Seit fünf Jahren ist Reto Orfei intensiv am Malen; dies in einer vielschichtigen formalen Gestaltung, die vieles offenlässt. Beim Betreten der Korridore entdeckt man eine subtil aufgebaute Flusslandschaft der Aare entlang mit hängenden Baumkronen über dem Wasser. Man erkennt in der Abendstimmung helle Lichter auf der Wasseroberfläche und erlebt ein Farbenspiel voller Transparenz.

Andere Bilder tauchen in abstraktere formale Gestaltungen ein, wo das figurative Element an Bedeutung verliert, dem Spiel der Farben viel Raum offengelassen wird. Auf einzelnen Bildern erkennt man Bäume in lockeren Reihen, durch die man hindurchblicken kann in eine dunkel verhangene Landschaft. Diese Bilder in eher verhaltenen Farben strahlen viel Schönheit aus und sind geprägt von leiser Melancholie.

Weite Horizonte

Auf anderen Aussagen ortet man weite Horizonte, einen Bergrücken vielleicht, erhellt von rötlichem Licht, wobei er aus einem dunkel violetten Vordergrund auftaucht. Reto Orfei liebt die weiten Horizonte, vorgelagerte Ebenen, manchmal fällt der Horizont in die Ebene hinein. Die Trennungslinie ist kaum auszumachen, und man erlebt ein Gefühl für die Unendlichkeit. Orfei hat etwas von einem leidenschaftlich Suchenden an sich, ständig ist er neuen Bildinhalten auf der Spur, spielt mit Wasser, mit Gräsern und Schilf am Fluss oder Seeufer, setzt Bäume in den Raum, markiert dunklere Schatten.

Auch abstraktere Bildkompositionen sind zu erkennen. Durch seine raffinierte Mischtechnik und einen intensiv bearbeiteten Bildraum entstehen Strukturen auf der Oberfläche, die zusätzliche Spannungsfelder auslösen: oft leidenschaftlich komponiert, ineinanderfliessende Formen und Farben, die sich aber auch zugleich wieder von einander abheben. Besonders reizvoll sind die Bilder in der Cafeteria an der hintersten Wand mit Pflanzenmotiven. Ein leuchtend roter Blütenkopf ist zu erkennen, im Kontrast dazu die Rundung eines Apfels, übergross und voller Sinnlichkeit.

Diese Bilder haben viel Lebenskraft in sich und zeigen einen Künstler, der nicht in sich verharrt, sondern ständig nach neuen Ausdrucksformen sucht. Er ist ein malerischer Künstler, der Farben liebt, aber auch im Kontrast dazu Bilder in Schwarz-Weiss-Variationen malt, die in ihrer reduzierten Ausdrucksweise von grosser Faszination sind. Man erlebt Landschaften zwischen Himmel und Erde, die durch die zurückgenommene Malweise etwas Wortloses haben.

Einordnen– nicht einfach

Reto Orfei lässt sich nicht einfach in eine Malrichtung einordnen, man spürt seinen Aussagen an, dass er das Vielschichtige, die Veränderung, formale Strukturen, aber auch emotionalere Formulierungen liebt und seinen ganz persönlich geprägten Weg geht. Ruhig und durchdacht und doch in sich völlig gefesselt von der Leidenschaft des Malens. Nichts dünkt ihn in sich abgeschlossen, vieles muss und soll offen bleiben, sodass man neuen schöpferischen Prozessen auf der Spur ist. Dies zeichnet diesen begabten Maler aus.