Olten

Larifari an der Segelflugmeisterschaft 1937

Der Oltner Militärhangar mit dem Segelflugzeug Spalinger S 18 II HB-214 von Jakob Spalinger

Der Oltner Militärhangar mit dem Segelflugzeug Spalinger S 18 II HB-214 von Jakob Spalinger

1937 fand die erste nationale Segelflugmeisterschaft in Olten statt. Sowohl die Organisation als auch das Teilnehmerfeld war einer Schweizer Meisterschaft eigentlich nicht würdig.

Vor 80 Jahren fand in Olten die erste Schweizer Segelflugmeisterschaft statt. Der damalige Oberexperte im Segelflug, Hermann Schreiber, berichtete mit spitzer Feder über den Anlass. Das stille Abenteuer hat bis zum heutigen Tag nichts an seiner Faszination verloren und so hat die 85 Jahre junge Segelfluggruppe Olten im Moment keine Nachwuchssorgen.

Die Segelflugsaison 2017 ist beendet. Am Samstag, 23. September 2017, treffen sich die Mitglieder der Segelfluggruppe Olten zur abschliessenden Ziellandkonkurrenz. Dabei sind präzise Ziellandungen gefragt.

Diese Fähigkeit macht zwar immer noch einen guten Piloten aus, ist aber keine offizielle Wettbewerbsdisziplin mehr. Das war an der ersten nationalen Segelflugmeisterschaft vom 25. und 26. September 1937 auf dem Flugplatz Olten Gheid anders. Die Teilnehmer massen sich in den Disziplinen Dauerflug, Höhengewinn und Ziellandung.

Larifari-Betrieb

Die Wetterbedingungen waren an der Schweizer nicht optimal. Das erstaunt nicht, denn in Olten findet sich das perfekte Segelflugwetter in der Regel im Frühling und Frühsommer.

Neben dem Wetter bemängelte Hermann Schreiber, Oberexperte im Segelflug, auch die Organisation des Anlasses: «Anstelle von disziplinierten straffen Helfern und sorgfältiger Bereitstellung von Flugplatz, Startmittel und Hangar musste in der ersten Hälfte des Samstagnachmittags der ganze Betrieb zum grossen Teil improvisiert werden.» Schreiber war sich als Fliegeroffizier keinen Larifari-Betrieb gewohnt.

Auch das Teilnehmerfeld war einer Schweizer Meisterschaft nicht würdig. Von den vierzehn aufgebotenen Teilnehmern erschienen am Samstag nur fünf. Einer kam am Sonntag dazu, zwei haben sich entschuldigt. «Die übrigen Piloten fanden es nicht für nötig, ihre Abwesenheit zu entschuldigen», schrieb der Oberexperte.

Der eigentliche Wettbewerb war schnell entschieden. Jakob Spalinger startete als erster und realisierte in einer schwachen Thermik einen Höhengewinn von 230 Metern und eine Flugzeit von 1 Stunde 23 Minuten. Die Konkurrenten konnten diese an und für sich bescheidenen Leistungen nicht mehr überbieten.

Segelflugzeug S 19 auf dem Flugplatz Olten. Rechts ist der Kamin der Zementfabrik zu erkennen.

Segelflugzeug S 19 auf dem Flugplatz Olten. Rechts ist der Kamin der Zementfabrik zu erkennen.

Dank einer perfekten Ziellandung wurde Jakob Spalinger zum ersten Schweizer Segelflugmeister ausgerufen. Schreibers Schlussfolgerung: «Die erste Schweizer Segelflugmeisterschaft machte in Bezug auf andere nationale Meisterschaften einen geradezu ärmlichen Eindruck.»

Auch aus Oltner Sicht, denn der Lokalmatador Fritz Glur landete mit seinem selbst gebauten Segelflugzeug S 19 HB-225 auf dem zweitletzten Platz. Doch Glurs selbst gebautes Segelflugzeug ist heute immer noch flugtüchtig. Die in Bettlach domizilierten Stiftung Segel-Flug-Geschichte sorgt für den Erhalt dieses historisch wertvollen Flugzeuges.

Abgesehen von der familiären Schweizer Meisterschaft im Segelkunstflug 1976 fanden auf dem Flugplatz Olten keine weiteren nationalen Wettbewerbe statt. Die Platzverhältnisse sind zu eng. Wegen dem Kiesabbau am östlichen Platzende wurde der Flugplatz ständig kürzer. Ein Motorflugverbot 1978 sollte für das definitive Ende der Oltner Aviatik sorgen. Doch ein paar Enthusiasten zogen im Frühling 1979 auf superprovisorischer Basis einen Windenbetrieb auf.

Lokalmatador Fritz Glur landete auf dem zweitletzten Rang.

Lokalmatador Fritz Glur landete auf dem zweitletzten Rang.  

Das auf 30 mal 560 Meter reduzierte Flugfeld war eigentlich zu kurz für einen erfolgreichen Windenbetrieb. Doch die perfekten Oltner Segelflugbedingungen ermöglichten es den geübten Piloten, auch aus einer Klinkhöhe von nur 220 Meter über Grund Anschluss an die Aufwinde zu finden.

Ab 1980 wurden auf dem Gheid wieder Segelflugschüler ausgebildet. Zum Beispiel Thomas und Daniel Frey, die fünffachen Schweizer Meister von 1996 bis 2000. 2004 konnte die Segelflugpiste gegen Westen verlängert werden. Die heute 850 Meter lange Piste reicht aus, um eine Klinkhöhe von ca. 350 Metern zu erreichen. In der Flugsaison 2017 erlangten sechs Piloten das Segelflugbrevet.

Optimismus angesagt

Trotz zunehmender Reglementierung blickt die Segelfluggruppe Olten optimistisch in die Zukunft. Der nächste Grossanlass auf dem Gheid findet 2019 zum 100-Jahr-Jubiläum der Oltner Aviatik statt; mit Sicherheit besser organisiert als die Schweizer Meisterschaft von 1937.

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