Am Donnerstag mussten sich zwei Türken wegen versuchtem qualifiziertem Raub, mehrfacher einfacher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen unter der Leitung von Amtsgerichtspräsident Pierino Orfei verantworten.

Cem K.* wird zudem angeklagt, bereits im Juli 2016 Diebesgut des erneuten Opfers Markus E.* und einer weiteren Anwohnerin im Wert von rund 34'105 Franken entwendet zu haben.
Er wird in Handschellen hineingeführt, weil er sich seit dem 28. November 2016 im vorzeitigen Strafvollzug befindet.

Sein Cousin, Yasin T.*, wurde aus familiären Gründen vorzeitig entlassen und wird deshalb nur von einem Polizisten begleitet, dem er in Grösse und Breite in Nichts nachsteht. «Sie sind ja ein Baum von einem Mann», bemerkt auch Orfei erstaunt. «Sie konnten das Opfer bestimmt mit links zu Boden drücken.»

Der Amtsgerichtpräsident spielt mit dieser Aussage auf den Vorfall Mitte September 2016 an, als die beiden Cousins gewaltsam in die Wohnung von Oltner Markus E., dem Nachbarn von Cem K., eingedrungen seien und diesen zu Boden gerissen hätten.

Opfer wehrt sich gegen Angriff

In schwarze Umhänge gehüllt und mit schwarz-weissen Scream-Masken verkleidet, hätten Cem K. und Yasin T. das Opfer von hinten angefallen und in seine Wohnung befördert. Weil es dunkel war, hat der Rentner kaum etwas erkennen können und daher nur Umrisse ausmachen können. Er unterscheidet die beiden Angeklagten deshalb nach ihrer unterschiedlichen Grösse.

«Der Grosse hat mich auf den Boden gedrückt, während der Kleine nach Geld geschrien hat», schildert der Oltner. Markus E. habe sich gewehrt, gegen den stämmigen Yasin T. konnte er jedoch nichts auswirken. Nachdem Cem K. angeblich mehrere Zimmer nach Wertgegenständen durchsuchte, habe er aus Frust angefangen, auf das Opfer einzuschlagen, welches sich stark wehrte und schrie. Danach habe er seinem Kollegen eine Schere in die Hand gedrückt und in gebrochenem Deutsch immer wieder «Stich ihn ab!» geschrien. Eine Nachbarin verständigte wegen des Lärms die Polizei.

Noch während des Gerangels, nachdem Markus E. die Hände verbunden worden seien und sich Yasin T. daraufhin an das Fesseln der Füsse gemacht haben wollte, sei es dem Rentner gelungen, aus der Wohnung zu fliehen. Das Opfer trug nebst seinen Verletzungen auch schwerwiegende Rückenprobleme davon und muss seit dem Vorfall täglich Medikamente einnehmen. Deshalb fordert Markus E. von den beiden Beschuldigten nebst dem Schadenersatz von 2107.15 Franken eine Genugtuung von jeweils 10'000 Franken. «Diese Schmerzen muss ich jetzt mein Leben lang mit mir rumtragen.»

Einsicht beeinflusst Strafmass

Während der Verhandlung hält Yasin T. den Kopf gesenkt und wirkt auf einmal gar nicht mehr so gross. Der Vorfall belaste ihn psychisch sehr, weshalb er zu den Fragen des Amtsgerichtspräsidenten keine Stellung mehr beziehen will. «Ich möchte einfach gerne die Erinnerung daran verdrängen.» Mehrere Male entschuldigt er sich für seine Tat.

Auch Cem K. lässt durch seine Dolmetscherin aufrichtige Reue bekunden. Laut Yasin T. hätten die Cousins vorgehabt, «Bares zu nehmen». Cem K. hingegen bestreitet diese Anklagepunkte. Sie hätten nie die Absicht gehabt, Markus E. Schaden zuzufügen, sie wollten ihn eher erschrecken.

Aufgrund des Tathergangs sehen sich beide Beschuldigten mit demselben Strafmass konfrontiert. Da jedoch Yasin T. während der gesamten Verhandlung Einsicht und Reue zeige, habe dies, laut Staatsanwalt Christoph Fricker, einen strafmildernden Einfluss. Cem K. hingegen bestreite den Tathergang nach wie vor und erschwere somit die Urteilsverkündung, weshalb die Staatsanwaltschaft für den Angeklagten eine unbedingte Freiheitsstrafe von 54 Monaten fordert.

Für Yasin T. liegt das Strafmass bei einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 10 Monaten unbedingt und 26 Monate bedingt mit einer Probezeit von 3 Jahren. «Das Strafmass ist massgeblich von der Kooperation des Angeklagten abhängig», hebt Fricker hervor.
Die beiden Verteidiger stimmen dem Staatsanwalt in dieser Hinsicht zwar zu, fordern jedoch für ihre Mandanten ein milderes Strafmass.

Beide seien bislang noch nie kriminell aufgefallen, es dürfe deshalb davon ausgegangen werden, dass diese Straftat eine Einzeltat sei und bliebe. Thomas Fürst, Verteidiger von Yasin T., führt sogar aus, dass sein Mandant mit dieser Tat den grössten Fehler seines Lebens begangen habe und diesen zutiefst bereue. Mitunter aus diesem Grund fordert der Verteidiger eine bedingte Freiheitsstrafe von 19 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Aristide Roberti, Verteidiger von Cem K., fordert ebenfalls nur eine bedingte Freiheitsstrafe von 21 Monaten und anerkennt die vom Staatsanwalt erläuterte Straferhöhung, weil sein Mandant sich nicht so kooperativ verhalten habe, wie dessen Komplize. Die Angeklagten anerkennen zudem die vom Opfer geforderte Schadenersatzsumme sowie die ursprünglich beantragte

Genugtuung von 1500 Franken

Amtsgerichtspräsident Orfei schliesst die Verhandlung ab und wendet sich an Yasin T.: «Wenn Ihr Cousin das nächste Mal so eine dumme Idee hat, hauen Sie ihm eins um die Ohren.» Das Urteil wird am 2. Februar mündlich verkündet.

* Namen von der Redaktion geändert