Was ein Detaillist sofort unternehmen könne, um digital nicht vollständig abgehängt zu werden, hatte Moderator Rolf Schmid gefragt. «Als erstes die Kanäle nutzen», hatte die Antwort von Reto Baumgartner, MySign AG (Agentur und Softwarehaus, Spezialist für E-Commerce) gelautet. Twitter, Facebook, Instagram und Co. eben.

Zusammen mit Alain Bernheim, Herren- und Damenmodegeschäft, Olten; Urs Blaser, Wirtschaftsförderung Region Olten und Oltens Stadtschreiber Markus Dietler wollte die Versammlung der städtischen FDP die drängende Frage klären: «Läuft das Weihnachtsgeschäft bald nur noch digital?» Die provokante Prämisse blieb natürlich – zumindest teilweise – unbeantwortet.

Denn zum Schluss der gut stündigen Podiumsdiskussion blieb die Meinung Bernheims unwidersprochen: «Den Detailhandel wirds auch in zehn Jahren noch geben, fraglich ist bloss mit welchem Gesicht.» Dennoch liess der Unternehmer die Spürsinnigen unter den rund 50 Gäste mit einer andern Bemerkung hellhörig werden. Ob es aber Bernheim in zehn Jahren noch gebe, wisse er nicht. «Der Markt ändert sich rasant», so der Unternehmer, der zuvor über Umsatzrückgänge im zweistelligen Prozentbereich berichtet hatte. Diesen Umstand schrieb er hauptsächlich dem Onlineshopping zu.

Nur nicht verteufeln

Onlineshopping deswegen verteufeln? Davon riet Baumgartner ab. «Das ist die schlechteste Strategie.» Gefahren bedeuteten auch immer neue Chancen. Immer schon hätten vermeintliche Bedrohungsszenarien auch zu Innovationsschüben geführt. Obwohl: Für kleine Player im Detailhandel sieht Baumgartner wenig Behauptungsmöglichkeiten am Markt. Denn die Tage, an denen noch 60 bis 70 Prozent des Warenumschlags im stationären Handel abgewickelt wird, scheinen gezählt.

Ebenso die Nachahmepraxis, dass die Generation y generell dort einkauft, wo Generation x einst einkaufte. Da ist guter Rat teuer. Und immer wieder strapazierte Attribute wie Service, Freundlichkeit, Kompetenz, Empathie und das obligatorische Cüpli beim Geschäftseingang sprechen als Markenzeichen auch nicht mehr so überzeugend für den Detailhandel. Überzeugender dann eine Einschätzung von Urs Blaser, der zu einer gewissen Geschlossenheit unter den Gewerblern riet. «Die Wirkung eines einheitlichen Auftritts beim Abendverkauf etwa ist nicht zu unterschätzen.»

Und was kann die Stadt tun?

Natürlich sind auch die Stadt beziehungsweise deren politische Verantwortliche gefragt in solchen Zeiten. Moniert wurden etwa (zu) hohe Mieten für den Detailhandel, welche die Entwicklung kleiner, aber die Szenerie belebende Betriebe bedeutend erschwere.

Auch Urs Blaser befürwortete diesbezüglich ein aktiveres Mitwirken der Stadt. Das sei zumindest nicht einfach, so Markus Dietler. Liegenschaftsbesitzer handelten selbstverantwortlich. Und auch die Idee der Schaffung von Hotspots, einer Konzentration von Verkaufsläden in einer bestimmten Zone, sei problematisch. «Daran hat ein Vermieter wenig Freude, wenn die Stadt dem Mieter rät: Nein geh doch dort- und nicht dahin.»

Gefordert wurde auch die Schaffung eines längst fälligen Parkleitsystems. Und damit war das Thema Stadtentwicklung eingeläutet. Ein grünes Licht, welche für freie Parkplätze stehe, wirke einladend, hatte Ernst Adam aus dem Plenum zu verstehen gegeben. Die Vorlage sei vor dem Parlament gescheitert, entgegnete Dietler. Aber das Thema nicht vom Tisch und werde weiter verfolgt.

Und dann gabs wie immer noch den Wunsch nach der betriebsamen Stadt, in deren Mitte das Aktivitätenkarussell unablässig dreht. Onlineshopping sei zwar die effiziente Art des Einkaufens, aber der Mensch habe das Bedürfnis, mit andern zusammenzukommen. «Und das verstärkt sich noch in Zukunft», so Reto Baumgartner. Dafür müsse die Stadt Raum und Gelegenheit bieten. Von einer Rundum-Festhütte in der Innenstadt aber riet Dietler ab. Es habe schliesslich dort auch Bewohnerinnen und Bewohner mit Anspruch auf eine Portion Ruhe.

Grundsätzlich aber brachte es der Stadtschreiber auf den Punkt: «Stadtentwicklung sind wir alle, diese Aufgabe übernimmt nicht ausschliesslich das offizielle Olten.» Und vielleicht wäre noch ein Satz vonnöten gewesen, der da heisst: «Wer den Detailhandel will, der soll ihn auch nutzen.» Denn Häuserzeilen links und rechts der Kirchgasse ohne Kundschaft sind Etiketten potemkinscher Dörfer.