Olten
Kein Stimmrecht: Jetzt will diese 22-Jährige mit Flashmob politisieren

Studentin «Meggi» trainiert im Oltner Jugendzentrum Provisorium 8 mit 40 Menschen für einen politischen Flashmob in der Bundesstadt. Keine einfache Sache, musste die 22-Jährige feststellen.

Deborah Onnis
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Flashmob-Organisatorin Meggi bezeichnet sich selbst als «Macherin».

Flashmob-Organisatorin Meggi bezeichnet sich selbst als «Macherin».

Deborah Onnis

Plötzlich, mitten in einer Menschenmenge und mitten auf einem öffentlichen Platz fängt jemand an zu tanzen. Zu Musik, die auch aus dem Nichts zu hören ist. Wie von einem Tanzvirus angesteckt beginnen sich mehr und mehr Leute synchron und im Rhythmus zu bewegen. Diese Szene, die aus einem Musical stammen könnte, spielt sich manchmal auch im echten Leben ab. Und sie nennt sich Flashmob. Am Samstag in zwei Wochen wird ein solcher Auftritt mit Oltner Stempel in Bern stattfinden.

«Bald ist es endlich so weit», sagt die 22-jährige Mergime Nocaj, oder wie sies lieber mag «Meggi». Seit Mitte Februar bereitet sie einen Flashmob vor. «Bis jetzt sind rund 40 Leute zusammengekommen», sagt die BWL-Studentin und Hobby-Tänzerin. Im Oltner Jugendzentrum Provisorium 8 trainiert sie seit zwei Monaten Tanzerfahrene und Tanzanfänger in kleineren Gruppen für einen Überraschungsauftritt in der Bundesstadt. Wann und wo genau dieser stattfinden wird, bleibt natürlich geheim.

Auch ohne Pass etwas bewirken

In der schlicht eingerichteten Küche des Provi 8 strahlt Meggie mit einem 32-Zähne-Lachen. «Ich liebe es hier. In Olten generell», sagt sie. Ursprünglich kommt Meggi aus dem Kosovo. Aufgewachsen ist sie aber in Deutschland und vor knapp zweieinhalb Jahren zog sie «der Liebe wegen» nach Olten.

In der Schweiz verliebte sie sich dann ein zweites Mal: In das politische System. «Mit der indirekten Demokratie kann man in Deutschland als einfacher Bürger politisch nicht viel bewegen. Aber hier in der Schweiz», sagt sie, «kann man wirklich etwas bewirken.» Und das habe sie auch vor.

Meggi gilt hierzulande auf dem Papier als Ausländerin, hat also kein Stimmrecht. Das hindert sie aber nicht daran, sich politisch zu engagieren. Tatsächlich verbirgt sich hinter dem Flashmob eine politische Motivation: Als Verantwortliche für die Hochschulpolitik bei students.fhnw will sie im Namen des Verbands der Schweizer Studierendenschaften auf die Stipendien-Initiative aufmerksam machen, die am 14. Juni zur Abstimmung kommt.

Skepsis auf Facebook

Bereits 25 bis 30 Stunden hat Meggi mit den Flashmob-Teilnehmenden für die 5-Minuten-Choreo im Provi 8 geübt. Angefangen hat sie mit sechs Menschen aus ihrem engeren Bekanntenkreis. Mehr nicht. «Und es ging eine Weile, bis ich noch mehr Leute finden konnte», sagt sie. «Das war bis jetzt die grösste Herausforderung im Projekt.»

Nachdem sich auf Facebook nicht so viele meldeten wie erhofft, musste Meggi auf andere – alt bewährte – Mittel greifen. «Ich sprach Leute auf der Strasse oder in Bars direkt an und erklärte ihnen mein Vorhaben», erzählt sie. Und das funktionierte um einiges besser als elektronische Nachrichten zu verschicken. «Die Leute sind halt einfach skeptischer, wenn sie virtuell kontaktiert werden. Ganz anders, als wenn sie die Person in Fleisch und Blut vor sich haben.»

Wenige Studenten dabei

So wuchs die Gruppe auf einmal relativ schnell. 40 Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind es mittlerweile. Die jüngste Teilnehmerin ist 16, die älteste 35 Jahre alt. Das Durchschnittsalter sei aber relativ hoch: 24 Jahre in etwa. Studenten, die das Anliegen am stärksten betrifft, seien aber wenige dabei. «Viele sind momentan im Stress wegen Abgabeterminen oder Prüfungen», sagt Meggi. Und viele müssten neben dem Studium arbeiten gehen und hätten deshalb keine Zeit.

Dafür sei die kulturelle Vielfalt in der Gruppe sehr gross und viele Berufe seien vertreten. «Es ist schön, dass so viele unterschiedliche Leute zusammengekommen sind.» Die meisten seien aus Olten und Umgebung. Ursprünglich war der Flashmob auch in Olten geplant. «Ich lebe selber hier und liebe die Stadt über alles», sagt Meggi. Aber: «Leider ist in Olten samstags nicht so viel los.» Und «dem Anliegen zuliebe» suchte sie einen Ort, bei dem ein grosses Publikum quasi garantiert sei. Für weitere Projekte sehe sie aber noch grosses Potenzial in Olten.