Was vom Jahre 2016 übrig blieb: tanzende Heuhaufen, tote Musiker, Trümmer auf dem Scheiterhaufen der Geschichte. Es war ein Jahr zum ans Bein Streichen. Einzig etwas Gutes schaute raus dabei: massenweise Stoff für Satire. Das machte sich die «Bundesordner»-Crew in ihrem Jahresrückblick, den sie in der Schützi zeigte, ein weiteres Mal zunutze.

«Major Tom to Ground Control»

Das «Bundesordner»-Format ist eine Eigenproduktion des Casinotheaters Winterthur. Rückblickend auf das Jahr 2008, als der Schweizer Bundesordner 100 Jahre alt wurde, wurde es 2009 ins Leben gerufen. Die Künstler der diesjährigen Ausgabe: schön&gut, Kathrin Bosshard, Anet Corti, Nils Althaus, Les trois Suisses, Jess Jochimsen und 9 volt Nelly.

Fein säuberlich arbeiteten sie das schweiz- und weltweite Geschehen 2016 Monat für Monat ab. Im Zusammenschnitt führten sie dem Publikum noch einmal unsere schöne neue Welt anno ’16 vor Augen. Wobei David Bowie im vergangenen Jahr einer der wenigen war, die alles richtig gemacht hatten: Noch bevor das Annus Horribilis so richtig gestartet hatte – okay, die Kölner Silvesternacht war da schon vorbei -, seilte er sich Anfang Januar ins Nirvana ab. In der Schützi machte er denn auch den verdienten Auftakt: Die Band stimmte das obligate «Ground Control to Major Tom» an. Bauarbeiter in orangen Schutzanzügen eröffneten anschliessend den Gotthard-Basistunnel, wobei die oben genannten tanzenden Heuhaufen in Form von gelben Strandschirmen ebenfalls ihren Auftritt hatten.

Des Weiteren wurde die Flüchtlingskrise abgehandelt: Der deutsche Kabarettist Jess Jochimsen etwa wusste: «Bei Angst hilft Mathe.» Das Publikum solle sich einmal vorstellen, es sei Deutschland. «Dann wären Sie drei» - er zeigte ins Publikum - «dann wären Sie drei rein rechnerisch die Flüchtlingswelle. Jetzt fluten sie die andern mal.»

Trotz Texthänger wusste auch der Berner Liedermacher, Schauspieler und Kabarettist Nils Althaus zu überzeugen. Die Wahrheit, meinte er, stelle er sich gerne als perfekte Kugel vor. Dennoch habe er die Einsicht machen müssen, dass sie eigentlich viel mehr dem Ort Spreitenbach gleiche - einem wuchernden postfaktischen Etwas.

Das Jahr 2016, das wurde den Zuschauern wieder ins Bewusstsein gerufen, hatte mit einer langen Liste von Schlagworten von sich Reden gemacht: Merkel mit Merkelraute, Brexit, Durchsetzungsinitiative, Blatter und Pokemons, Trump und Dada und Data und der Auswüchse mehr.

«Purple Rain»

Ein Highlight in diesem Reigen der Absurditäten und Tiefpunkte waren die musikalischen Einlagen: Leonard Cohens «Hallelujah» und «Purple Rain» von Prince etwa, wobei in letzterem Fall am Text etwas geschraubt worden war: Der purpurne Regen wurde zu einem «Hei mir Schwein» umformuliert - und zu einer Ode auf das schöne Leben in der Schweiz, weil: «S git Lüt die hei vo Afang a verlore.»

Was natürlich stimmt. Aber, das war schon auffallend: Während vor der Pause viel gelacht wurde, verkam der zweite Teil zu einer ernsten, fast schon moralisierenden Angelegenheit. Da ging es um Krieg, um Asylsuchende, um Terror, Demokratie, einzustampfende Neonazis und, eben, dass wir es so gut haben in der Schweiz.