Die Massnahme hatte Kopfschütteln verursacht; heftiges Kopfschütteln sogar. Ja, es war gar so, dass die neue Verkehrsregel schlicht und einfach ignoriert wurde. Wer aus der Bleichmatt-strasse Süd in Olten Richtung Wangen bei Olten fahren wollte, bog einfach verbotenerweise links auf die Ziegelfeldstrasse ab. So wie man das eben «früher» schon gemacht hatte. Allerdings erlaubterweise.

Für sicheren Schulweg

Die wohl am häufigsten missachtete Verkehrregel auf städtischem Gebiet, besagtes Abbiegeverbot nach links, hat – logischerweise – eine Geschichte, und erst noch eine etwas vertrackte. Im Zusammenhang mit dem Betriebs- und Gestaltungskonzept der Umgestaltung H5 war im Jahr 2013 nämlich vorgesehen, diverse Knoten der Kantonsstrasse ungeregelt zu belassen. So auch der Knoten Ziegelfeldstrasse/Bleichmatt-strasse. Das Linksabbiegeverbot sollte unter diesen Voraussetzungen Sicherheit für den auf der Bleichmattstrasse in Nord-Süd-Richtung zirkulierenden Verkehr gewährleisten. Ein zu den Hauptverkehrszeiten von Oberstufenschülern aus dem Frohheimschulhaus häufig und intensiv genutzter Weg.

Aber: Im Jahr 2014 kam der Kanton Solothurn auf die ungeregelten Knoten zurück. Das Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT) schlug, gestützt auf ein Kurzgutachten, der Stadt Olten vor, aus Sicherheitsgründen zumindest auf den vorgesehenen Linksabbieger aus östlicher Fahrtrichtung zu verzichten, noch besser aber den Knoten über eine Lichtsignalanlage zu steuern.

Voraussetzungen nicht bedacht

Die Stadtverantwortlichen stimmten den Vorschlägen des AVT zu. Allerdings wurde in diesem Zusammenhang verpasst, den Linksabbieger ab Bleichmattstrasse Süd unter dem Gesichtspunkt der einzurichtenden Lichtsignalanlage neu zu überdenken. Eine Unterlassung, die später das erwähnte Kopfschütteln hervorrufen sollte und so manchen Oltner und so manche Oltnerin zur spitzen Bemerkung verleitete: «So ein Blödsinn: Dort bin ich doch schon immer links abgebogen.»

Vor gut zwei Jahren hatte man sich von der Fertigstellung der Fussgängerinsel noch erhofft, zu linksabbiegen neigende Automobilisten würden die Problematik der Nord-Süd-Verbindung auf der Bleichmattstrasse besser verstehen. «Wir werden die Situation weiter beobachten, ob dieses Regime intuitiv funktioniert», hatte Stadtplaner Lorenz Schmid im August 2016 die Situation in dieser Zeitung beschrieben. Allein, es wurde nicht besser; das Regime funktionierte nicht, wie die Beobachtungen zeigten. Das Unbehagen ob der unbeliebten Regelung blieb virulent. Die Abbiegemanöver erfolgten quasi weiterhin gewohnheitsmässig, was ein vom Stadtrat in Auftrag gegebenes Kurzgutachten auch bestätigte.

Im Jahr 2017 intervenierte der Stadtrat deswegen beim AVT. Dieses schlug vor, die an sich wenig verständliche Signalisation zu verdeutlichen und die Situation weiter zu beobachten. Der Oltner Stadtrat war von diesem Vorschlag wenig begeistert und noch weniger überzeugt. Das von ihm in Auftrag gegebene Kurzgutachten kam auch zum Schluss, der Linksabbieger sei problemlos machbar und führe zu keinen relevanten Nachteilen für Verkehrssteuerung beziehungsweise Wartezeiten, weder beim motorisierten Individual- noch beim Velo- und Fussverkehr.

Linksabbieger kommt

Schliesslich setzte sich die Stadt in der Frage durch. Mitte November 2018 erklärte sich das AVT bereit, dem Wunsch der Stadt folgend den Linksabbieger umzusetzen; auf Kosten der Stadt allerdings. Das AVT vertrat die Ansicht, der Linksabbieger diene auch der Vermeidung von Umwegfahrten durch die städtische Begegnungszone.

Anpassungen von Lichtsignalanlage und Signalisation verursachen Kosten von zirka 12 500 Franken. Im Budget 2019 ist das entsprechende Konto mit 18 000 Franken dotiert. «Die Finanzierung steht unter Vorbehalt des genehmigten Budgets», schreibt die Stadtkanzlei dazu lapidar.