Olten
Kunstverein läutete die Feierlichkeiten zu seinem 100-jährigen Bestehen ein

Als «Rosinen» wurden sie aus 100 Jahren Sammeltätigkeit herausgepickt: 23 Werke von Solothurner Malern und von Künstlern aus der ganzen Schweiz sind im Schauraum an der Ringstrasse in Olten in einer eigens dafür ausgerichteten Ausstellung zu sehen.

Marina Stawicki Stalder
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Dichtes Gedränge an der Vernissage zur Ausstellung.

Dichtes Gedränge an der Vernissage zur Ausstellung.

HR.Aeschbacher

Die Räumlichkeiten des Schauraums erinnern an das frühere Ladenlokal, an die Ästhetik eines Kompartiments in einer Fabrikhalle – spannend zu durchstreifen, keine leichte Aufgabe, sie mit Kunst zu bespielen. Um der Bevölkerung einen Überblick über die langjährige Sammlungstätigkeit zu ermöglichen, hat der Kunstverein von Monika Peier das Gastrecht für den noch neuen Schauraum erhalten.

An den Wänden treten Perlen von Cuno Amiet, Ferdinand Hodler, Samuel Buri und auch von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern in einen ansprechenden Dialog. Auf diese Weise wird ein Einblick gewährt in die Ankäufe des Kunstvereins, die seit seiner Gründung am 8. Mai 1914 getätigt wurden.

Bereicherung des Kunstmuseums

Um den Ausbau des damaligen Disteli-Museums zu fördern und die kulturellen Kräfte in Olten zu bündeln, hatte sich der Verein zusammengefunden. Vertraglich wurde festgelegt, dass die angekauften Werke dem Museum als Deposita zur Verfügung gestellt werden.

Trotz widriger Ausstellungsbedingungen und bescheidener Budgets war die Ausstellungstätigkeit des Kunstvereins immer rege. Nebst dem städtischen Konzertsaal, dem Graphischen Kabinett im heutigen Naturmuseum und Reserveräumen der Atel wurden die angekauften Werke schliesslich im 10. Stock des Stadthauses gezeigt und nun aufgrund der Sanierung im Schauraum an der Ringstrasse.

Rosinen aus der Sammlung

Für die «Rosinen aus der Sammlung des Kunstvereins Olten» trafen Vizepräsidentin Gabriele Bono und Christof Schelbert als langjähriges Vorstandsmitglied die Auswahl. Von den rund 75 Werken, die in die Sammlung des Kunstmuseums Olten integriert sind (Lithographien und Zeichnungen nicht mit eingerechnet), sollte eine heterogene Auswahl getroffen werden.

Eine herausfordernde Arbeit, wie Schelbert in seiner Ansprache bekräftigte, aber eine, «die man gerne tut». Die Schau zeigt verschiedene Motivgruppen wie Figurenbilder, Landschaften und einige wenige räumliche Werke und vereint Bilder mit regionalem Hintergrund mit solchen von internationaler Bedeutung. So befindet sich der «Neubau» von Franz Anatol Wyss in unmittelbarer Nachbarschaft der «Waldlandschaft» von Cuno Amiet und «Dr. A. Roth» blickt aus dem Bildnis von Frank Buchser direkt auf den «Piz Campasch» von Fritz Voirol.

Obwohl die Ankaufspraxis seit den 1980er-Jahren stark reduziert wurde, sind durch Schenkungen von Kunstschaffenden, die im Genua-Künstleratelier des Vereins (1999 bis 2008) einen Stipendienaufenthalt verbrachten, zeitgenössische Positionen vertreten. Die jüngste Arbeit traf erst vor wenigen Wochen ein.

Dem Kunstverein ist es mit seiner Jubiläumsausstellung, die von Christof Schelbert und Regina Graber gehängt wurde, gelungen, ein Gesamtbild zu vermitteln. Sie erzählt die Vereinsgeschichte und ermöglicht den Besucherinnen und Besuchern, Werke, die sie aus Ausstellungen im Kunstmuseum kennen, in einem ganz anderen Kontext zu sehen. Die Vernissage war denn auch sehr gut besucht. Der bis anhin noch unbekannte Ausstellungsraum lockte viele Interessierte an, die sich vor der einzigartigen Werkzusammenstellung angeregt austauschten.