Zahnarzt
Königliche Connections haben geholfen

Olten/Erlinsbach Tirza Liebi bringt Zahnhygiene und Christentum nach Thailand — Probleme gabs am Zoll

Liliane Manzanedo
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Tirza Liebi (rechts) und Kollegin Julia von Stachelski. zvg

Tirza Liebi (rechts) und Kollegin Julia von Stachelski. zvg

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«Bloss nicht das Zahnbürstli vergessen beim Packen der Reisetasche.» Das dachte sich die Erlinsbacherin Tirza Liebi (25), als sie zu ihrer Reise nach Thailand aufbrach. Nur: Dabei handelt es sich nicht nur um eines, sondern um 10 000 Zahnbürsten. Grund für diesen infrastrukturellen Overkill: Tirza Liebi will ihr erlerntes Fachwissen im Bereich der Dentalmedizin und -pflege an Kinder und Hauseltern eines Heims in Thailand weitergeben und führt auch gleich Zahnreinigungen durch.

Am 14. November also bestieg Tirza Liebi das Flugzeug Richtung Bangkok und liess die Schweiz hinter sich. Sie hatte ihren Job als Dentalhygienikerin im Zahnarzt-Zentrum Olten gekündigt und sich damit vom gesicherten Einkommen wie von Familie und Freunden verabschiedet. Ihr langjähriger Wunsch sollte wahr werden.

Heute lebt Liebi zusammen mit ihrer Kollegin Julia von Stachelski in einem Bambushaus in unmittelbarer Nähe zum Kinderheim nahe der Stadt Mau Suai im Norden Thailands. Dort setzt sie ihren Plan um. «Meine Motivation war und ist die Liebe zu diesen Kindern und zu diesem Land», erklärt Liebi. Schon vor vier Jahren hatte sie das erste Mal ein Kinderheim in Thailand besucht, wo ihr Traum erstmals auftauchte.

Probleme am Zoll

Eigentlich hatte die 25-Jährige diesen Traum unmittelbar nach Abschluss ihrer Ausbildung umsetzen wollen. Sie entschied sich aber dann doch dafür, noch ein Jahr lang zu arbeiten, um mehr Geld zu sparen. In dieser Zeit lernte sie Julia von Stachelski kennen, eine ausgebildete Kauffrau, die ebenfalls für zwölf Monate ins Ausland wollte. Sie ist heute ebenfalls mit im Boot.

Stolze 36 000 Franken gab Liebi aus eigener Tasche für das gesamte Material aus: Arbeitsinstrumente, Auto und Interdentalbürsten. Für den Zahnarztstuhl habe sie mehr bezahlt als fürs Auto, mit dem sie die Kinder täglich in die Schule fährt und von dort auch wieder abholt. Die Zahnbürsten dagegen erhielt sie geschenkt; 10 000 Stück von der Firma Cura Prox aus Luzern. Nachschub dürfe sie jederzeit beziehen, so die die Firma.

Obwohl sie bereits letzten Sommer die ersten Sachen nach Thailand transportiert hatte, musste sie beim definitiven Abschied noch einiges mitnehmen. Ihr Bruder flog deshalb mit zwei vollen Koffern als Gepäck ein paar Tage später nach. Womit aber niemand gerechnet hatte: Am Zoll des Flughafens Chiang Mai beschlagnahmten die Beamten das gesamte Material. Die Zollbeamten verlangten eine Lizenz und liessen den Bruder wissen, er solle froh sein, nicht ins Gefängnis zu kommen. «Ich hatte ihm die teuren und speziellen Instrumente mitgegeben», erzählt Liebi. Sie selbst sei in Bangkok gelandet und habe keine Probleme gehabt.

Zwei Wochen lang versuchten Liebi und ihr Bruder vergeblich, das Material zurückzubekommen. Schliesslich schilderte sie der Schweizer Firma, bei der sie das verlorene Material bezogen hatte die Situation. «Der CEO der Firma antwortete und gab mir die Kontaktadresse seines besten Freundes, Doktor Kriengsak, des Zahnarzts der Prinzessin von Thailand.» Plötzlich ergab sich alles von alleine. Das kam so: Kriengsak hatte Freunde beim Zoll in Bangkok. Diese hatten wiederum einen guten Draht zu einem Zahnarzt in Chiang Mai, der wiederum Freunde beim Zoll in Chiang Mai hatte. «Wir kriegten alles zurück!», so Liebi. Na bitte.

Viele Kinder, viele Löcher

Liebi und ihre Freundin haben bisher 7 der insgesamt 37 Kinder des Kinderheims behandelt. Ihre Zähne weisen sehr viele Löcher auf: «Mit den ersten beiden Kindern fuhr ich sogleich zum Zahnarzt um die Löcher zu behandeln,» erzählt Liebi. Die Behandlungen bezahlte sie aus der eigenen Tasche. Pro Füllung schlägt die Behandlung in Thailand umgerechnet mit elf Franken zu Buch. Ein Schnäppchen im Vergleich zur Schweiz.

Trotzdem summiert sich der Betrag, wenn jedes Kind durchschnittlich vier Löcher aufweist. Jetzt sucht sie nach Lösungen, um die Löcher aller Kinder behandeln lassen zu können. Als Gründe für den schlechten Zustand der Kinderzähne sieht die junge Dentalhygienikerin die mangelhafte Zahnreinigung und den täglichen Konsum vieler Süssigkeiten. «Ich frage die Kinder jeden Tag, ob sie sich die Zähne geputzt haben», meint Liebi ernst. Dabei achte sie darauf, die bereits von ihr behandelten Kindern verstärkt auf die Zahnhygiene aufmerksam zu machen.

Die Behandlungen führt sie im von Bambus überdeckten, offenen Raum des Kinderheimes durch. Ihr Arbeitsmaterial dagegen lagert sie in ihrem Bambushaus und stellt es nur bei Bedarf auf. Sie behandelt die Kinder momentan nur an den Wochenenden. Unter der Woche haben dieser einen geregelten Tagesablauf. Von sieben Uhr morgens bis vier Uhr nachmittags sind sie in der Schule.

Zähne und Herz reinigen

Die junge Dentalhygienikerin will den Kindern nicht nur zeigen, wie sie ihre Zähne putzen sollen. Sie verbreitet auch das Evangelium: «Als Buddhisten kennen viele Kinder die Geschichte von Jesus Christus überhaupt nicht», stellt sie fest. Jeden Abend betet sie für eine halbe Stunde mit den Kindern. Die Hauseltern des Kinderheims sind ebenfalls Christen und unterstützen Liebi dabei.

Ihr Ziel sei es, noch weitere Behandlungen durchzuführen, auch in Nachbardörfern. Wie lange sie in Thailand bleiben wird, weiss sie noch nicht. «Sicherlich bis Dezember dieses Jahres. Irgendwann möchte ich noch für längere Zeit nach
Äthiopien», sagt Liebi, die bereits auf Volontäreinsätzen im Bereich der Schulzahnpflege dort war.