Olten
Konzipierte Objekte sind keine Kunst des Augenblicks

Der Kunstverein Olten eröffnet mit einer ebenso kleinen wie feinen Werkschau mit Gunter Frentzel ihre neuen Räume an der Hübelistrasse.

Eva Buhrfeind
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Werke von Gunter Frentzel in Olten
12 Bilder
Gunter Frentzel setzt mit Federstahlbändern seine ganz eigenen Zeichnungen dem Weiss der Wände des neuen Kunstraumes des Kunstvereins Olten gegenüber.

Werke von Gunter Frentzel in Olten

Bruno Kissling

Spannend und faszinierend wie immer, wenn der in Rüttenen lebende Gunter Frentzel das labile Gleichgewicht physikalischer Prinzipien von Statik und Dynamik, von Kraft und Leichtigkeit herausfordert.

Unverkennbar bleibt in der minimalistischen Grundhaltung wie auch in der puristischen Materialität der Stahlstäbe und Federstahlbänder, wenn er dieses Spiel der sich bedingenden Gegenkräfte zu ultimativen Grenzsituationen ausreizt. Dabei werden diese ehernen Arbeiten von einer feinen zeichnerischen Haltung getragen. Das Lineare verleiht der Skulptur eine innere Vibration, das Schwebende ruht im «Schwerkräftigen» und umgekehrt.

Präzise gesetzte Stahlstäbe

Sie sind einfach da, konzentriert und fragil, dabei so prägnant in ihrer konzeptuellen Konstruktion: Präzise gesetzte Stahlstäbe fächern sich aus einer Bodenplatte heraus in feinem Schwung zu auf einander geschichteten Kräften, sodass das lineare Prinzip des Stahls die Leichtigkeit einer eleganten Bewegung erfährt und die heikle Balance von Statik und Dynamik den Raum als dreidimensionalen Spannungsträger bestimmt. Gunter Frentzels analytisch konzipierte Objekte sind keine Kunst des Augenblicks. Auch wenn sie, auf den Raum angelegt, ob nun als Ausstellungsraum oder als Raumidee per se, so einfach scheinen – sie bedürfen der Musse und Konzentration.

Nicht zuletzt deswegen bilden diese neuen Arbeiten den konsequenten Auftakt für die erste Ausstellung des Kunstvereins Olten, um die neuen Ausstellungsräumlichkeiten an der Hübeli-strasse 30 in Olten zu feiern. Denn nach der Wanderschaft durch verschiedenste Ausstellungsorte, bedingt durch den Umbau des Stadthauses – der ursprünglichen Heimat des Kunstvereins Olten – hat man hier nun ein neues Domizil gefunden. Und nicht nur das. Dieser frühere Ort der Kunst wird wieder neu belebt. In den 1980er-Jahren bis in die 1990er-Jahre war er als Galerie Zeta bekannt.

Später hat Ursula Huber hier viele Jahre ihre Galerie geführt. Anschliessend wurde der Raum gewerblich genutzt und jetzt – ansprechend aufbereitet – von den Besitzern, der «Bohème Musig», dem Kunstverein angeboten. Dort zeigt nun mit Gunter Frentzel ein Solothurner Kunstschaffender keine auf sich bezogenen Systeme, sondern die sich bedingende Einheit von Installation und Architektur. Dazu gehören unbedingt auch die Wandarbeiten aus Federstahlbändern.

Denn so, wie seine Stahlskulpturen sich auch als zeichnerische Spannung im Raum zu verstehen geben, ist er mit den Federstahlbändern einen eigenen Weg der Zeichnung gegangen: mit kalligrafischen Zeichen im Weiss der Wand. Diese filigranen, dreidimensionalen Gesten ruhen auf nur zwei Nägeln, die ausschliesslich das Gleichgewicht dieser sich herausfordernden Kräfte und bedingenden Bewegungen halten, jederzeit bereit, der Spannung nachzugeben, die absolute Balance aufzubrechen. Auch hier tariert der Künstler raffiniert ein magisches System von Kraft und Gegenkraft aus.

Filzstiftzeichnungen

Mit den Filzstiftzeichnungen reduziert Frentzel die Idee des Raumes aus der Linie ins Zweidimensionale. Dazu hat er schwarze Filzstiftlinien auf kleinen quadratischen Eisenplatten symmetrisch aneinander zu assoziativen Kulissen und Klaviaturen derart gesetzt, dass Suggestion neue räumlich-imaginative Geschehen formieren.

Bis 9. April. Offen: Do/Fr 14–17 Uhr, Sa/So 10–17 Uhr. Kunstverein Olten, Hübelistrasse 30 in Olten.

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