Olten
Kommen die Ratschläge vom Restauranttester an? Wie es mit dem «La Vita» nach der Sendung weiterging

TV-Restauranttester Daniel Bumann stattete dem Oltner Restaurant La Vita einen Besuch ab. Die im 2019 abgedrehte Folge ist nun ausgestrahlt worden. Wie hat der Wirt Francesco Boccia den Besuch erlebt? Und was macht er heute?

Lea Durrer
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Daniel Bumann trifft Francesco Boccia. Der Neapolitaner ist Wirt und Koch im «La Vita».
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Zum Start gibts eine Pizza. «Die riecht vorzüglich», so der Tester.
Bumann muss lange warten, bis Waldcrème- und Tomatensuppe, diverse Salate, Nudeln und Rindsentrecôte auf dem Tisch landen.
Kellner Luciano wird zum Hilfskoch.
Was in der Küche läuft, gefällt Bumann gar nicht.
Da kann der Restauranttester fast nicht hinschauen.

Daniel Bumann trifft Francesco Boccia. Der Neapolitaner ist Wirt und Koch im «La Vita».

3+

«Alles niente!» Daniel Bumann macht klar, was er vom Essen im Oltner «La Vita» hält. Dem Wirt Francesco Boccia bleibt da nichts anderes übrig, als zu nicken; «vabene». Nur seine Pizza Neapolitana bekommt gute Noten.

Im Sommer 2018 hatte der leidenschaftliche Koch das Restaurant an der Unterführungsstrasse übernommen. Doch das Geschäft hinkte schwer. Ein Kollege und Stammgast meldete sich dann mit einem Notruf beim «Restauranttester». Am Dienstag ist die Folge auf «3+» ausgestrahlt worden.

Viel Kritik vom Restauranttester

Boccia mag sich noch gut an die Dreharbeiten im Oktober 2019 erinnern. Der Besuch von Ex-Gault-Millau-Koch Daniel Bumann und der Filmcrew sei sehr intensiv gewesen, meint der 63-Jährige. Der Restauranttester sparte nicht mit Kritik. Die Speisekarte sei zu gross, die Lage des Restaurants zwischen Fitnesscenter und Friseursalon zu schlecht und Boccia würde zu viele Aufgaben im Betrieb erledigen. Er riet ihm, sich als Wirt würdig zu verabschieden und das Restaurant ganz zu schliessen – auch wegen der finanziellen Situation. Boccia erklärte sich einverstanden. «Die Kritik von Daniel Bumann konnte ich schon verstehen», sagt Boccia heute.

Die Arbeit als Wirt, Koch, Kellner und Kassier sei schon stressig gewesen, gibt er zu. Aber: «Ich konnte mir nicht so viele Angestellte leisten.» Er habe nicht alles alleine schaffen müssen, «aber man rechnet das durch – und man möchte ja auch einen Gewinn machen.» Das sei sein Entscheid gewesen.

Der gebürtige Neapolitaner lebt seit 40 Jahren in der Schweiz und habe «immer gearbeitet», wie er betont. Einer seiner Stationen: Koch im Kurhaus Balmberg. Besonders bei Schnee habe es dort sehr viele Gäste gegeben, erinnert er sich an stressige Zeiten in der Küche.

Karte verkleinert und Personal eingestellt

Mit der Ehrlichkeit und Direktheit des «Restauranttesters» habe er schon umgehen können. «Er ist ein netter Mann. Er hat immer gesagt, dass ich einen harten Kopf habe.»

Beim Saltimbocca hört für Daniel Bumann der Spass auf. Er greift ein und kocht selbst:

Bumanns Ratschlag, die Karte zu verkleinern und weniger Menüs anzubieten, hat Francesco Boccia nach dem Dreh befolgt. «Nach seinem Besuch habe ich die Karte auf drei bis vier Menüs reduziert und einen Hilfskoch eingestellt. Ich habe weiterhin die Pizzen gemacht.» An eine Schliessung wollte er erst aber nicht mehr denken; bis sie nur ein paar Monate später unumgänglich wurde.

Im Mai 2020 gab Francesco Boccia das «La Vita» auf. «Wir haben gesehen, dass es nicht weiter funktioniert.» Wegen Corona sei die Situation noch schlimmer geworden. Boccia konnte gar nicht mehr arbeiten. Er suchte nach einer neuen Arbeitsstelle. «Ich fand einen Job als Pizzaiolo in einem Restaurant in Strengelbach AG.» Dort gefällt es ihm. Wegen der Pandemie ist er momentan aber in Kurzarbeit.

Für ihn, der mit seiner Familie in Balsthal lebt, steht fest: «Als Wirt will ich nicht mehr tätig sein. 40 Jahre waren lange genug.»

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