So sicher, wie es nach der Gemeindeversammlung Mitte Juni aussah, war der Start der familienergänzenden Kinderbetreuung in Wangen bei Olten per Anfang Schuljahr doch nicht. An der letzten Sitzung vor den Sommerferien wurde nämlich bekannt, dass der Gemeinderat noch einen Nachtragskredit von 9000 Franken zustimmen muss, damit der Betrieb aus Sicht der Firma Sternekita bis Ende Jahr wirtschaftlich betrieben werden kann. Ab Januar 2020 sollen die Tagesstrukturen in den Pfefferli-Hof auf dem Danzmatt-Areal zügeln.

«Der Kita-Betreiber kommt uns sehr entgegen, weil der Mittagstisch und der Kinderhort stark defizitär sind», sagte die zuständige Gemeinderätin Bettina Widmer. Zudem liege der Fehler wegen des «kollektiven Versäumnisses» bei der Gemeinde und nicht beim Kita-Betreiber. So sei der Vorschlag der Starthilfe von ihr und Gemeindepräsidentin Daria Hof gekommen. Der Hintergrund: Weil niemand bemerkt hatte, dass die Miete des Pfefferli-Hofs von 12'000 Franken pro Jahr nicht in die Kompetenz des Gemeinderats fällt, kommt es zu Verzögerungen bei den Bewilligungen und den Umbauarbeiten. Die Stimmbevölkerung wird nun an einer separaten Gemeindeversammlung am 12. August über den Mietvertrag mit dem Kanton befinden.

Nachtragskredit kommt knapp durch

Die Starthilfe von zwei Monatsbeiträgen von je 4500 Franken kam aber nicht nur gut an: SVP-Gemeinderat Christian Riesen war «entschieden dagegen». Die Sternekita sei eine Aktiengesellschaft und trage auch ein unternehmerisches Risiko. Zu Verzögerungen bei Bauprojekten könne es immer kommen. Ähnlich argumentierte FDP-Gemeinderat Florian Wüthrich und zitierte den Sternekita-Geschäftsleiter Jann Bernhard: Dieser hätte keine Mühe, erst im Januar 2020 zu starten. Sein Parteikollege Pascal Erlachner konnte sich damit aber nicht anfreunden: «Es wäre ein falsches Zeichen, wenn die Kinderbetreuung erst im Januar 2020 beginnen würde.» Bei der Abstimmung setzten sich schliesslich die Befürworter des Nachtragskredits mit 4 zu 3 knapp durch. Einstimmig abgesegnet hat der Gemeinderat hingegen die Klausel, den Mietzins von 2000 Franken pro Monat im ersten Jahr und 2500 Franken ab dem zweiten Jahr neu zu verhandeln, wenn die Sternekita mit der Filiale in Wangen bei Olten schwarze Zahlen schreibt. Dies sei in drei bis fünf Jahren der Fall, hiess es.

Sternekita-Geschäftsleiter Bernhard sagte gestern auf Anfrage, dass er davon ausgegangen sei, ab dem neuen Schuljahr zu starten. Wäre der Nachtragskredit nicht angenommen worden, «hätten wir eine andere Lösung für die kritischen beiden Betriebsmonate November und Dezember gefunden». Tatsächlich gaben die beiden Gemeinderätinnen Hof und Widmer nach dem positiven Entscheid zum Nachtragskredit an, sie würden auf ihre Sitzungsgelder verzichten, um die Sternenkita finanziell zu unterstützen, sollte es zu weiteren Problemen kommen.

Zuerst soll der Betrieb mit Mittagstisch und Kinderhort Mitte August in einem Zimmer des erweiterten Alpschulhauses starten. Im Januar 2020 kommt mit dem geplanten Umzug in den Pfefferli-Hof der Betrieb der Kindertagesstätte hinzu. Diese Liegenschaft und das dazugehörige Danzmatt-Areal will die Gemeinde vom Kanton für eine Million Franken erwerben. Ein Entwurf des Kaufvertrags lag nun erstmals vor. Der Gemeinderat war sich einig, dass Nachverhandlungen in diversen Punkten nötig sind. Das Ziel der Gemeindepräsidentin Daria Hof ist es, das Kaufgeschäft an der Gemeindeversammlung im Dezember zu präsentieren.