Hooligan-Konkordat

Komitee startet Aufholjagd beim Eishockey-Derby in Olten

Sie nutzten gestern das Derby zum Unterschriftensammeln gegen das Hooligan-Konkordat.

Sie nutzten gestern das Derby zum Unterschriftensammeln gegen das Hooligan-Konkordat.

Vor dem Oltner Kleinholz-Stadion hat beim Eishockey-Derby gegen Langenthal von Donnerstag Abend die Unterschriftensammlung für ein Referendum gegen das Hooligan-Konkordat begonnen.

Mitglieder des Referendumskomitees und Helfer vermochten viele Matchbesucher zu einer Unterschrift zu motivieren.

«Ich bin mega-liberal und will, dass die Freiheit für alle gilt», begründet Komitee-Präsident Mike Bader (Kestenholz) seinen Einsatz für das Referendum. Sportvereine wie der EHCO nähmen ihre Eigenverantwortung für die Sicherheit wahr. «Mit dem Konkordat müsste ich am Eingang zum Stadion meine Freiheitsrechte abgeben. Die Gründerväter unseres Staates würden sich im Grab umdrehen.»

Der 26-Jährige ist Vizepräsident der Solothurner Jungfreisinnigen, designierter Präsident der Jungfreisinnigen der Region Olten und administrativer Mitarbeiter des FDP-Sekretariats in Solothurn.

Allerdings fand er im Vorstand der kantonalen Jungfreisinnigen keine Mehrheit für seine Referendumsidee, und die Oltner Regionalgruppe ist zurzeit kaum aktionsfähig. Darum gründete Bader mit Gleichgesinnten kurzerhand die Jungfreisinnigen Gäu, die nun mit dem Einsatz gegen das Hooligan-Konkordat erstmals an die Öffentlichkeit treten. Von der FDP können sie kaum Unterstützung erwarten, denn im Kantonsrat hatte am 13. November die grosse Mehrheit der freisinnigen Fraktion für den Beitritt zum Konkordat gestimmt.

Junge SVP ist mit im Boot

Unterstützung kam gestern aber von der Jungen SVP Kanton Solothurn: Ihr Vorstand sprach sich einstimmig gegen das Hooligan-Konkordat aus. «Es bietet keine Lösung, um die wahren Chaoten und Vandalen dingfest zu machen, sondern es ist ein Eingriff in die Privatsphäre der einzelnen Fussball- und Eishockeyfans», schreibt JSVP-Präsidentin Jessica Bader (Derendingen) in einer Mitteilung. Das Konkordat komme einer Kollektivstrafe für die Fans gleich.

Widerstand gegen das Hooligan-Konkordat ist aber keine parteipolitische Angelegenheit. Mit im Referendumskomitee ist mit dem langjährigen EHCO-Fan Julian Frey (Olten) auch ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Grünen Region Olten. Er engagiert sich aus persönlichen Gründen und rechnet nicht mit Unterstützung durch seine Partei: «Das Konkordat ist unverhältnismässig», sagt Frey. «Eine Bewilligungspflicht für alle NLA-Spiele und Kontrollen im Intimbereich, das geht zu weit. Das Konkordat führt zu einer Verteuerung für die Fans. Ich bin nicht bereit, für sichere Spiele den doppelten Preis zu zahlen, um den Sicherheitsapparat der Polizei zu finanzieren.»

Ob die nötigen 1500 Unterschriften bis zum Ablauf der Referendumsfrist am 28. Februar zusammenkommen, hängt wesentlich von der Mobilisierung der EHCO-Fanszene ab. Das Referendumskomitee muss nun zu einer Aufholjagd blasen, denn das erste «Drittel» der Referendumsfrist ist schon verstrichen.

EHCO hält sich zurück

Ob sich der EHCO als im Fall eines Aufstiegs in die Nationalliga A betroffener Klub für das Referendum engagieren will, liess VR-Präsident Benvenuto Savoldelli gestern auf Anfrage offen: «Damit haben wir uns im Verwaltungsrat noch nicht befasst.»

Eishockey sei viel weniger von der Hooligan-Problematik betroffen als Fussball. Dass es beim EHCO ein Gewaltproblem gebe, stellte Savoldelli in Frage. Die nötigen Sicherheitsmass- nahmen würden vor jedem Heimspiel mit der Polizei geplant, und der Klub beteilige sich an den Kosten der Polizei. Zudem spreche er relativ rigoros Stadionverbote aus.

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