Noch selten gesehen lang war er, der heurige Kinderumzug, der am Donnerstag kurz nach 14 Uhr im Sälipark startete und über die alte Aarauerstrasse, Winkelunterführung, Holzbrücke, Haupt- und Marktgasse dann letztlich doch zum vertrauten Ildefonsplatz führte, wo feiner Risotto gereicht wurde.

Ein Tatzelwurm aus Räubern, Geistern und Kobolden schlängelte sich durch die Strassen, gesäumt von ungezählten Kiebitzen am Strassenrand, darunter Grossmütter, Tanten, Basen, Grossväter, Onkel, Vettern und was Verwandt- und Bekanntschaft eben sonst noch so hergibt. «Die Routenänderung hat sich bestimmt gelohnt», so Fuko-Präsident Beat Loosli in einer ersten Reaktion.

Seeräuber in sattem Rot…

Zu den (See)Räubern am Umzug gehörten etwa die Sälikids; eine mehr als 20-köpfige Truppe, die auf «klar Schiff» machte und die in ihrem rot-schwarzen Piratendress für einen regelrechten Farbtupfer sorgte.

«Das macht den Kindern Spass», so Daniela Steffen, eine der erwachsenen Verantwortlichen. Denn zuvor sei besprochen worden, wodurch sich Piraten auszeichnen würden. Selbst den legendären Papagei führte die Truppe schliesslich mit.

Als Waldgeister verkleidet trat die Chinderstube in Aktion. «Wir sind eigentlich jedes Jahr dabei», verrät Leiterin Sandra Beck. Warum die Wahl ausgerechnet auf Waldgeister fiel, erklärt sie damit, dass in der Krippe der Wald stets ein Thema sei.

«Im Herbst starten wir jeweils mit einer Ideensammlung. Daraus ist nun der Waldgeist hervorgegangen.» Nicht alle Kinder übrigens mögen Fasnacht, weiss die Leiterin. «Maske oder Schminke im Gesicht – eher unpopulär», lacht Sandra Beck und zieht mit ihrer Gruppe weiter.

und Pösteler in sattem Blau

Dann huscht eine hübsche Prinzessin unter dem Arm ihres Vaters durch und positioniert sich als «Konfettischleuder», etwas fernab des Umzugs duellieren sich zwei Cowboys, derweil Marc, Thomy, Flöru und Hofi, vier Sousafon-Spieler der Guggi-Zunft, ihr Bestes geben.

Unbeirrt davon zieht die «Postcombo» mit Urs Müller und Sarah Jäggi ihres Weges. Deren Sohn Max durfte heuer das Motto bestimmen: «Pöstler, das gefällt mir, weil ich Postautos gerne habe» sagt der Fünfjährige und zeigt stolz die Schokokugeln, die er im Verlauf des Umzuges zu verteilen gedenkt.

Die Eltern verteilen auch, und zwar kleine Postkarten, auf denen Sparvorschläge für die Stadt notiert und auf Max’ Postbüro in den Briefkasten auf dem Leiterwagen geworfen werden können. «Mir Wey spare» ist auf der Vorderseite der Karte zu lesen.

So zieht der Tatzelwurm schier endlos seine Kreise. Und Obernaar Rolf dr Dritte zeigt sich im Sonntagsgesicht. «Der Kinderumzug ist doch die helle Freude», meint er noch. Wer würde bei diesem fantasienvollen Aufzug eigentlich noch daran zweifeln wollen?