Olten
Künstler zwischen 25 und 87 Jahren sorgen für ein vitales Abbild der Kunstszene

So stark wurde in der Oltner Jahresausstellung noch nie ausgewählt. Weniger Raum und mehr Eingaben als üblich machten dies nötig. Das Ergebnis ist sehenswert: Ein abwechslungsreiches Spektrum an Werken unterschiedlichster Künstler.

Fränzi Rütti-Saner
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«Geiger 1» von Anton Fluri
6 Bilder
«Im Anzug» von Jörg Binz
«Leçon des ténèbres», Marc Erismann
«Kommt – Geht» von Fritz Breiter
«Run Out, Nr. 2» von Jan Hostettler
Jahresausstellung der Solothurner Künstlerinnen und Künstler in Olten

«Geiger 1» von Anton Fluri

So viele Kunstschaffende wie in diesem Jahr haben sich schon lange nicht mehr für die Jahresausstellung der Solothurner Künstlerinnen und Künstler angemeldet. 189 Künstler oder Künstlerkollektive haben insgesamt 679 Werke eingereicht, und das, obwohl in diesem Jahr der 10. Stock des Oltner Stadthauses nicht wie sonst üblich für die Ausstellung zur Verfügung stand.

So sind jetzt alle von der dreiköpfigen Jury (Gabriele Bono, Kunstverein Olten, Präsidentin; Ursula Palla, bildende Künstlerin, Zürich, und Raffael Dörig, Leiter Kunsthaus Langenthal) ausgewählten Arbeiten in den Räumen des Oltner Kunstmuseums zu bestaunen. Die beiden Verantwortlichen des Museums, Dorothee Messmer und Katja Herlach, kuratierten die Schau und haben mit der Positionierung der unterschiedlichen Arbeiten eine Wohlfühl-Ausstellung geschaffen.

Schock und Tränen im Kunstmuseum Olten

Den beiden Verantwortlichen im Kunstmuseum Olten, Dorothee Messmer und Katja Herlach, stehen noch immer die Tränen in den Augen. Das knapp 24 Stunden nach dem Entscheid des Oltner Stadtparlaments, den drei städtischen Museen 10 Prozent ihres Budgets zu streichen. Olten muss sparen, das wissen alle. Doch aus der geplanten Steuererhöhung von 20 Punkten, von 95 auf 115 Prozent, wurde nichts. Es seien höchstens 10 Punkte möglich, beschloss das Stadtparlament. Und die bisher eingereichten Sparvorschläge wurden allesamt abgewiesen. Lediglich der Vorschlag der CVP/EVP/glp-Fraktion nicht. Sie schlugen die 10-prozentige Kürzung der Budgets der drei städtischen Kulturinstitutionen Kunstmuseum, Naturmuseum und Historisches Museum vor. «Für uns im Kunstmuseum bedeutet dies eine existenzbedrohende Kürzung», sagt Katja Herlach. «Zehn Prozent weniger bedeutet eigentlich das Aus für den Ausstellungsbetrieb in unserem Haus.» Und Dorothee Messmer ergänzt: «Wir waren schon jetzt auf Sparflamme und haben mit sehr wenig Geld gearbeitet. Jetzt straft man uns noch mal.» Dabei hätten sich die Besucherzahlen in der Vergangenheit erfreulich entwickelt. Auch jüngeres Publikum, insbesondere die Schulen, seien immer öfter ins Kunstmuseum gekommen. Alles Ansätze, die doch auch für die Stadt positiv seien, meinen die beiden. «Als Kunstmuseum
Olten müssen wir auch von künstlerischer Seite her mehr machen als einfach unsere Sammlung zu präsentieren», sagt Messmer. «Nur so kann man ein Haus wie das unsrige schweizweit positionieren». Dazu kommt: Es wären dringend Sanierungsarbeiten im Haus nötig. In den Mauern machen sich immer öfter Risse bemerkbar, das Parkett bricht an manchen Stellen. «Man müsste investieren, vor allem auch, weil es Private gibt, die sich dabei beteiligen würden», sagen die beiden Frauen. (frb)

Es ist ein besonders abwechslungsreiches Spektrum an Werken, aber auch an Künstlern zu entdecken. Die älteste Teilnehmerin ist die heute 87-jährige Elsie Wyss. Sie zeigt ein kleines Modell einer Rauminstallation, welches sie auch gerne real ausführen möchte. Der jüngste der Teilnehmer ist der 1988 geborene Jan Hostettler. Er hat mit der Rauminstallation «Run Out» das Treppenhaus zum 1. Stock sehr gewinnbringend gestaltet. Es sind – wie in jedem Jahr – viele bekannte Namen zu finden, deren Arbeiten unverkennbar sind, auch wenn sie Neues geschaffen haben: Franz Anatol Wyss, Otto Lehmann, Anna-Tina Graf, Susan Hodel, Pat Noser, Fritz Breiter, Max Hari, Marcel Peltier oder Germann & Lorenzi.

Doch auch einige Unbekannte, deren Entdeckung eigentlich den Reiz der Jahresausstellung ausmacht. Zum Beispiel ein Bruno Streich mit seinem riesigen Satelliten, der zum Markenzeichen der Ausstellung werden wird, oder ein Nico Müller, der Schwarz-Weiss-Fotografien zeigt, die man nicht vergisst. Es dominieren die Themen Verortung oder die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie. «Ein stark komprimiertes, aber vitales Abbild der Eingaben, deren Reichtum an Bildsprache und Themen die Jury beeindruckte», heisst es im Jurybericht.

Barbara Meyer Cesta erhielt den Preis der Rentsch-Stiftung im Wert von 6000 Franken.

Bis 26. Januar. Öffnungszeiten: Di–Fr, 14–17 Uhr; Do, 14–19 Uhr; Sa/So, 10–17 Uhr.