Die im Dezember jubilierende Big Band Olten, vor 30 Jahren von «Umbi» gegründet, führte ihre Fans mit swingendem Repertoire in das Ambiente vergangener Zeiten. Mit Count Basie ging schon beim Start die Post ab.

Der Song «Lil’ Darlin» setzte einen besinnlichen Akzent und liess das Publikum in Umbis feinfühlige Welt eintauchen. Als Gastsolist präsentierte das Jazz Orchestra den einheimischen, international tätigen Tenorsaxofonisten Simon Spiess, dessen Vorbild John Coltrane in seiner groovigen Spielweise mit herrlichen Passagen hörbar war.

Funkig beendete die Big Band Olten mit «Chicken» ihre abwechslungsreiche Session, ganz nach dem Jazztage-Motto «Groovin’ High». Da wurde kein Zuckerwasserjazz geboten – der Big Band Sound kam vielseitig und spannend, mit hoher rhythmischer Präzision gespielt, ab der Bühne.

So wie Umberto Arlati als Mensch keine grossen Worte verlor, so wurde auch der Jazzabend in der Schützi zu einem musikalischen Ereignis mit wenig Worten. Als weitgefächerter Jazz von Umbis Freunden, Mitstreitern und ehemaligen Schülern verbreitete sich der Musik-Virus im grossartigen Publikum.

Und wenn dann noch Kollegen auftreten, die mit Umbi zu den Musikern der ersten Stunde an der Swiss Jazz School Bern gehörten, kann ein solcher Event nur zu einem Highlight werden.

Die geschickt zusammengestellte Ad-hoc-Formation Umbis Memorial Band spielte vor allem Kompositionen aus Umberto Arlatis Zeiten. Der Auftritt wurde so zu einem Revival des Umberto Arlati Quintetts.

Der Oltner Trompeter Migge Neuenschwander begrüsste auf der Bühne bekannte Jazznamen. Zum Urgestein gehörte am Jazzabend der amerikanische Pianist Vince Benedetti, der auf der ganzen Welt namhafte Koryphäen von Stan Getz bis Dizzy Gillespie begleitet hat.

Umbi hat mal über ihn gesagt: «Das ist der beste Jazzpianist, den es gibt.» Zusammen mit anderen Cracks gab er ein würdiges Stelldichein. Der europäisch anerkannte, bescheidene Trompeter Peter Schärli, als Anfänger selbst Schüler von Arlati, entlockte seiner Trompete lyrische und sehr gefühlvolle Klänge, die gut an die Spielart von Umberto Arlati erinnerten.

Loris Peloso, in innovativer Art inspiriert von Jimi Hendrix, sorgte für spannende Gitarrenpassagen. Voll im Sound, mit Leichtigkeit die Technik beherrschend, hinterliess der Posaunist Vincent Lachat, ein häufiger Weggefährte von Umbi, beim Publikum starke Spuren.

Die Rhythm Section mit dem Drummer David Elias und dem Bassisten Thomas Dürst hielten den nötigen Drive energisch aufrecht.

Und wenn die beiden Saxofonisten Roland Philipp und Mark Hauser aufdrehten, bekam man das Gefühl, dass ihre Musik eine ganz eigene Sprache spricht; als Kontrast dazu die warmen Flügelhorn-Balladen von Migge Neuenschwander.

Allen Musikern gelang es am Abend eine gescheite Mischung zwischen künstlerischem Anspruch und genügend Publikumsnähe zu finden. Die Künstler mussten keine Erwartungen erfüllen, sie waren bei sich und ihrer Musik.

Ganz im Geiste Umbi Arlatis, der trotz vieler Auszeichnungen stets auf dem Boden blieb und sich für ein respektvolles Begegnen aller Menschen einsetzte, wurde auf der Bühne gejazzt. Damit wurde dem Publikum verschiedenster Couleur ein eindrücklicher Abend geschenkt.

Der «Miles Davis von Olten» ist zwar gestorben. Doch als Wegbereiter des Oltner Jazz lebt er in der Musik weiter.

Dies dank der tollen Jazzer, die mit viel Herzblut an einem edlen Hommage-Event begeisternd zur Sache gingen und vielversprechende Visionen für die Zukunft des Jazz entwickelten.