Olten versucht sich seit einigen Jahren, besser zu vermarkten. Die Eisenbahnerstadt will mehr herausholen aus dem Standortvorteil, den sie dank des Eisenbahnknotens hat. Sie soll nicht nur Seminarstadt, Einkaufstadt oder Literaturstadt sein. Seit gestern dürfen sich die inzwischen über 19'000 Einwohner auch als Kunststadt fühlen.

Die Stadtverwaltung hat in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Olten, Region Olten Tourismus und einer externen Projektleiterin den kulturtouristischen Führer «Kunst in Olten» herausgegeben. 83 öffentlich zugängliche Kunstwerke werden so einzeln vorgestellt. In fünf Spaziergängen werden die Arbeiten der insgesamt 84 Künstlerinnen und Künstler erschlossen.

Spender zahlt 20'000 Franken

Ob die Wildsau beim gleichnamigen Platz neben dem «Aarebistro», den Obelisken am Amtshausquai oder den MIO-Brunnen beim Bifangplatz: Die Kunst, die im Alltag nicht mehr gesehen wird, soll wieder besser wahrgenommen werden und Fragen aufwerfen, so die Hoffnung von Projektleiterin Friederike Schmid.

Die Stadt Olten gibt dank eines anonymen Spenders einen Kunstführer heraus. Auf dem Bild von links nach rechts: Stadtschreiber Markus Dietler, Kunstmuseums-Direktorin Dorothee Messmer, Christof Schelbert vom Projektteam, Projektleiterin Friederike Schmid und Stadtpräsident Martin Wey.

Die Stadt Olten gibt dank eines anonymen Spenders einen Kunstführer heraus. Auf dem Bild von links nach rechts: Stadtschreiber Markus Dietler, Kunstmuseums-Direktorin Dorothee Messmer, Christof Schelbert vom Projektteam, Projektleiterin Friederike Schmid und Stadtpräsident Martin Wey.

Der Kunstführer in seinem Jackentaschenformat soll Schüler, Einheimische oder sogar Kulturreisende ansprechen. Stadtpräsident Martin Wey hob in seiner Begrüssungsrede gestern vor den Medien hervor, dass die Stadt so in einem neuen zusätzlichen Licht gesehen werden könne und an Attraktivität gewinne. Kunstmuseums-Direktorin Dorothee Messmer erwähnte, dass der 80-seitige Kunstführer keine fundierte Forschungspublikation sei. Dazu sind die Texte trotz Angabe von Künstler, Art des Materials und Standort mit 2 bis 11 Zeilen zu kurz gehalten. 14 wichtige Werke, etwa die Bronzeplastik Remonte! am westlichen Kopf der Bahnhofbrücke, wurden auf einer Seite etwas ausführlicher vorgestellt.

Der neue Kunstführer, der in einer Auflage von 7500 Exemplaren gedruckt wurde, kostet die Stadt Olten nichts. Er ist dank einer anonymen Spende eines Manns aus dem Kanton Solothurn zustande gekommen, der daran «rund 20 000 Franken zahlte», wie Projektleiterin Schmid auf Nachfrage erwähnte. Dieser könne sich sogar vorstellen, neue Kunstwerke in Olten zu finanzieren.

Inventar der Kunst als Grundlage

Die Grundlage für die Publikation legte ein Inventar der Kunst im öffentlichen Raum. Studierende der Hochschule für Gestaltung und Kunst der Fachhochschule Nordwestschweiz haben dieses unter Leitung des Oltner Professors Christof Schelbert erstellt.

Das Motiv, ein solches Inventar zu erstellen, war laut Schelbert der Umstand, dass Kunst im öffentlichen Raum zwar überall aufgestellt – unter anderem von der Stadt –, aber dann vergessen werde. In jüngster Vergangenheit liess die Stadt allerdings drei Werke restaurieren. Laut Stadtschreiber Markus Dietler, der ebenfalls an der Publikation mitgearbeitet hat, sind fürs nächste Jahr 10'000 Franken für weitere Restaurationen vorgesehen.

Eine gute Nachricht gibts ebenfalls: Die Wandmalereien des Fulenbachers Roman Candio in der Kantonsschule Olten, die derzeit saniert wird, können grösstenteils erhalten werden. Laut Kunstmuseums-Direktorin Messmer wird nur eine Wand mit einer Malerei aus statischen Gründen weggerissen.