Mit 100 Gästen hatte er gerechnet, Peter Borer aus Solothurn. Rund 30 kamen zum Klassentreffen vor den Hammer in Olten, wo einst die musikalische Reise hiesiger Bands begann oder auch schon mal endete. Der Solothurner will bekanntlich ein Filmprojekt zur Geschichte der Solothurner Musikszene lancieren.

Und so lud der 60-Jährige gestern zum klassischen «Weisch no?-Treff» nach Olten. Seine Bilanz nach anderthalb Stunden im «Rathskeller»: «Ich bin sehr zufrieden». Zwar marschierte keine der Bands komplett auf, aber nicht wenige liessen sich doch durch einen Vertreter repräsentieren. Sogar Crown Edgar Kocher, Killer, war da. Und auch Martin Wey, Oltens Stadtpräsident und Ehrengast der Veranstaltung, liess sich einen Besuch nicht nehmen.

Killer, Kaktus und Co.

Killer, Kaktus, The Wood Bees, The Clevers, Rutishuser und Co., The Jackys, Hot Stuff, Dixieland Preachers, The 16 Strings oder etwa Les Apaches waren zugegen. Letztere ist eine Formation der frühen 1960er-Jahre und bis heute eine reine Instrumentalband geblieben. Werner Lüscher (damals Obergösgen, heute Mollis) war Gründungsmitglied.

Zum Klassentreffen hat er Postkarten mitgebracht, auf der vier Jungs zu sehen sind mit adretten Frisuren und ebensolchen Anzügen. Soweit alles normal für jene Epoche. Aber ein französisch klingender Bandname in Zeiten, als Anglizismen ihren Vormarsch antraten? «Der Name lehnt an ein sehr bekanntes Stück der von uns geliebten und gecoverten englischen Band Shadows an», sagt Lüscher, der mit Lothar Straub (einst Olten, heute Utzenstorf BE) zum Treffen gekommen ist. Straub gehört zu den Gründern der Clevers und spielt Bass.

Wo gelernt? Straub machts kurz: «Selber», sagt er und lacht. «Heute nennt sich das autodidaktisch», reicht Lüscher nach. «Ich hatte gerade die Lehre zum Mechaniker angefangen, als die Band gegründet wurde», sagt Straub. Die Clevers spielten zwischen 1964 bis 1970 auf. «Ungefähr», sagt der Bassist. So genau weiss das niemand mehr. Aber was sie spielte, das dann schon. Von den Beatles über die Byrds bis hin zu den Beach Boys.

Straub reicht auf dem Handy das Bild eines Plakats herum, welches den Auftritt der Clevers ankündigt. 600 Franken erhielt die mehrköpfige Band für einen Auftritt damals. Die Franken sind mittlerweile vertan, geblieben ist Straub dafür was ganz anderes: «Meine Frau hab ich im Hammer kennen gelernt», lacht er. Über Groupies von damals mag er allerdings nichts erzählen. Da schmunzelt der Mann bloss süffisant vor sich hin. «Kein Kommentar» sagt er bestimmt.

Hot Stuff wird Sweet November

René Deck aus Feldbrunnen ist mit seiner Formation Hot Stuff zeitlich etwas später dran. «1979 wars», sagt der Keyboarder. «Der Name damals war schnell gefunden; einer sagte ‹hot› und der andere ‹stuff›», lacht Deck. Das wars.

Später wurde die Band in Sweet November umbenannt. Warum? «Weil mit Hot Stuff im Internet haufenweise Erotikzeug verbunden wird,» sagt Deck trocken. Bei der Findung des Zweitnahmens der mittlerweile von Quintett zum Quartett reduzierten Band hätten sie sich schon mehr Zeit genommen.

So ging das hin und her unter den Gästen. Was Borer mit dem Klassentreffen anstrebte, nämlich an Informationen über abgebliebene und bisher unveröffentlichte Musikstücke zu kommen, oder Kontakte knüpfen zu können, wurde erreicht. Aschi Glanzmann aus Solothurn etwa wusste noch von einer solchen Tonaufnahme, die sich in seinem Besitz befindet. «Also notieren», so Borer.

Infos zu Doku-Material über Solothurns Musikszene zwischen 1960 und 1985 an: peter.borer@gawnet.ch