Katharina Thalbach hat im Stadttheater gespielt. Der Vollständigkeit halber sei auch das Stück genannt, das das Oltner Publikum zu sehen bekam: der «Raub der Sabinerinnen», ein Schwank der österreichischen Brüder Franz und Paul Schönthan, geschrieben 1883.

Aufgeführt wurde dieser einzige Tournee-Abstecher in die Schweiz vom Ensemble der Komödie am Kurfürstendamm Berlin. Aber eben, Katharina Thalbach hat gespielt. Und damit verkam das ganze Drumherum zur Nebensache.

Eine ganz Grosse ihres Fachs

«Eine Affenschande ist das, dass das Stück Ihres Freundes in Ihrem Schreibtisch verweilt!», lässt Theaterdirektor Emanuel Striese den Professor Gollwitz breit sächselnd und gespielt entrüstet wissen. Katharina Thalbach in der Rolle des Striese ist ebenso schmierig wie das Theater, das dieser macht: klein, korpulent, Kleidung zu gross, Haare zu pomadig, eine grässliche Papierblume am Revers. Eine Witzfigur, wie sie im Buche steht, die aber schamlos und sehr erfolgreich die Leute für ihre Zwecke einspannt. «Den hab ich!», lacht er sich ins Fäustchen.

Dem Professor hat er so lange Honig um den Mund geschmiert, bis dieser geschmeichelt zugibt, dass das Manuskript der Römertragödie er selbst geschrieben hat. Eine Jugendsünde aus Studententagen eigentlich, die er Striese dennoch für eine «grandiose Aufführung» überlässt. In der Folge hat der Professor alle Mühe, die Aufführung vor seiner Familie zu verheimlichen. Das Stück wird schliesslich unter einem Pseudonym gezeigt, droht aber zur Blamage zu werden.

Thalbach, die bei der rasanten Inszenierung vor aufwendiger Kulisse auch Regie führte, verleibte sich gleich zwei der zehn Rollen ein: zum einen den grotesken Theaterdirektor Emanuel Striese – der auch Opern aufführe, «nur die Musik lass mer weg»; zum anderen dessen «süsse kleene Frau» Luise Striese, die weniger süss ist denn stark geschminkt und in des Professors «Raub der Sabinerinnen» die Hauptrolle verkörpert. Mit ihren bloss 1,55 Meter Körpergrösse gelang es Thalbach, die Bühne komplett einzunehmen und alle anderen Charaktere in den Schatten zu stellen. Dies, obschon die ganze Truppe erstklassige Schauspielkunst ablieferte. Das Oltner Publikum, das sich ob der kalauerreichen Komödie köstlich amüsierte, schien sich wohl bewusst zu sein, dass es da eine ganz Grosse ihres Fachs erlebte. Und hätte auch jedes andere Stück mit der Thalbach mit demselben überschwänglichen Applaus honoriert.

Eine Schauspielerfamilie

Katharina Thalbach, die für ihre Arbeit unzählige Auszeichnungen erhalten hat, dürfte vielen aus der Verfilmung der «Blechtrommel» von 1979 bekannt sein. In jüngster Zeit war die heute 62-jährige Ostberliner Schauspielerin etwa in den Streifen «Kokowääh» und «Honig im Kopf» von Til Schweiger und in der Filmadaption von Hape Kerkelings «Ich bin dann mal weg» zu sehen. Ihre grosse Liebe gilt indes dem Theater. Sie entstammt einer Schauspielerfamilie und stand bereits mit 5 Jahren auf der Bühne. Ihre Tochter Anna und ihre Enkelin Nellie führen die Familientradition fort. Als Tochter des Professors war Letztere in Olten an der Seite von Katharina Thalbach zu erleben.