Am Freitagabend um rund 18 Uhr: Polizeifahrzeuge stehen in der Nähe des Schützi-Gebäudes. Polizisten stehen herum. Die Schützi-Fassade wurde mehrmals mit den Slogans «Love Music Hate Fascism» besprayt. Die ersten Besucher der Black-Metals-Veranstaltung in der Schützi trudeln ein. Plötzlich tauchen vier Personen aus der antifaschistischen Bewegung auf, die im Vorfeld wegen des Konzerts der angeblich nazifreundlichen finnischen Band Horna Stimmung gegen die Schützi gemacht haben, werfen drei Rauchpetarden und hängen ein Transparent auf mit den Worten «Olten bleibt bunt». Sie verschwinden wieder unter den Augen der Polizisten. Der Vorfall verläuft friedlich.

«Wir wussten, dass etwas passieren würde, waren darauf vorbereitet und standen mit der Polizei in Kontakt», sagte Schützi-Geschäftsführer Oli Krieg danach auf Anfrage. Der Anlass sorgte nämlich im Vorfeld für einigen Wirbel. Die Band Horna soll laut einer anonymen Gruppe aus antifaschistischen Kreisen zur nationalsozialistischen Black-Metal-Szene gehören. Sie spielte am Freitagabend mit anderen Bands der Musiksubkultur wie Blaze of Perdition oder Altarage im Kulturzentrum. Veranstaltet wurde der Anlass aber nicht von den Schützi-Betreibern selbst, sondern von eine Gruppe namens Aphotic Visions. Tickets konnten auf der Oltner Ticketplattform Eventfrog gekauft werden.

Der Vorwurf der Antifaschisten
Auf der Homepage barrikade.info, die laut Eigenbeschrieb als Infoplattform für die antiautoritäre und revolutionäre Szene gedacht ist, warfen die Leute aus der linken Bewegung der Schützi vor, dem Hass und dem Nationalsozialismus eine Plattform zu geben. Dort heisst es, dass mit Ville Pystynen der Kopf der Band bis vor wenigen Jahren über sein eigenes Plattenlabel Tonträger neonazistischer Bands promotet und auch bei solchen Bands als Aushilfe gespielt haben soll. Zudem habe er sich in einem Interview im Jahr 2001 noch offen zur Nazi-Gesinnung bekannt. Ferner sollen die Finnen neben den Metal-Festivals auch in privatem Rahmen gemeinsam mit Neonazi-Bands aufgetreten sein, wie sie mit Verweis auf die «Wiener Zeitung» schreiben, die darüber Anfang November berichtet hat. Die Band steht zudem beim Label World Terror Committee unter Vertrag, das vom deutschen Sven Zimper geführt wird, der bei einer Neonazi-Band spielt.

Aus diesen Gründen verlangte die antifaschistische Gruppierung, dass die Schützi-Betreiber auf das Konzert der finnischen Band verzichten: «Wir fordern die Schützi dazu auf, das Konzert abzusagen oder zumindest die Band Horna aus dem Line-up zu streichen sowie sich klar gegen jegliches rassistisches, faschistisches, national-sozialistisches Gedankengut zu stellen.» Auch auf der Schützi-Homepage gibt es einige Kommentare von Nutzern, die sich gegen die Durchführung des Konzerts aussprachen.

Die Schützi rechtfertigt sich
Schützi-Geschäftsführer Oli Krieg hat auf derselben Homepage sein Statement hochgeladen. Darin begründete er, wieso es sich am Freitagabend nicht um einen Nazi-Anlass handelte und die Sache daher nicht abgesagt wurde. Er schreibt: «Wir haben Garantien der Veranstalter, dass bezüglich der verbalen oder symbolischen Verbreitung von Nazi-Gedankengut durch die Band Horna oder durch (nicht erwartete) Nazi-Gäste Null-Toleranz besteht.» Er kenne die Veranstalter und wisse, «dass sie garantiert keine Nazis sind, sondern einfach friedliche Metal-Fans».

Auf Anfrage dieser Zeitung sagt Krieg, dass die Band Horna auf keiner der bekannten Listen für Nazi-freundliche Bands stehe. «Die Aufregung ist ein Sturm im Wasserglas», sagt er. «Wir sind der Überzeugung, dass es mehr bringt, mit den Veranstaltern über die Grauzonen-Problematik zu diskutieren und klare Auflagen zu machen, als ein solches Konzert einfach zu verbieten», schreibt Krieg auf der Website barrikade.info weiter. Er distanziert sich dort aber auch klar von «rassistischen, sexistischen und homophoben Aktivitäten».

«Wir sind keine Nazis»
Ein Augenschein am Freitagabend vor Ort bestätigt Kriegs Einschätzung. Nach dem eingangs erwähnten Vorfall bleibt es ruhig. Die letzten Polizisten entfernen sich um 21.20 Uhr im Kastenwagen vom Schützi-Areal.

Die Organisatoren zeigten sich zudem offen und führten den Journalisten kurz nach 20 Uhr durch das noch halbleere Kulturzentrum. «Wir sind keine Nazis», sagt eine junge Frau, die wie alle anderen Organisatoren des Anlasses ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Im Eingangsbereich der Schützi verweisen ausgedruckte A4-Blätter mit den Worten «Kein politischer Extremismus geduldet» auf den Wirbel, den die Veranstaltung im Vorfeld ausgelöst hat. «Wir haben schon damit gerechnet, dass es Diskussionen geben könnte.» Allerdings hätte es nie die Absicht gegeben, den Anlass abzusagen. Man habe mit der Band Horna die Sache diskutiert und diese hätten sich verärgert darüber gezeigt, dass sie den «Stempel der Nazi-Band» noch immer nicht losgeworden seien. Zudem seien sich die Organisatoren nicht bewusst gewesen, dass das Konzert auf den Jahrestag der Reichskristallnacht fiel – jenen Abend vom 9. auf den 10. November 1938, als die Nazis in Deutschland erstmals mit Gewalt gegen die Juden vorgingen und die systematische Verfolgung begann.

Daniel Kissling hätte Konzert abgesagt
Daniel Kissling, der Betreiber des Oltner Kulturlokals Coq d’Or, sieht die Sache kritischer. In seinen Augen hätte das Konzert in der Schützi mit der Band Horna nicht stattfinden dürfen. «Ich habe Oli Krieg geraten, das Konzert abzusagen, weil der Ruf der Schützi als Ganzes beschädigt werden könnte.» Die Leute würden nämlich nicht unterscheiden zwischen der Schützi als Location und dem externen Veranstalter. In den letzten Tagen sei er mehrmals von Leuten aus der linken Szene angegangen worden. Man forderte Kissling auf, gegen das Konzert der Band Horna etwas zu unternehmen.

Die Frage ist in seinen Augen, wo man die Grenze zieht. Zwar verbreite die Band keine Nazi-Texte und gebe sich apolitisch, doch sie hat laut Kissling «ganz offensichtlich eine Vergangenheit in der rechten Szene». Die Veranstalter des Black-Metal-Anlasses vom Freitagabend hätten auch schon bei ihm Konzerte organisiert. Sie tun das aber vorerst nicht mehr. In einem Gespräch machte ihnen Kissling klar, dass sie im «Coq d’Or» keine Konzerte mehr organisieren dürften, solange sie sich nicht eindeutig von solchen Bands wie Horna distanzieren würden.