«I am sailing, I am sailing. Home again ’cross the sea. I am sailing, stormy waters, to be near you, to be free.» Ganz so romantisch wie in diesem Song von Rod Stewart mutet die Szenerie von Mittwoch zwar nicht an, ein Eyecatcher ist sie aber allemal. Im Schwimmerbecken der Badi Olten tummeln sich statt eleganter Jachten andere, etwas bescheidenere Gefährte – vier farbige Badewannen.

Segeln im eigentlichen Sinne steht an besagtem Mittwoch also nicht auf der Tagesordnung: Nein, wer am ersten Oltner Badewannenrennen vorankommen will, der muss paddeln. Und zwar auf eine ganz bestimmte Art und Weise, wie sich Badmeister Thomas Müller einen Geheimtipp entlocken lässt: Gleichmässig und ruckfrei rudern. «Das macht auch Sinn. Rudert man nämlich kräftig, könnte Wasser in die Wanne schwappen. Somit», schmunzelt er, «steigt natürlich die Chance, unterzugehen.»

Schiffbruch erleiden wäre aber das Letzte, was ein Wannenkapitän und seine Besatzung erleiden möchten: Alle führen schliesslich einen bitteren Kampf um die Qualifikation für die erste Badewannen-Europameisterschaft vom 20. und 21. September im deutschen Wolfsburg. Dort wiederum werden 99 Ortssiegerteams aus Deutschland, Österreich, Italien, Luxemburg und der Schweiz gegeneinander antreten und versuchen, die 2000 Euro Gewinnsumme abzusahnen.

Ganze Schulsportklasse dabei

Kein Wunder finden sich ambitionierte Teilnehmer am Rennen ein. So auch die Schulsportklasse von Marie-Theres Wyss, die eigentlich eine ganz normale Schwimmstunde abhalten wollte. Wegen der Veranstaltung hat sie ihre Pläne nun aber spontan umgekrempelt. «Ich wusste gar nicht, dass wir hier mitmachen können. Das Rennen passt jedenfalls gut in unser Programm, die Kinder waren von der Idee sofort begeistert», sagt sie lachend.

Im nächsten Moment schon steht die Truppe Buben und Mädchen am Beckenrand und blickt voller Erwartung auf die vier bereitstehenden Badewannen mit den Namen Black Perl, Shoppinggirl-Wanne, Titanic und Fussballweltmeisterwanne (natürlich in den Farben Deutschlands). Viel Zeit zum Fachsimpeln bleibt den Kindern nicht mehr, für die ersten vier Zweierteams geht es in wenigen Minuten los.

Das Duo schneller Blitz, bestehend aus Fabio (11) und Kevin (12), muss dabei in den sauren Apfel beissen und in die pinkfarbene Shoppingwanne steigen – dazu noch mit pinkfarbenen Hüten. «Ich weiss wie man paddelt und bin schon einmal in einem Boot gefahren», meint Kevin auf seine Fähigkeiten angesprochen.

Ob das wohl hilft? Fehlanzeige: Während das Team Rivella mit der Black Perl zielstrebig auf das gelbe Schwimmentchen mitten im Becken zustrebt, es umrundet und bereits wieder den Rückweg antritt, drehen sich die Shoppingboys im Kreis, stossen – welch Wunder – mit der Titanic zusammen und landen letztlich im Wasser. «Jack und Rose sind untergegangen», ertönt es zusammen mit Celine Dions «My heart will go on» aus den Lautsprechern. Titanic Version zwei live hier in Olten.

Strategie: Einfach rudern

Da machen Patrick, 13, und Cyrill, 10, die zusammen das Siegerteam Rivella stellen und öfters ihre Freizeit in der Badi verbringen, eine weitaus bessere Falle. «Wir hatten einen super Start und glücklicherweise sind die anderen alle abgesoffen», sagt Patrick und grinst schelmisch. Die Strategie? «Einfach rudern», erklärt sein Kumpan. Bald wird klar, dass die beiden auch neben dem Wasser ganz Schnelle sind: Sie seien die Ersten gewesen, die sich eingeschrieben hätten, betont Cyrill. Gut so, würde Badmeister Müller hier wohl antworten. Denn einige Teilnehmer mehr hätte das Rennen schon vertragen: «Leider nehmen zu wenig Leute teil, das Wetter ist halt nicht ausgesprochen gut. Aber es sieht einfach super aus», bilanziert er.

Super aussehen und Spass haben, was will man da noch mehr? «Die 2000 Euro gewinnen, was sonst?», verkündet die zwölfjährige Schulsportlerin Flutura ernst. Mit ihr und ihrer Kollegin Marcia – Teamname: Simpsons – ist also nicht zu spassen. Aber Halt: Die stolze Summe kann erst an den Europameisterschaften abgesahnt werden. «Bei Olympia kriegt man in der Qualifikationsrunde ja auch keine Goldmedaille», so Müller zum geltenden Konzept und wagt einen Blick in die Glaskugel: «Mein grosser Wunsch ist, dass der Europa-Meistertitel an die Schweiz geht und der Sieger aus Olten kommt.» Na dann, liebe Oltner: Nix wie los, ran ans Paddeln!