Mit «knapp live» scheint Verleger Thomas Knapp ins Schwarze getroffen zu haben. Die neue Veranstaltungsreihe, die Kabarettisten und Autoren auf die Bühne holt, hat einen vielversprechenden Auftakt hingelegt: Zur ersten Ausgabe am Mittwoch war die Schützi mit rund 260 Personen gut besucht. Und das, obschon in Knapps Augen gerade der erste Abend ein Experiment darstellte.

Er stand unter dem Zeichen der «Wertschätzung und Empathie» und war für einmal weder Lesung noch Cabaret. Stattdessen unterhielt sich Radio-Moderator Ruedi Josuran auf der Bühne mit der Autorin Bettina Spichiger. Unterbrochen wurden sie zuweilen von den Senioren Ruedi und Heinz, interpretiert vom Comedy-Duo Strohmann-Kauz. Das leichtfüssige Format fand beim Publikum Anklang, was nicht zuletzt der Professionalität der Auftretenden zuzuschreiben ist.

Frage nach Kompetenz

Erst einmal wollte Josuran von Spichiger wissen, weshalb sie überhaupt kompetent sei, sich über Wertschätzung zu äussern. Bettina Spichiger hat als Coach von Firmen und Führungspersönlichkeiten im Arbeitsalltag häufig mit dem Thema Wertschätzung zu tun – gerade auch, weil diese vielfach eben fehle, wie sie meinte. Davon handelt auch ihr erstes Buch «Wertschätzung als Erfolgsfaktor», das 2015 im Knapp Verlag erschienen ist. «Wertschätzung ist etwas, was alle brauchen, wovon aber alle zu wenig haben», hielt Spichiger fest.

Man könne Wertschätzung aber auch lernen, betonte sie. Und liess als erprobter Coach das Publikum mit einer Aufmerksamkeitsübung gleich selbst aktiv werden: «Mustern Sie Ihren Nachbarn von oben bis unten, drehen Sie sich um, verändern Sie drei Dinge an sich und versuchen Sie dann, zu erraten, was sich an der anderen Person verändert hat.» Die Übung bereitete den Leuten offensichtlich Vergnügen, sie beteiligten sich enthusiastisch.

Aufmerksamkeit sei ein wichtiges Merkmal eines empathischen Menschen, führte Spichiger anhand eines Beispiels aus. So könne man «hören» im Sinne von «Göschenen-Airolo»; «hinhören», um abzuwarten, wann man selbst wieder anfangen könne zu reden; und «zuhören», also emotional bei der Sache sein. Bewusst zuhören, aber auch bewusst sprechen und beobachten, solle man im Alltag häufiger, meinte sie.

In kurzen Sequenzen brachten die beiden kauzigen Alten Ruedi und Heinz Spichigers Feststellungen zum Thema Wertschätzung auf den Punkt. Die beiden, die seit Jahren schon bevorzugt aneinander vorbeireden, entdeckten im Laufe des Abends, dass sie einander doch nicht so ungern haben. Ihre Wertschätzung füreinander mitzuteilen, erwies sich dann aber doch als eher kompliziert. Spichiger schloss mit der für Ruedi Josuran verblüffenden Erkenntnis, dass die Königsdisziplin in Sachen Wertschätzung «die Liebe» sei. «Was hat das denn mit der realen Welt zu tun?», meinte Josuran verwundert. Es gehe darum, auch im Alltag alle Sinne zu öffnen.

Unschwer zu erkennen war, dass das Thema wie auch die Präsentationsform bei den Leuten im Saal Zuspruch fanden. Auch Thomas Knapp zeigte sich zufrieden: Er hätte nicht mit so vielen Leuten gerechnet. Und er habe durchweg positive Rückmeldungen erhalten.

Der nächste «knapp live»-Anlass: 22. September. Bei «(K)ein schwarzer Abend» wird auch eine richtige «Tatort»-Kommissarin auf der Bühne stehen. Die weiteren «knapp live»-Daten: 2. 11. Ladys first, 3. 11. Männerabend (ausverkauft).