Amtsgericht Olten-Gösgen
Kein neues Gutachten: Prozess gegen William W. geht am Freitag weiter

Das Gericht lehnt die Forderung von William W.s Verteidiger für ein neues Gutachten ab, der Prozess gegen den Sexualstraftäter wird deshalb am Freitag fortgeführt.

Philipp Kissling
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Das Amtsgericht Olten-Gösgen lehnte am Donnerstag einen Antrag der Verteidigung auf Sisitierung des Verfahrens gegen Sexualstraftäter William W. sowie die Erstellung eines neuen Gutachtens ab. Thomas Fingerhuth, der amtliche Verteidiger von W., hatte den fehlenden Miteinbezug des Beschuldigten bei der Erarbeitung eines Ergänzungsgutachtens bemängelt. Der Sachverständige habe W. nicht um die Mitarbeit an dem Gutachten angefragt. Stattdessen sei er davon ausgegangen, dass W. eine entsprechende Anfrage sowieso negativ beantwortet hätte. Dies aufgrund einer früheren Aussage des Beschuldigten, nicht an Gutachten mitwirken zu wollen. Der Gutachter bestätigte diesen Sachverhalt vor Gericht.

Diese Mutmassung «entbehrt jeder Grundlage», stellte Fingerhuth klar, man könne nicht einfach von einer früheren Äusserung ableiten. Das so genannte Explorationsgespräch sei das Werkzeug schlechthin für die Arbeit des Psychiaters, der Verzicht nur «in absoluten Ausnahmefällen» gestattet. Fingerhuth stellte die Qualität des Ergänzungsgutachtens grundsätzlich in Frage. Auch, weil von der Auftragserteilung bis zur Fertigstellung lediglich «rekordverdächtige 18 Tage» vergingen, wie er betonte. Das Ergänzungsgutachten sei nur unter Einbezug von Berichten zustande gekommen, wobei nicht klar sei, auf welche Berichte sich der Sachverständige berief.

Der Antrag der Verteidigung hatte den Unterbruch der Verhandlung zur Folge. Das Gericht zog sich zur Beratung zurück und teilte am späteren Nachmittag seinen Entscheid mit. Allerdings wäre der Prozess ohnehin vertagt worden, weil eine Videoeinvernahme eines Opfers noch einmal übersetzt werden musste. Die Ermittler hatten es bei der Befragung des Opfers versäumt, den Dolmetscher über seine Rechte und Pflichten in seiner Funktion zu belehren.

Übergriffe in der Kirche, daheim und im Restaurant

Vorgehalten gemäss Anklageschrift werden W. mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern im Alter von 5, 7 und 10 Jahren sowie mehrfache sexuelle Belästigung einer 14-Jährigen. Im Zusammenhang mit diesen Taten ist zudem von sexueller Nötigung und mehrfacher Schändung die Rede. Die Vergehen soll er zwischen Juli und November 2018 begangen haben. Ein weiterer Anklagepunkt betrifft harte Pornografie (Konsum sowie Herstellen zum Konsum von Kinder- und Tierpornografie).

Die Übergriffe auf die Kinder sollen in der Oltner Friedenskirche, in der Wohnung zweier Opfer und in W’s Restaurant in Olten stattgefunden haben.

Innerhalb des Beweisverfahrens wurden zwei Zeuginnen befragt; beide waren an dem Tag in der Kirche anwesend, an dem W. ein Kind missbraucht haben soll. Das Kind sei ihnen direkt nach dem mutmasslichen Vergehen auf der Treppe entgegengekommen. Kurz darauf sei ein Mann ebenfalls die Treppe hinuntergeschritten: William W.

Der Angeklagte selber zeigte sich bei der Befragung durch den vorsitzenden Richter Valentin Walter wortkarg. Zu den konkreten Vorwürfen schwieg er. Aussagen machte er nur bei Fragen zu seiner persönlichen Vergangenheit. Allerdings erst, als ihn das Gericht darauf aufmerksam machte, dass die komplette Aussageverweigerung kaum eine objektive Beurteilung seiner Person zulasse und er demnach eine Prognose bezüglich Rückfallrisiko erst recht nicht positiv beeinflusse. Wortgewandt redete er in der Folge über seine persönliche Vergangenheit. Teilweise redete er sich in Rage, weil er angeblich ungerecht behandelt werde und «weil sowieso alles gegen mich verwendet wird». Im Übrigen habe er – entgegen der Meinung des Gutachters – während der Therapie sehr wohl aktiv mitgemacht. Der anwesende Gutachter indes bekräftigte die festgestellte «Hochrisikokonstellation». Es sei nicht möglich, mit William W. die sexuellen Übergriffe zu besprechen, ebenfalls gestehe er die «Ansprechbarkeit auf Kinder» nicht ein. «Wir haben probiert, sind aber nicht zu W. durchgedrungen.»

Die Verhandlung wird am Freitag mit dem Abschluss des Beweisverfahrens sowie den Plädoyers fortgeführt.