Nach der Gemeindeversammlung Ende Juni sah es für den aussenstehenden Beobachter so aus, als ob bei der christkatholischen Kirchgemeinde der Region Olten Ruhe eingekehrt wäre: Die 30 Stimmberechtigten hiessen ohne nennenswerte Gegenwehr Abriss, Verkauf und Vermietung der drei Kirchen in Hägendorf, Starrkirch-Wil und Trimbach gut. Doch hinter den Kulissen brodelte es: Einen Tag nach der Kirchgemeinderatssitzung von vergangenem Montag hat Präsident Kurt Stutz das Handtuch per sofort hingeworfen – dies nach nur zwei Jahren. Im Demissionsschreiben, dass dieser Zeitung vorliegt, bezeichnet Stutz das Verhalten des Pfarrers Kai Fehringer als «absoluten Vertrauensbruch». Dieser hätte «das Fass zum Überlaufen» gebracht. Der 75-Jährige sieht daher keine Basis mehr für «eine ehrliche, glaubhafte und vertrauenswürdige Zusammenarbeit mit ihm».

Stutz stellt Kündigung Fehringers zur Diskussion
Was war am Montagabend passiert, was Kurt Stutz zum Rücktritt provozierte? Pfarrer Kai Fehringer las ein E-Mail von Stutz ohne dessen Einverständnis wörtlich vor, dass dieser eigentlich an die Kirchgemeinderäte verschicken wollte, es aber dann doch nicht tat. Stattdessen übergab Stutz das Schreiben, das auch dieser Zeitung vorliegt, dem Pfarrer. Kurt Stutz sagte gestern auf Anfrage: «Ich habe mir eine Entschuldigung Fehringers erhofft, damit alles wieder in Ordnung kommt.»

Im nicht verschickten E-Mail geht Stutz auf eine Besprechung vom 23. April ein, bei der Kai Fehringer «total ausrastete». «Er kritisierte mich arrogant, unwürdig, ja sogar frech», schreibt Stutz darin. Sein Verhalten könne er «eigentlich nicht akzeptieren», so Stutz weiter. «Als Chef einer Firma hätte ich sofort eine Kündigung ausgesprochen und ihn frei gestellt.» Tatsächlich stellt Stutz im E-Mail zur Diskussion, ob Fehringer nicht von sich aus die Kündigung hätte einreichen sollen. Gestern bestätigte Stutz auf Anfrage, dass er zwar im Berufsleben so vorgehen würde – der Hägendörfer war 27 Jahre lang Geschäftsführer einer Firma –, doch im Nachhinein gesehen sei es wohl «eine harte Bemerkung gewesen», die «aus der Emotion» heraus entstanden sei.

Fehringer wollte Amt für Gemeinden einschalten
Was hat Kai Fehringer an der Sitzung vom 23. April anscheinend ausrasten lassen? Kurt Stutz wollte darauf nicht eingehen. Pfarrer Fehringer sagte gestern auf Anfrage, dass es dabei vor allem um die Stadtkirche gegangen sei, die ohne Rücksprache mit ihm als Pfarrer vermietet worden wäre. «Ich habe bereits vorher mehrmals reklamiert.» An dieser Sitzung habe es dann vom Kirchgemeinderat geheissen, dass man sich bemühe, dass es nicht wieder vorkomme. «Dann habe ich halt deutlich gesagt, dass es so nicht geht.» Das sei manchen in den falschen Hals geraten. Er forderte, dass die Entscheide künftig gemeinsam gefällt würden.

Fehringer bedauert den Rücktritt von Kurt Stutz. Zum nicht verschickten E-Mail, das er vergangenen Montag während der Kirchgemeinderatssitzung vorlas, sagt er: «Wenn der Präsident mir ein Schreiben in unserem Sekretariat übergibt, liegt es an mir, ob ich das öffentlich mache oder nicht.» Stutz hätte damit rechnen müssen, das dies geschieht. Fehringer zufolge verschickt man als Vorgesetzter nicht solche Schreiben. «Ich wollte damit auch auf die Situation und die Art und Weise der Kommunikation aufmerksam machen.» Stutz hätte ihm nämlich nahegelegt zu kündigen oder ihm gedroht, das Pensum zu reduzieren. Fehringer: «Das kann er gar nicht, weil ich von der Kirchgemeinde für vier Jahre gewählt bin.» Deswegen habe sich der christkatholische Pfarrer auch schon überlegt, beim Amt für Gemeinden eine Beschwerde wegen mangelnder Amtsführung einzureichen. «Kurt Stutz wollte am liebsten alles selbst entscheiden. Ich hingegen möchte fair und auf Augenhöhe zusammenarbeiten.» Fehringer sieht derzeit auch keinen Grund, sein Amt niederzulegen.

Eine Konsequenz hat er allerdings gezogen. Was er an der Gemeindeversammlung Ende Juni als Überlegung angekündigt hatte, setzte er inzwischen um. Die Wohnung im Kirchgemeindehaus an der Kirchgasse 15 hat er per Ende September gekündigt. Er wird mit seinem Partner umziehen. Die Wohnsituation an der Kirchgasse habe sich verschlechtert, weil es dort immer lärmiger werde, sagte Fehringer an der Gemeindeversammlung Ende Juni. Zudem habe er seit der Fremdvermietung des ersten Stocks nur noch eingeschränkt Zugang zum Balkon.

An der Sitzung vergangenen Montag war die Stimmung nach dem vorgelesenen E-Mail so angespannt, dass es keine grossen Diskussionen mehr gab, wie einer der zwölf Gäste auf Anfrage sagte. Ebenfalls vor Ort war Harald Rein, Bischof der christkatholischen Kirche der Schweiz. Dieser war auf Einladung Fehringers da, hat sich aber zu den Unstimmigkeiten zwischen Pfarrer und Präsident an der Sitzung nicht geäussert.

Vizepräsident Beat Wyttenbach übernimmt vorläufig
Wie geht es nun bei den Christkatholiken weiter? Der Vizepräsident Beat Wyttenbach wird die Amtsgeschäfte vorübergehend übernehmen, wie er auf Anfrage sagt. Es gehe nun darum, viele Gespräche zu führen, um den «Scherbenhaufen wieder zu kitten». Der Kirchgemeinderat habe am Montagabend noch versucht, Kurt Stutz vom Rücktritt als Präsident abzubringen. «Wir bedauern, dass es so weit kommen musste», sagt Wyttenbach im Namen des gesamten Rats. Stutz habe eine grosse Leistung vollbracht und einige Projekte, wie die Renovation der Stadtkirche oder die Neuausrichtung dreier Kirchen vorangetrieben. Nun gehe es darum, den Rücktritt zu verdauen und den Alltagsbetrieb aufrecht zu erhalten. Fünf der sechs Kirchgemeinderäte stellten sich gemäss Wyttenbach weiterhin zur Verfügung, beim sechsten steht die Zusage noch aus. Zudem sei bereits ein definitiver Nachfolger für den zurückgetretenen Präsidenten gefunden. «Die Bestätigung ist aber noch ausstehend», sagt Wyttenbach.