Olten
Kunstmarkt-Leiter: «Die Kunst braucht unbedingt ein Dach über dem Kopf»

Christof Schelbert leitet den Kunstmarkt auf der Alten Brücke zusammen mit seiner Frau Iris seit rund 10 Jahren. Im Interview spricht er über den Standort, die Kunstschaffenden und die Bedeutung für die Stadt Olten.

Madeleine Schüpfer
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Christof Schelbert während des Gesprächs in seinem Atelier in Olten. Vor ihm liegen die Broschüren für den diesjährigen Kunstmarkt.

Christof Schelbert während des Gesprächs in seinem Atelier in Olten. Vor ihm liegen die Broschüren für den diesjährigen Kunstmarkt.

Bruno Kissling

Christof Schelbert, Sie leiten mit Ihrer Frau Iris Schelbert den Oltner Kunstmarkt seit rund 10 Jahren. Hat er für Sie, für die Stadt Olten in Sachen Kunst und Kultur immer noch die gleiche Bedeutung wie vor 45 Jahren?

Christof Schelbert: Der Oltner Kunstmarkt wurde in den 1970er-Jahren von Kunstschaffenden, der örtlichen Avantgarde in der Kunst, gegründet. Sicher hat sich die Form verändert, doch der Grund, die Idee ist die gleiche geblieben, nämlich, dass sich Kunstschaffende mit ihren Arbeiten zum Publikum hin begeben und damit auch ein Publikum erreichen, das sich nicht besonders mit Kunst befasst oder an dieser interessiert ist.

Finden Sie den Standort auf der Alten Holzbrücke ideal oder könnten Sie sich einen anderen Ort vorstellen?

Die Kunst, die wir vermitteln, braucht unbedingt ein Dach über dem Kopf, anders könnte ein Kunstmarkt unserer Art gar nicht durchgeführt werden. Wichtig ist auch die Nähe zum Publikum, ja sogar eine gewisse Enge, damit die Kontakte entsprechend zustande kommen, damit diese Art Vertrautheit zwischen Kunstschaffenden und Publikum entsteht. Dieses bietet die Alte Brücke und strahlt zudem ihren eigenen Charme aus.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstlerinnen und Künstler aus?

Vorrang bei der Auswahl haben professionelle Künstlerinnen und Künstler, zum Beispiel die Mitglieder der Visarte, dem Berufsverband visuelle Kunst. Die beschränkten Plätze werden aber immer alle mit einer durchmischten Schar von Kunstschaffenden besetzt. Dabei spielen die örtliche Verbundenheit wie auch die Ausrichtung des künstlerischen Schaffens eine Rolle bei der Auswahl. Die Auswahl ist aber subjektiv und kann gar nicht nur objektiv sein. Es geht jedoch immer um Kunst und nicht um Kunsthandwerk.

Wenn Sie Rückschau halten, was hat sich heute in der Oltner Kunstszene verändert – auch in Sachen Kunstmarkt?

Nach den sehr lebendigen 1970er- und 1980er-Jahren verjüngt sich heute die Kunstszene in Olten wieder und gewinnt in vielen Kunstsparten ihre Vitalität zurück. Der Kunstmarkt auf der Alten Brücke bleibt ein Markt, in dem die klassischen Bildmedien im Vordergrund stehen. Konzeptkunst, Installationen oder Performances sind dafür weniger geeignet.

Kann ein Kunstmarkt auch wirklich ein Publikum erreichen und eine erhöhte Wahrnehmung in Sachen Kunst bewirken oder ist nicht manchmal alles für die Füchse?

Der Kunstmarkt erreicht neben den üblichen Interessierten ein breiteres Publikum. Zudem liegt der Oltner Kunstmarkt mitten in der Stadt, an einem belebten Durchgangsort und ist damit ideal auch für zufällige, neue Begegnungen mit Kunst.

Viele Kunstschaffende tun sich schwer in Sachen Preise, die sie für ihre Kunstwerke verlangen. Sie wollen billiger sein, vielleicht sogar ein Schnäppchen präsentieren, doch zugleich sind sie an ihr eigenes Preisniveau gebunden, dies wegen ihrem allgemeinen Verkauf, was raten Sie als erfahrener Kunstvermittler?

Ganz sicher kann man einmal gesetzte Preise nicht beliebig verändern, sonst ist man schnell nicht mehr glaubwürdig. Eine Möglichkeit ist, spezielle, eigens für den Kunstmarkt geschaffene Werke zu präsentieren und anzubieten, bei denen man mehr Freiheit hat.

Sie stehen als Künstler ebenfalls auf der Holzbrücke, was sind Ihre schönsten Erlebnisse, und auf was hoffen Sie jedes Jahr von Neuem?

Ich freue mich jeweils auf die Begegnungen mit den Kolleginnen und Kollegen sowie mit den vielen Besucherinnen und Besuchern, hoffe aber auch, dass möglichst alle Ausstellenden etwas Erfolg hatten, Anerkennung erfahren und am Samstagabend um 22 Uhr zufrieden die Brücke verlassen können. Als Organisationsteam hoffen wir natürlich, dass die Kosten im Rahmen bleiben und wir auch weiterhin auf die Unterstützung der Stadt zählen können.

Wäre die Stadt Olten ohne ihren Kunstmarkt in Fragen der heutigen Kunst und Kunstvermittlung um einiges ärmer?

Davon bin ich überzeugt. Der Kunstmarkt gehört heute zum kulturellen Jahresverlauf, er schafft Kontakte zur bildenden Kunst und belebt mit seiner Ausstrahlung das kulturelle Leben der Stadt.