Olten
«Kunst und Kultur ist für Olten existenziell»

Oltner Kunst- und Kulturschaffende wurden am Sonntag von der Kulturförderungskommission geehrt. Neben dem Hauptpreis wurden drei Anerkennungs- und drei Förderpreise vergeben.

Deborah Onnis
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Verleihung Oltner Kunstpreis
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Gewinner des Hauptpreises und 6'000 Franken: Werner Nydegger
Die bildende Künstlerin Ursula Pfister erhielt einen Anerkennungspreis
Auch Schriftsteller Pedro Lenz wurde mit einem mit 3'000 Franken dotierten Anerkennungspreis ausgezeichnet.
Christoph Schwager bekam einen Anerkennungspreis
Erhielt einen Förderpreis: Die bildende Künstlerin Andrea Nottaris
Die Band Rag Dolls erhielt ebenfalls den mit 3000 Franken dotierten Förderpreis der Stadt Olten.
Der dritte Förderpreis ging an die Kolt-Gründer Yves Stuber und Matthias Sigrist
Insgesamt wurden drei Ehrengaben in Form einer Plastik im Wert von je rund 600 Franken für besondere Verdienste im Kulturbereich vergeben: An die Imagegruppe Kultur des Kantonsspitals Olten für ihre Ausstellungstätigkeit...
... an den Strassenmusikanten Ernst Degen
Werner Gallati nahm die Ehrengabe für die Klostergemeinschaft der Kapuziner Olten entgegen.

Verleihung Oltner Kunstpreis

Remo Fröhlicher

Grooviger Blues eröffnete am Sonntag die zwölfte Kunst- und Kulturpreisverleihung im Stadttheater Olten. Die Ehrung, welche im Durchschnitt alle vier Jahre stattfindet, lockte nebst den Freunden und Angehörigen der Preisträger auch den frisch wiedergewählten Regierungsrat Peter Gomm und weitere Stadtratkandidaten. Verliehen wurden diesmal nebst dem Kunstpreis auch je drei Anerkennungs-, Förder- und Ehrenpreise.

Zu den Glücklichen zählte neben dem Hauptgewinner Werner Nydegger, der Schriftsteller Pedro Lenz, die bildende Künstlerin Ursula Pfister, der Theaterschaffende Christoph Schwager, welche alle drei je einen Anerkennungspreis erhielten. Weiter erfreuten sich auch bildende Künstlerin Andrea Nottaris, die Musikband Rag Dolls und die Gründer des Kulturmagazins Kolt Matthias Siegrist und Yves Stuber je eines Förderpreises; Ehrengaben gingen auch an den Strassenmusikanten Ernst Degen, die Imagegruppe Kultur des Kantonsspitals Olten und an die Kapuzinergemeinschaft Olten.

Nach einer kurzen Eröffnungsrede durch Stadtpräsident Ernst Zingg wurde das Wort Christof Schelbert, Präsident der Kulturförderungskommission übergeben, der äusserst erfreut war, an diesem Tag eine solch «schöne und ehrenvolle Aufgabe» zu haben. Er betonte, wie wichtig und nahezu «existenziell» Kunst und Kultur für die Gesellschaft seien. Um die «Seele der Gesellschaft» zu nähren, seien nicht nur Personen, sondern auch Orte und allgemeines Engagement notwendig. Genau aus diesem Grund gäbe es die Oltner Kunst- und Kulturauszeichnungen, welche zur Unterstützung und Förderung der Kunst und Kultur in der Stadt gedacht sind.

Erst zum dritten Mal wurden die Ehrengaben für besondere Verdienste im Kulturbereich verliehen, welche diesmal in Form einer Kleinplastik daherkamen. Designt wurden die drei Einzelstücke vom Oltner Künstler Knoblauch; sie haben einen Wert von je 600 Franken. Schelbert übergab den «Goldenen Kopf von Olten», wie er die pokalähnliche Auszeichnung nannte, als erstes an Werner Gallati, Vertreter der Klostergemeinschaft Kapuziner Olten. Gerühmt wurden die «Offenen Pforten» der Kapuziner-Gemeinschaft, welcher es mit diversen Veranstaltungen gelingt, immer wieder Menschen – gläubig oder nicht – zu begeistern. Die «Oase» sei mittlerweile nicht mehr aus Olten wegzudenken.

Es folgte die Laudatio von Doris Rauber, Mitglied der Kulturförderungskommission, für die dreiköpfige Imagegruppe Kultur des Kantonspitals Olten, welche seit Jahren immer wieder die Wände im Eingangsbereich und in den Korridoren des Spitals mit auserlesenen Kunstwerken verschiedenster Stilrichtungen schmückt und so «eine Atmosphäre des Vertrauens und der Menschlichkeit» in die Räume bringt. Aktuell sei erstmals eine Fotoausstellung im Kantonsspital zu bewundern. Der Fotokünstler der Ausstellung, Michael Isler, war auch der Schöpfer der Fotografien, welche während der ganzen Preisverleihung im Hintergrund projiziert wurden. Die Bildreihe porträtierte jeweils die Prämierten.

Weiter wurde der beliebte und in Olten allbekannte Strassenkünstler Ernst Degen «Erni» geehrt. Auch er sei von der Alten Brücke und von anderen Standorten in Olten einfach nicht mehr wegzudenken. Seine Beharrlichkeit, Ausdauer und Freundlichkeit hätten definitiv einen Preis verdient. Nebst der Auszeichnung erhielt der 53-jährige Dulliker «als Ausnahme auch einen finanziellen Zustupf», so Schelbert.

