«Einfach toll», «absolut fantastisch», «huere geil». Die Besucher des ersten Oltenair in der Schützi sind begeistert. Das ausverkaufte Musikfestival in der Dreitannenstadt gibt auch allen Grund dazu. Bereits am Freitag strömen rund 500 Leute auf das Schützenareal, um unter anderem Jeans for Jesus und My Sleeping Karma zu lauschen. Am Samstag fahren die Veranstalter dann mit Manillio und Trettmann noch grössere Geschütze auf und bringen das Publikum endgültig zum Kochen.

Manillio, Scube und Baze bei ihrem Auftritt am OltenAir 2017 in der Schützi

Parallelen zu früher

Das Oltenair ist klein, aber fein und steht den grösseren Open Air beinahe in nichts nach. Ausser eben in der Grösse. Verschiedene Stände sorgen für kulinarischen Genuss, während die Festivalbesucher von rhythmischen Hip-Hop-Beats begleitet werden. Das Gesamtbild erinnert beinahe ein wenig an das «Oupi Oute» der 80er-Jahre, welches liebevoll mit «Mini-Woodstock» betitelt wurde.

Der Andrang ist gross, bereits um acht Uhr abends stehen die Besucher an der Kasse Schlange und nur eine Stunde später ist das Festival restlos ausverkauft. «Es ist einfach unglaublich», schwärmt Daniel Kissling, Organisator des Oltenair. Trotz der vielen Besucher gibt es auf dem Festivalgelände kein Gedränge. Ausgelassen, friedlich, familiär schon fast, ist die Stimmung in der Schützi. Auch das Wetter spielt mit. Anders als beim Oupi Oute, welches oft dem Regen weichen musste. Nur ein schwacher Wind weht und trägt die Musik in die Altstadt hinein.

Besucher von nah und fern

Das Publikum ist sich einig: «Das braucht es unbedingt wieder.» Denn mit dem Oltenair hätte die Stadt nun auch einen musikalischen Anlass der grossen Klasse vorzuweisen. Einziger Haken: Ab elf Uhr muss die Meute nach drinnen verlegt werden, der Nachbarschaft zuliebe und der polizeilichen Bewilligung zufolge.

«Das finde ich sehr schade», meint eine Besucherin. «Die Stadt sollte diesem Open Air doch eine Chance geben.» Dieses sei für viele ein Feelgood-Ersatz, denn statt in Niedergösgen treffe man die Leute aus der Region jetzt halt beim Open Air in Olten. Sogar eine Luzernerin hat am Samstag den Weg nach Olten gefunden: «Ich finde es einfach richtig gemütlich hier. Endlich mal ein Open Air, das nicht so vollgestopft ist.»

Damit sind die Erwartungen der Organisatoren übertroffen. «Unser Zielpublikum war hauptsächlich Olten, aber wir haben gehofft, dass auch Leute von Ausserhalb kommen werden», erzählt Kissling. Die bisherige Bilanz zeigt nur Positives: Zwei Mal ausverkauft.

Damit bestätigt sich, dass ein Musikfestival in der Stadt nicht nur ein Wunsch der Organisatoren, sondern auch ein Bedürfnis der ganzen Region war. «Zuerst haben wir es gehofft, dann haben wir es gedacht, und jetzt wissen wir es: Olten will das», sagt der Organisator lachend. Dank den rund 60 Helfer und der guten Zusammenarbeit mit dem Team der Schützi Olten, läuft das Oltenair problemlos über die Bühne.

In Erinnerungen schwelgen

Es bereitet Kissling speziell viel Freude, dass auch viele ältere Leute das Festival besuchen. «Einige waren sogar noch am Oupi Oute mit dabei.» Jürg Meyer war in den 80er-Jahren einer der Organisatoren des damaligen Open Air auf dem Elefantenplatz im Steinbruch. Er schwelgt gerne in den Erinnerungen an damals und fühlt sich nun beinahe ein wenig melancholisch. «Für mich ist das hier ein Stück Heimat», sinniert Meyer.

Es freue ihn, dass auch heute noch die gleichen Werte vermittelt werden. An solchen Festivals können die Leute zusammenkommen und zeigen, dass auch sie Verantwortung übernehmen können. Das sei auch politisch gesehen sehr wichtig. Für Meyer war von Anfang an klar, dass er an diesem Wochenende mit dabei sein musste. «Es tut mir gut und es tut Olten gut», stellt er abschliessend fest.

Hip-Hop, Rap und Dancehall

Eines der Highlights am Samstag ist sicherlich Scube, der seit einigen Jahren in der Region lebt. Dadurch hat er eine ganz besondere Nähe zum Publikum und vermag die Oltner zu begeistern. Im Wechseltakt finden die verschiedenen Konzerte auf der Aussenbühne und dann wieder in der Schützi statt. Deshalb strömen nach Scubes Auftritt auch alle 700 Festivalbesucher sofort nach draussen, um Manillio, alias Manuel Liniger, von möglichst weit vorne zu sehen.

Der Publikumsliebling zieht die Oltner bereits mit dem ersten Song, «Kryptonit», in seinen Bann. Kaum hat die Schützi je einmal so gebebt wie zum Erfolgstrack «Monbijou». Und spätestens, als Manillio singt: «Am liebschte häbi mi a öich, Oute», ist die ganze Schützi nicht mehr zu halten. Es wird gejohlt, getanzt, gefeiert. Der Solothurner Rapper und seine Band schaffen es, die Menge mitzuziehen und Party zu machen, wie es Olten wohl noch nie erlebt hat.

Schmunzelnd erzählt «Manu» am Ende seines Auftritts, dass er am Anfang noch ein wenig Druck auf das Publikum machen wollte. Denn schliesslich dürften er und seine Band das Oltenair zum ersten Mal live erleben und würden das natürlich weitererzählen. «Aber Olten, Ihr braucht das gar nicht. Ihr geht auch so richtig ab», ruft Manillio begeistert in sein Mikrofon und erntet noch einmal tosenden Applaus.

Ein paar Minuten nach elf Uhr wird es dann still auf dem Areal. Doch die begeisterten Besucher feiern in der Schützi zu den Beats von Dancehall-König Trettmann noch bis in die frühen Morgenstunden.

Der Solothurner in Olten: Rapper Manillio

Du bist vor Deinem Auftritt noch durch die Menge spaziert. Kannst Du das an jedem Open Air?
Manillio: Ja, eigentlich schon. Aber es ist nicht immer gleich angenehm. Hier war es zum Beispiel total easy, aber auf dem Gurten kann das mühsam werden.

Das Oltenair ist ja auch recht klein. Wie ist das für Dich?
Wir finden es richtig gemütlich hier und freuen uns auf den Auftritt. Je kleiner das Open Air, desto grösser können wir als Band wirken.

Was hast Du denn für einen Bezug zu der Stadt?
Wir hatten auch schon Auftritte in der Paraiba Bar, in der Vario Bar und sogar schon einmal hier in der Schützi. Daran kann ich mich noch gut erinnern.

Weisst Du denn, wer der König von Olten war?
Ist das nicht Pedro Lenz? (lacht)

Beinahe. Unser König war Toulouse, ein schwarz-weisser Kater.
Ja, das passt doch zu Olten (lacht). Ihr seid ja sehr kreativ. Wir mussten auch über den Namen «Oltenair» schmunzeln. Aber das bietet sich ja an.

Was erwartest Du denn vom heutigen Auftritt?
Wir wollen die Welt erobern! Und heute ist Olten für uns die Welt.