Das 1959 von Paul Wyss gegründete Kies- und Betonwerk Härkingen (WKB) geht per 1. Januar 2017 an das Baustoffzentrum Olten/Zofingen (BOZ) über. Damit wachse zusammen, was zusammengehöre, betonen die beiden Hauptprotagonisten des Deals, Samuel Schatzmann (BOZ) und Paul A. Wyss (WKB).

Fakt ist: Mit diesem Zusammenschluss entsteht mit gegen 120 Angestellten einer der grössten Familienbetriebe im Mittelland, welcher seine Stärken in den Bereichen Beton, Kies, Strassenbelag, Recycling, Aushubdeponien und Transporte haben wird. Drei grosse Kieswerke, fünf Betonwerke, zwei Asphaltwerke, eine Recyclingstation und vier Aushubdeponien sollen in Zukunft das Portefeuille des neuen Baustoffzentrums bilden.

Nachfolgeregelung

Wieso gibt das Härkinger Unternehmen seine Selbstständigkeit auf? Paul A. Wyss, der seit 1984 mit seinem Bruder Rolf das WKB leitet, erklärt gegenüber dieser Zeitung: «Mein Bruder Rolf und ich sind jetzt 62 bzw. 63 Jahre alt. Deshalb sahen wir uns veranlasst, für das Unternehmen eine Nachfolgeregelung zu treffen.

Und weil es innerhalb der Familie keine geeignete Nachfolge gab, musste eine externe Lösung gesucht werden.» Sein Bruder und er würden nun beruflich kürzertreten, betont Paul A. Wyss. Mehr will er zum Deal nicht sagen. Schliesslich habe man hinsichtlich der Modalitäten des Zusammenschlusses Stillschweigen vereinbart.

Der Personaletat des WKB umfasst laut Wyss derzeit 950 Stellenprozente, davon 250 Stellenprozente im administrativen Bereich. Diese Stellen würden vom Zusammenschluss nicht tangiert. Paul A. Wyss sieht den Weiterbestand des Kieswerkes in Härkingen längerfristig gesichert: «Erst vor drei Jahren erhielten wir die Abbaubewilligung für 30 Jahre.» Und bestehende Reserven ermöglichten später nochmals zwei Abbauphasen von je 30 Jahren. Doch hierfür gebe es noch keine Bewilligungen.

Keine Änderung für Personal

Glücklich über den Zusammenschluss, der in Tat und Wahrheit eine Übernahme ist, äussert sich auch der neue Besitzer Samuel Schatzmann (Oftringen). Und er bestätigt, dass der Betrieb in Härkingen wie bisher weitergeführt werde. Personal und Kundschaft könnten sich darauf verlassen.

Änderungen gibt es aber in der Führung: Operativ ist ab 1.1.2017 der heutige BOZ-Geschäftsführer Jürg Wyss (Härkingen), der jüngere Bruder von Paul A. und Rolf Wyss, auch für Härkingen zuständig. Und dem BOZ-Verwaltungsrat gehört neben Samuel Schatzmann (Präsident) und dessen Sohn Sébastien (Vizepräsident) auch Paul A. Wyss an. Paul A. Wyss werde jedoch im Kerngeschäft nicht mehr tätig sein, sondern nur noch im Immobilienbereich des Unternehmens.

Stärkung gegen Konkurrenz

Samuel Schatzmann ist überzeugt, mit dem WKB einen kleinen «Goldesel» übernommen zu haben. Das WKB betreibe rentabel ein Kieswerk mit Betonwerk sowie Aushubdeponien. Des Weiteren bringe es verschiedene Baubeteiligungen in die Unternehmensgruppe ein. «Ein Zusammenschluss wurde möglich, weil wir uns in der Vergangenheit stets mit Respekt und Fairness begegnet sind.

Wir haben nicht miteinander, aber auch nicht gegeneinander gearbeitet.» Der Zusammenschluss mit Härkingen sei viel reibungsloser erfolgt als jener zwischen Boningen und Gunzgen im Jahre 2008. Wichtig sei jedoch, dass das BOZ durch den Zuwachs nachhaltig gestärkt werde.

Schliesslich stehe man in der Region in Konkurrenz mit internationalen Grosskonzernen. Bekanntlich gehört das Kieswerk Aebisholz in Oensingen zur Vigier Beton AG, die unter dem Dach des französischen Vicat-Konzerns steht.
Und das Kieswerk in Niederbipp gehört zur Jura Cement AG, die ihr Mutterhaus in Irland hat, nämlich im weltweit tätigen Baumaterialkonzern Cement-Roadstone-Holding (CRH).

Zahlen über den Deal will der promovierte Jurist Samuel Schatzmann nicht bekannt geben, schliesslich müsse er sich an die getroffene Stillhaltevereinbarung halten. Hingegen äussert er sich überzeugt, dass durch den Zusammenschluss weitere Synergien in den Bereichen Werkhof/Werkstatt und Administration sowie beim Know-how entwickelt werden könnten.

«Die einzig richtige Lösung»

Jürg Wyss, der ab 1.1.2017 als BOZ-Geschäftsführer auch das Kieswerk seiner Familie in Härkingen führen wird, freut sich auf seine neue Aufgabe. Es sei eine neue Herausforderung, der er sich gerne stelle.

Mit dem Zusammenschluss sei «die einzig richtige Lösung» getroffen worden, auch für die Familie Wyss: «Wir können nur in Koexistenz erfolgreich in die Zukunft schreiten.» Wichtig sei auch die regionale Verankerung, unterstreicht er als Mitglied des Gemeinderates Härkingen.

Auch als Sportler erfolgreich

Der neue Inhaber des WKB, Samuel Schatzmann, ist ein Unternehmer von altem Schrot und Korn. Die Devise des 61-Jährigen lautet: Nicht nachlassen gewinnt. Man müsse immer vollen Einsatz leisten und zur Zielerreichung gegebenenfalls auch Qualen in Kauf nehmen können.

Diese Einstellung hat ihm in jungen Jahren auch sportlich Erfolg gebracht, und zwar als Dressurreiter. Zum Beispiel mit einer Silbermedaille an den Olympischen Spielen 1988 in Seoul oder je einer Bronzemedaille an den Weltmeisterschaften 1987 in Toronto und 1989 in Stockholm.