«Die Flüchtigkeit des Moments und die Faszination der nicht offensichtlichen Dinge» so zitierte Doris Lauber die Interessen der mit einem Förderpreis gekürten Künstlerin Andrea Nottaris. Die 42-jährige Oltnerin, die seit 2009 ein eigenes Atelier für Gestaltung und Ideen führt, wendet ihr Talent erfolgreich in vielseitige Bereiche an wie Bau- und Raumgestaltung, Fotografie, Grafik, Illustration Malerei, Mixed Media, Objekt und Zeichnung.

Doris Känzig, Mitglied der Kulturförderungskommission, lobte die Oltner Musikband «Rag Dolls» (engl. «Stoffpuppen»). «Rag Dolls», das sind der 21-jährige Elias von Arx, der 23-jährige Julian Spring und der 25-jährige Simon Moll. Das Trio konnte in den vergangenen Jahren bereits bemerkenswerte Erfolge verbuchen, darunter auch den Sieg am berühmten Soundcheck MyCokeMusic im Jahr 2012. Die junge Band konnte mit ihrem Indie-Blues-Rock bereits Bühnen in der Schweiz, in Deutschland und England rocken. «Sie sind nach oben kaum aufzuhalten», zitierte Känzig und wünschte weiterhin viel Erfolg.

Der dritte Förderpreis, der mit 3000 Franken dotiert ist, ging an die Gründer des Kulturmagazins Kolt Yves Stuber und Matthias Sigrist, welche nach Laudatorin Simona Siegenthaler, «das Lesen eines gedruckten Magazins wieder ’hip’ machen». Kolt, welches Kulturthemen «im weiten Sinn» behandelt, würde auf eine neue Art Menschen aus Olten porträtieren. «Kolt lesen macht einfach Spass», so das Mitglied der Kulturförderungskommission.

Nach einer weiteren Musikeinlage von Fabienne Hörni (Saxophon), Andreas Wyss (Bass) und Roman Wyss (Klavier) erhielt der Oltner Schriftsteller Pedro Lenz seinen Anerkennungspreis. Lenz, deren Figuren «durch den Zauber der Einfachheit» haften bleiben, bringe mit seiner Poesie «Salz in die Suppe unseres Alltags», so Martin Rieder, Mitglied der Kulturförderungskommission. Der Schriftsteller überrasche mit der Poesie seiner Sprache, durch welche er mit den einfachen Leuten in seinen Geschichten mitkämpft.

Weiter wurde Ursula Pfister mit dem Anerkennungspreis gekürt. Die bildende Künstlerin, welche «mit grosser Sensibilität, Ernsthaftigkeit aber auch eine Prise Humor» ihre Projekte umsetzt, schaffe es immer wieder verschiedenste Personen in ihren Werken einzubeziehen. Ihre Ausstellungen konnten nebst der Schweiz schon in diversen Ländern, wie Österreich, Deutschland und Frankreich bewundert werden. Laudator Peter A. Bloch, Mitglied der Kulturförderungskommission, lobte die «ungebrochene Schaffenskraft» der Künstlerin, die in der Vergangenheit bereits viele Preise erhalten hat.

Der Theaterschaffende Christoph Schwager, welcher auch als Seelsorger in der Schweiz und in Armenvierteln in Lima tätig war, erhielt den mit 3000 Franken dotierten Anerkennungspreis. 2006 rief er das Schwager Institut ins Leben, in welchem Theater- aber auch Körpersprache- und Persönlichkeitsentwicklungskurse angeboten werden. Er sei eine «wichtige Bereicherung» für die Stadt Olten, so Laudator Schelbert.

Der Hauptpreisträger Werner Nydegger decke in seinen Werken «die ganze Ambivalenz des Lebens ab», so der Laudator Peter A. Bloch. Egal, ob mit Cartoons, Plastiken oder neuerdings Kurzgeschichten: Er gehe stets einen «unkonventionellen Weg». Dafür erhalte er den Oltner Kunstpreis, der mit 6000 Franken dotiert ist.

Schliesslich kamen die Preisträger zu Wort beziehungsweise Pedro Lenz, der im Namen aller Prämierten eine kurze Dankesrede hielt. Den Einstieg machte er mit der Frage «Was ist ein Preis?» Als er «ganz normal arbeitete», habe er nicht gewusst, was ein Preis sei. Er kannte den Lohn, die bezahlten Ferien, et cetera. Als Künstler aber verstehe man die Bedeutung eines «Preises». Ein «Preis» zahle er als Künstler auch durch Einsamkeit. Es gäbe auch kein zurück mehr. Der Preis sei also hoch, wenn man sein Leben der Kunst verschreibt. Man sei nun «zur Kunst verdammt». So sei man auch auf Lob, Anerkennung und Unterstützung angewiesen. Die Preise, die an der Oltner Ehrung verliehen werden, hätten zwei Bedeutungen: Einerseits hätte der Preis einen monetären und anderseits einen ideellen Wert. Beides sei notwendig. Der Preis sage genauso viel über die Verleiher wie über die Träger. Er dankte im Namen aller Prämierten die Stadt Olten und die Kulturförderungskommission. Da die Preisverleiher durch die Auswahl der Preisträger Partei ergreifen müssen, hätten sie eine schwierige und «heikle» Aufgabe, die nicht zu unterschätzen sei, meinte Lenz zum Schluss.