Die SRG Aargau Solothurn machte am Montagabend die «Zukunft der elektronischen Medien» zum Thema. Das Bundesgesetz elektronischer Medien kam bei den Schlossgespräch-Teilnehmern im Theaterstudio Olten nicht gut an: «Ich finde es enttäuschend. Das neue Gesetz sollte viel mutiger sein und neue Formen von Medien mit einbeziehen», meinte Alexandra Stark, Leiterin Bereich Online-Medien bei der Schweizer Journalistenschule MAZ.

Gemäss Michael Wanner ist es eine verpasste Chance: «Das Gesetz behandelt vor allem audiovisuelle Medien, Intermediäre wie Google, Facebook etc. werden vernachlässigt», sagte der Verwaltungsrat von CH Media und Geschäftsführer des Onlineportals «Watson». Auch Walter Bachmann als Generalsekretär SRG SSR ist nicht nur zufrieden: «Es findet eine Marginalisierung des regionalen Service public statt. Was hier auf Gesetzesstufe festgeschrieben wird, sollte eigentlich auf Konzessionsstufe geregelt sein.»

Beim Stichwort Service public bemängelte Stark: «Dieser ist heute zu stark an spezifische Technologien gebunden, das macht ihn für Junge ungeeignet.» Bachmann würde eine Ausweitung der Förderung des Service publics begrüssen, allerdings nicht zulasten der SRG. Wanner ist nicht dieser Meinung: «Die Grösse der SRG muss diskutiert werden. Und der Service public braucht genauere Definitionen. Im Internet haben wir bereits ein Überangebot, hier muss sich die SRG nicht noch breiter machen – vor allem nicht, wenn sie Formate von privaten Anbietern kopiert.»

Wanner bringt zur Verteilung der Fördergelder die Idee des «Voucher-Systems» in die Diskussion ein. Dabei soll ein Anteil von 60 Prozent der Gebührengelder der SRG zufliessen, die restlichen 40 Prozent würden durch Wahl des Publikums an Medien und Verleger verteilt. Dieses Modell findet auch bei den anderen Diskussionsteilnehmer Anklang. «Allerdings ist es noch lange nicht genügend ausgereift», schränkte Bachmann ein.

Unbestritten ist, dass Medien heute auf den sozialen Medien präsent sein müssen. «Die SRG muss noch mehr in den sozialen Medien unternehmen, aber stärker fokussiert auf den Service public», so Bachmann. «Wir sind auf Facebook und Instagram präsent. Facebook bringt Reichweite, Instagram kann zu einer erhöhten Markenloyalität beitragen», erläuterte Wanner. «Aber hier liegt auch ein grosses Problem für uns, denn die Intermediäre wie Facebook, Google etc. verdienen mit unseren Inhalten Geld.» «Es entsteht ein weiteres Problem durch diese Intermediäre: Mit ihren Algorithmen bestimmen sie, welche Informationen zu uns gelangen», ergänzt Stark.

«Genau hier sind wir mit einer Zusammenarbeit auf gutem Weg», meint Bachmann. «Es sind Gespräche unter den Schweizern Verlegern im Gang, um eine Daten-Allianz zu gründen, welche sich mit einem gemeinsamen Daten-Pool gegen Google und Co. positionieren kann.» «Bis diese Allianz wirksam wird, müssen die Intermediäre allerdings besteuert werden. Das so gewonnene Geld soll den Schweizer Medien zugutekommen», fordert Wanner. Und gut wäre, wenn ein Teil davon auch in die Forschung und Entwicklung im Medienbereich investiert würde. (mgt)