Olten
Kulturfreunde stört «träges Parlament»

Bildungsstadt, Literaturstadt, Zentrumsstadt, Konferenzstadt oder auch Schnarchstadt – Olten habe viele Labels, hielt Moderator Daniel Kissling bei seiner Einführung fest. Sein Verein «Pro Kultur Olten» hatte zur Podiumsdiskussion geladen: «Olten in Fremd- und Selbstwahrnehmung». In ersterer käme die Stadt oft schlecht weg – mögliche Gründe dafür zu finden war eines der Ziele des Abends.

Lucien Rahm
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Die Diskussionsteilnehmer von links: Michel Gallati, Simone Egli, Moderator Daniel Kissling, Rhaban Straumann und Monique Rudolf von Rohr.

Die Diskussionsteilnehmer von links: Michel Gallati, Simone Egli, Moderator Daniel Kissling, Rhaban Straumann und Monique Rudolf von Rohr.

Bruno Kissling

Für Populärkultur-Dozent Michel Gallati, der sich mit Studenten der Universität Zürich zwei Semester lang mit Olten befasste, verkörpert die Stadt ein Bild von einer Schweiz, die nicht den üblichen Vorstellungen entspricht. «Wenn man an die Schweiz denkt, denkt man typischerweise an Hirtenkultur und Alpenland.» Bei Olten hingegen habe man ein Bild, in dem Arbeiter oder Eisenbahnangestellte vorkommen. «Man möchte nicht sehen, dass auch das ein Kern der Schweiz ist», vermutete Gallati.

Es sieht immer noch gleich aus»

Kissling warf die Frage auf, inwiefern nationale Medien dieses schlechte Bild zementierten und verwies auf Artikel, in denen vom Niedergang Oltens, der finanziellen Schieflage oder seinem «Loch»-Sein die Rede ist.

Schauspieler Rhaban Straumann relativierte, es handle sich nicht um ein reines Oltnerproblem. Auch von den Finanznöten anderer Städte wie Luzern, Winterthur oder Baden höre man oft.Dass der Oltner Bahnhof nicht schön sei, wie man ihm häufig mitteilen würde, könne man so auch nicht sagen. «Welcher Bahnhof ist schon schön?».

«In den 15 Jahren, in denen ich weg war, ging nichts – es sieht immer noch gleich aus», urteilte Simone Egli. Die in der Region Aufgewachsene wanderte im Anschluss an die Kantonsschule nach Texas aus und fand vor kurzem zurück nach Olten.

Man dürfe nicht vergessen, wie entscheidend der erste Eindruck ist, den Besucher beim Eintreffen erhalten, mahnte Egli. In Luzern oder Zürich werde man zum Beispiel bei der Einfahrt mit dem Zug ganz anders empfangen. Hier bestünde Handlungsbedarf. Aufgrund der aktuellen finanziellen Lage Oltens könnte dieser Wunsch allerdings vorerst unerfüllt bleiben.

Kulturvereine haben es nicht leicht

Die momentanen Sparübungen hätten aber trotz allen negativen auch erfreuliche Seiten, befand Monique Rudolf von Rohr, kulturinteressierte FDP-Gemeinderätin. Vereine wie «Pro Kultur Olten», «Cultibo» und zahlreiche andere seien aus der trüben Finanzsituation heraus entstanden. Sie bewundere den Elan, mit dem diese Leute die Eigeninitiative ergriffen und das kulturelle Angebot Oltens bereichern. Es werde ihnen jedoch nicht leicht gemacht.

Dass die Kultur von der Politik nicht ausreichend unterstützt würde, darüber schien man sich einig. Straumann bemängelte, es gehe jeweils lange, bis man sich im Stadtparlament einig wird. «Man ist lieber gegeneinander als miteinander. Das stört mich.» Gemeinnützige Vereine würden jeweils viel schneller etwas erreichen.

Politik des Blockierens

Der im Publikum sitzende Kulturmagazinverleger Yves Stuber ortete hier einen zentralen Punkt der Diskussion. Die Bündelung der Kräfte, die kulturell etwas erreichen möchten, sei vorhanden. «Doch man fährt immer wieder an die Wand, sobald die Exekutive ins Spiel kommt», so Stuber. Daher fände er die Idee, den gesamten Stadtrat auszuwechseln, gar nicht so schlecht. «Never change a winning Team – aber wir gewinnen momentan nicht.»

Ein unter den Besuchern befindlicher Stadtparlamentarier der SP-Fraktion gab zu, dass im Gemeinderat eine Politik des Blockierens herrsche, insbesondere in Verkehrsfragen. «Nach drei Jahren im Parlament ist mir nun langsam bewusst geworden, dass wir so nie weiterkommen.» Er habe schon versucht, seine Fraktion zum Umdenken zu bewegen – allerdings ohne Erfolg.

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