«Kommissar Facebook» – so wird Pascal Jörg, Inhaber der Fitness Factory in Olten, in seinem Umfeld und mittlerweile darüber hinaus genannt. Diesen Titel hat er seiner unkonventionellen Methode zu verdanken, mit der er Verbrecher ausfindig macht und indirekt auch bestraft.
Angefangen hat alles, als im letzten Mai Aschenbecher und Gestell beim Eingang seines Fitnesscenters abhanden kamen.

Jörg publizierte auf seiner öffentlichen Facebook-Seite, die derzeit fast 1500 Mitglieder zählt, Fotos seiner Überwachungskameras, die die Diebe in flagranti aufgenommen hatte. Gleichzeitig macht er einen Aufruf, ihm die Namen der abgebildeten Täter anzugeben. Einen Tag später wurden ihm die Namen per Privatnachricht gesendet.

Kurz darauf meldeten sich dann auch gleich die Täter selber und entschuldigten sich. «Die Entschuldigung brauchte ich nicht, ich sagte ihnen, sie sollen einfach das Zeug wieder unversehrt zurücklegen und es nicht noch einmal wagen», erinnert sich Jörg.

Schwarze Liste beim Eingang

 Der Post führte zwar zu den Tätern, schützte das Fitnesscenter jedoch nicht vor weiteren Delikten. In den darauffolgenden Monaten nahmen Unbekannte die Werbefahne des Fitnesscenters mit, andere beschädigten eine Werbetafel.

Im Dezember griff ein Mann in die Barkasse des Centers. Jedes Mal griff Jörg auf die Bilder der Überwachungskameras zurück und veröffentlichte diese auf Facebook. «Privat wurden mir früher oder später dann immer irgendwie die Namen der Täter mitgeteilt», sagt Jörg zufrieden. «Ich blieb aber fair und gab die Namen über Facebook nie bekannt.»

Zum ersten Mal nutzt Jörg soziale Medien nun auch, um Schuldner zum Zahlen zu motivieren. Letzten Freitag kündete er auf seiner Facebook-Seite an, dass er «die Schnauze voll» habe. Die vier betroffenen Fitness-Abonnenten, die seit Monaten mit der Zahlung der Rechnung im Verzug waren, sollten am Montag mit Name und Foto auf einer schwarzen Liste im Fitnessraum an den Pranger gestellt werden. 

«Lange galt bei mir ‹ein Mann, ein Wort›», sagt Pascal Jörg, der das Center vor 15 Jahren mit 50 bis 80 Abonnenten übernahm. Heute sind es um die 1000 Abonnenten. «Bei so vielen Leuten finden sich halt auch solche darunter, die immer wieder mein Vertrauen ausnützen.» Aus diesem Grund stellte er letztes Jahr eine Inkassofirma an. Diese kommt aber manchmal auch an ihre Grenzen: Einige Schuldner haben keine gültige Wohnadresse und wechseln ihre Handynummer regelmässig.

Diese Leute erscheinen aber teilweise immer noch im Fitnessraum. Dann fordert Jörg sie persönlich direkt auf, die Rechnung zu begleichen. «Uh, das ist ihnen dann sehr peinlich und tut ihnen extrem weh», sagt er. «Ihnen ist es extrem wichtig, bei den anderen ihr
Gesicht zu wahren.» Deshalb sei eine Blossstellung mit einer schwarzen Liste das einzige, das bei ihnen Wirkung zeige.

Kommissar Facebook: Oltner sucht mit Bildern aus Überwachungskamera nach Dieb

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Beim Trainieren erwischt
Nach der Ankündigung auf Facebook haben sich die betroffenen drei Schuldner sofort bei Jörg gemeldet. Die Veröffentlichung der schwarzen Liste hat sich dann erübrigt: «Sie haben mir gesagt, dass sie das Geld innerhalb dieser Woche auftreiben werden», sagt er. «Und ich gebe ihnen diese Zeit. Diese letzte Chance.»

Den vierten betroffenen Schuldner hingegen habe er beim Trainieren erwischt und vor allen Anwesenden zum Zahlen aufgefordert. Als dieser sich weigerte, habe Jörg ihm ein Hausverbot erteilt und ihn rausgeworfen. «Solche Aktionen verursachen mir schon auch Bauchweh», sagt Jörg. Es gebe einige Leute, für die Fitness fast sinngebend sei. «Und bei einem anderen Fitnesscenter werden sie wohl nicht so schnell zugelassen, wenn sie nicht zahlen.»

Pascal Jörg hat vor, in seinem Fitnesscenter weitere Kameras zu installieren. «Ich will Täter jeweils in flagranti erwischen.» Ansonsten würde er Fotos nicht auf Facebook veröffentlichen. Jörg ist sich der Risiken seiner Methode bewusst. Rechtlich wie auch sozial: «So ein Typ könnte schnell mal gewalttätig werden.» Trotzdem: «Das ist es mir wert.»