In der Stadt Olten wie auch im ganzen Kanton gibt es für Obdachlose keine Möglichkeit, kurzfristig einen günstigen Übernachtungsplatz zu finden. Es gibt keine sogenannte Notschlafstelle. Einer breiten Öffentlichkeit bewusst wurde dies im Februar 2016, als ein Obdachloser mehrmals im Bereich des Coop City und der Stadtkirche übernachtete.

Obdachloser lebt vor der Kirche in Olten

Obdachloser lebt vor der Kirche in Olten (20. Februar 2016)

Seit 4 Tagen liegt in Olten ein Mann ganz alleine in seinem Schlafsack vor der Kirche der Drei-Tannen-Stadt. Wieso bei dieser Kälte gerade dort?

Das Thema kam danach auf die politische Traktandenliste. Junge-SP-Gemeinderätin Luisa Jakob hatte letzten Dezember eine Interpellation dazu im Parlament eingereicht. Nun nimmt sich eine Gruppe Oltner dem Problem an. Sie nennen sich IG Schlafpavillon und haben ein Projekt ausgearbeitet. Zu dessen Umsetzung wollen sie kommenden Dienstag einen Verein gründen.

Massgebend bei der Initiierung des Projekts waren Cornelia Dinh-Sommer vom Katholischen Sozial- und Beratungsdienst sowie Diakon Andreas Brun. Weil der Stadtrat in seiner Antwort auf die Interpellation eine solche Schlafstelle nicht als notwendig erachtet und somit die Stadt nicht handeln will, wurde der Weg über eine Vereinsgründung gewählt. Dinh-Sommer und Brun sind zwar beide bei der katholischen Kirche angestellt, doch der Verein soll konfessionell unabhängig und breit abgestützt sein.

Noch einige Hürden zu nehmen

Ziel ist es, in den Monaten Oktober bis April sechs bis zehn Schlafplätze anzubieten. Diese sollen jeweils von zwei Freiwilligen pro Nacht betreut werden, die in einem separaten Raum im selben Gebäude übernachten. Die Finanzierung des Projekts erfolgt über Spenden, sei es von Privatpersonen oder Institutionen. Brun sagt: «Wir sind bereits mit mehreren Spendern im Gespräch. Das stimmt uns sehr zuversichtlich.»

Ein grösseres Problem stellt der Standort dar. Ein Objekt, das infrage kam, wurde anderweitig vermietet. Eine Alternative ist noch nicht gefunden. Brun ist weiterhin auf der Suche: «Wir sind froh um jeden Hinweis auf einen möglichen Standort. Das können ganze Gebäude zum Mieten sein oder eine Brache, auf welcher der Verein selbst etwas errichten kann. Wenn alles klappt, können wir den Schlafpavillon schon diesen Oktober eröffnen.»

Ab diesem Zeitpunkt ist eine Testphase von drei Jahren vorgesehen. Danach will der Verein Bilanz ziehen und über das weitere Vorgehen befinden. «Im besten Fall», sagt Brun, «stellen wir fest, dass es keinen Bedarf gibt und wir das Projekt wieder einstellen können.» Falls die Einrichtung allerdings genutzt würde, müsste mittelfristig eine andere Trägerschaft gefunden werden.» Vorstellen können sich die Initianten etwa eine Leistungsvereinbarung mit der Stadt.
Das ist nicht ausgeschlossen. In der stadträtlichen Antwort vom März 2017 auf den Vorstoss heisst es, bislang seien keine Hilfsorganisationen mit Projekten vorstellig geworden, Anträge auf Unterstützung würden aber jederzeit sorgfältig geprüft.

Die Gründungsversammlung des Vereins Schlafpavillon findet am Dienstag, 16. Mai, um 20 Uhr im Pfarrsaal St. Marien an der Engelbergstrasse 25 in Olten statt.