Irgendwie war man am Samstag versucht, froh zu sein über die derzeit herrschende Finanzmisere in Olten. Hätte vor zwei Jahren ein Tag der Kultur stattfinden können? Wohl kaum. Damals, als man noch an ein nie versiegendes Füllhorn der Alpiq glaubte und mit einer gewissen Selbstzufriedenheit Ausstellungen, Konzerte und weitere kulturelle Veranstaltungen organisierte.

Die derzeitige Ausstellung im Kunstmuseum» Frühling, lass dein blaues Band…» läuft nur, weil wegen des zugedrehten Geldhahns eine geplante Ausstellung abgesagt wurde. Katja Herlach sagte denn auch, dass in aussergewöhnlichen Situationen aussergewöhnliche Kräfte freigesetzt werden.

Aussergewöhnliche Kräfte

Es ist schier unmöglich, alle Darbietungen aufzuzählen, russische Balletschule, Poetry Slam, Konzerte aller Art konnten genossen werden. Die Theatergruppe Dachschadengesellschaft zeigte Szenen aus «Romeo und Julia». Der Fotograf André Albrecht bot ein Shooting der besonderen Art: «Déjeuner sur l’herbe» von Manet wurde inszeniert. Während des ganzen Tages fanden Führungen im Kulturmuseum wie auch im naturhistorischen Museum statt. Kurzfristig war auch eine Führung zur Architektur des Stadthauses anberaumt worden.

Bei einer Tanzvorführung des Dancerstudios Olten meinte Ursula Berger «Kultur ohni Lüt isch nüt» und forderte die Passanten auf, mitzutanzen. Und plötzlich tanzten alle mit, jung und alt, Männer und Frauen. Das ist Kultur, gelebt und völlig kostenlos.

Beim Kunstmuseum durften sich Kinder als künftige Künstler versuchen.

Anker als Symbol der Hoffnung

Gleichzeitig konnte man miterleben, wie die Bronzeskulptur entsteht. Der wohl wichtigste Schritt, der Bau der Form war zwar im Atelier gemacht worden. Aber die weiteren Schritte – vom Schmelzen des Metalls, über das Giessen, bis hin zum Kaltbearbeiten – konnten vor Ort verfolgt werden. So entstand ein Anker, der kurz vor sechs Uhr an den Pfosten beim Kunstmuseum angekettet wurde.

Die Kultur soll in Olten verankert bleiben. Martin Wey, der Stadtvater von Olten, wurde ein Schlüssel übergeben. Zu diesem erhielt er auch Zündhölzer. Denn, so Jürg Meyer, die Stadt solle nicht mit dem Feuer spielen, wenn es um Kultur gehe.