Der Ort: die Buchhandlung Schreiber, der Anlass: ein literarisches Dinner mit dem schottischen Schriftsteller Martin Walker. 120 Leute haben sich auf zwei Etagen der Buchhandlung Schreiber an weiss gedeckte Tische gesetzt, Thommen Gastronomie macht das Catering, die Buchhändlerinnen und Buchhändler übernehmen die Rolle des Service-Personals. Martin Walker wird auf der Treppe zwischen den beiden Stockwerken lesen, damit alle ihn hören.

Kochkünste und Liebesleben

Man beginnt zu tafeln, «Blattsalat mit Herbstgarnitur», derweil erzählt die Tischnachbarin einem haarklein ihr Leben. Die innere Stimme habe ihr geraten, sie solle Deutschland verlassen, sie ist Kosmetikerin, ihren Kunden gibt sie immer mehr, als wofür diese bezahlen, deshalb kommen sie wieder, ihre deutschen Landsleute, die nur in die Schweiz ziehen, um Kohle abzugreifen, haben schon verloren, und übrigens ist ihr Sohn der Traum jeder Schwiegermutter. «Das war ich auch einmal», entgegnet der Herr neben ihr trocken. «Aber schauen sie mich an: Dreissig Jahre verheiratet, und die Schwiegermutter ist tot.»

Bei all dem Gerede und Geesse hat man kurzzeitig vergessen, dass das hier eigentlich eine Lesung ist, in schönstem British English liest Martin Walker aus seinem neusten Roman «Fatal Pursuit», zu Deutsch «Grand Prix», ein Wellness-Krimi quasi. Sein Protagonist Bruno, Chef de Police im französischen Périgord, zelebriert darin seine Kochkünste und sein komplexes Liebesleben, und nebenbei gibt’s noch ein paar Tote. Walker hat schauspielerisches Talent, die Leute lachen. Für jene, die den englischen Text nicht verstehen, wird er auch auf Deutsch vorgetragen. Walker lebt selbst im Périgord, er weiss, wovon er schreibt, sein Lieblingsrestaurant ist das Le Vieux Logis in Trémolat und später an diesem Abend, sagt der 70-Jährige, wird er noch Whisky verkosten, auch damit kennt er sich aus.

Nach dem Hauptgang – Schweinsfilet an Nusslikör-Sauce mit Steinpilz-Kartoffelgratin – trägt das Personal Dessertschalen herein, «komm, wir schauen schnell, was das ist», macht eine nachtischbeladene Buchhändlerin zur anderen, «Marronicrème im Topf mit Monbasillac-Mousse? Sagen wir einfach Marronicrème», Martin Walker fängt an zu singen, «je t’aime», dann soll er Bücher signieren, viele Bücher, der Whisky wartet.