Fulenbach

Kiesabbau: Abwägung von sich widersprechenden Interessen

Podium im Gemeindesaal (von links): Barbara Gantner, Jürg Wyss, Stefan Probst, Rolf Glünkin und Thomas Blum.

Die Gemeinde informierte über den geplanten Kiesabbau – dieser würde 11,5 Millionen Franken in die Kasse spülen.

Am Abstimmungswochenende vom 19. Mai können die Fulenbacher Stimmberechtigten entscheiden, ob in ihrem Wald in Zukunft Kies abgebaut werden darf oder nicht. Am 4. Dezember 2018 hatte die Gemeindeversammlung nämlich nach einer engagierten Diskussion beschlossen, dieses Geschäft an die Urne zu bringen (wir berichteten).
Dabei wurde mit 77 der anwesenden 160 Stimmenden das nötige Quorum von einem Drittel erreicht. Konkret geht es dabei um ein Waldstück im Unteren Foreban.

Das geplante Kiesabbaugebiet beginnt im Dreiangel und erstreckt sich auf einer Breite von rund 400 Meter in Richtung Aare, wobei zur Waldhütte ein Abstand von etwa
40 Meter eingehalten wird. Die Abbaufläche beträgt 188 000 Quadratmeter oder anschaulicher 18,8 Hektaren Land.

Entscheidungshilfen gereicht

Um den Einwohnerinnen und Einwohnern Entscheidungsgrundlagen zu geben, lud nun der Gemeinderat Fulenbach zu einer Informationsveranstaltung ein. Fünf Fachleute stellten sich nach je einem Kurzreferat den Fragen von Moderator Urs Huber, Redaktor des Oltner Tagblatts, und dem Plenum. In der Expertenrunde war allerdings kein erklärter Gegner der Abstimmungsvorlage vertreten.

Eingriff in die Landschaft

Gemeindepräsident Thomas Blum räumte ein, dass die Kiesgrube einen Eingriff in die Landschaft bedeutet und den Nutzen des Waldes als Erholungsraum einschränkt. Er unterstrich aber, dass das Kiesabbaugebiet dem räumlichen Leitbild entspricht und vom Gemeinderat auch gewünscht wird. Das resultierende Geld verschafft Fulenbach mehr Spielraum für die Entwicklung der Gemeinde.

Rolf Glünkin vom kantonalen Amt für Raumplanung in Solothurn zeigte die Ziele der kantonalen Raumplanung wie Versorgung mit dem Rohstoff Kies oder Schonung der Umwelt auf. Diese könnten sich durchaus widersprechen, wobei eben eine Interessenabwägung vorgenommen werden muss.

Die Geologin Barbara Gantner von der Berner Beratungsfirma Cycad AG wiederum erklärte, wie der Kiesabbau im Detail betrieben wird. Unter dem Humus liegt eine bis 30 Meter starke Schotterschicht aus der letzten Eiszeit. Diese kann bis 2 Meter oberhalb des Grundwassers ausgebaggert werden. Nach dem Kiesabbau wird das Gebiet wieder mit Bäumen angepflanzt und das Wegnetz geöffnet.

Revierförster Stefan Probst sieht das Projekt eher als Chance an, den Fichtenwald grossflächig in einen klimaresistenten Mischwald umzuwandeln. Die zu erwartende Rodung von jährlich 2 Hektaren hat in der üblichen Holzschlagmenge Platz.

Finanziell profitieren

Vor allem aber wird die Gemeinde finanziell profitieren. Jürg Wyss, der Geschäftsführer der Firma Baustoffzentrum Olten/Zofingen BOZ, welche bereits die angrenzenden Kieswerke betreibt, nannte auf Rückfrage hin die konkreten Zahlen. Je Kubikmeter Kies erhält die Gemeinde Fr. 5.20, dazu Fr. 1.20 pro Kubikmeter Auffüllmaterial. Pro Hektare rechnet man mit 100 000 Kubikmeter Kies. Somit ist insgesamt mit 1,8 Millionen Kubikmeter Kiesgewinnung zu rechnen, woraus die in der Diskussion genannten 11,5 Millionen Franken resultieren. Von diesem Betrag sind dann rund 2 Millionen Franken für die Wiederaufforstung reserviert. Der Zeithorizont ist allerdings fern, da es sich um eine Richtplanfestlegung für die Zukunft handelt. In einer ersten Etappe wird ab 2028 im Hard Usserban Härkingen mit dem Abbau begonnen, bevor 2038 das Areal in Fulenbach in Angriff genommen wird.

Ideele Argumente

Diesen harten Fakten standen in der allgemeinen Diskussion unbezifferbare Fakten gegenüber: so die Sorge um den während Jahrhunderten gewachsenen Waldboden und um den Baumbestand, auch um den Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Das Waldgebiet speichert Wasser und CO2. Als Minus wurde auch der Wegfall eines erheblichen Teils des Naherholungsgebiets genannt. Die Interessensabwägung werden alle Stimmberechtigten der Einwohnergemeinde im Mai vornehmen.

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