Weniger im ländlichen Raum. Dort müssen andere affirmative Bezeichnungen her.

Gratiseis am Dienstag

Die Auszeichnung beste Glacé der Schweiz haben Mattenberger und Bosnjak zur Kenntnis genommen. Und weil viele Facebook-Nutzer aus Olten die Abstimmung wesentlich beeinflusst haben, wollen sich die beiden erkenntlich zeigen und laden am kommenden Dienstag zwischen 12 und 14 Uhr an die Hauptgasse in die Gelateria. Dort gibts Gratiseis. «Wir rechnen mit rund 400 Litern», sagt Bosnjak und lächelt. Mattenberger ebenfalls.