Man kennts von Karl’s kühner Gassenschau nicht anders: Die Shows leben von technischen Feuerwerken und wilden, überraschenden «Special Effects», wie man in der Filmbranche sagen würde. Es knallt, raucht und blitzt schon mal gewaltig. Hinzu kommt: «Mit jeder Produktion steigt die Erwartungshaltung des Publikums. Wir müssen von Jahr zu Jahr für noch mehr Spektakel und verrückte Ideen sorgen, die das Vorangegangene in den Schatten stellen können», beschreibt Ernesto Graf, Gründungsmitglied und Strippenzieher von Karl’s kühner Gassenschau, welchen Ansprüchen seine Crew gerecht zu werden versucht.

So erstaunt es nicht, dass das Areal der ehemaligen Zementfabrik Hunziker, auf dem in knapp fünf Wochen die Oltner Premiere von «Fabrikk» über die Bühne gehen wird, derzeit einer Werkstatt oder gar einem Spielplatz für Technikfreaks gleichkommt. Rund 30 Handwerker – Maler, Schlosser, Elektriker, Landmaschinenmechaniker, Schreiner oder etwa Zimmermänner – sind seit Anfang März tagtäglich mit dem aufwendigen Aufbau der technologisierten Bühnenkulisse, einer Schweizer Schokoladenfabrik, beschäftigt.

«Kommen Sie, ich führe Sie durch unseren unterirdischen Tunnel», sagt Ernesto Graf und steuert hinter die Zuschauertribüne. Der 64-jährige Gaukler steigt in den dunklen Tunnel, den kein Sonnenstrahl erreicht, ab, überwindet die Hindernisse des 15 Meter langen Gangs und klettert schliesslich wieder hinauf ans Tageslicht. Graf befindet sich nun mitten auf der «Fabrikk»-Bühne. Der unterirdische Tunnel, der eigens für die Produktion «Fabrikk» gebaut wurde, dient den Schauspielern. «Wir müssen innert kürzester Zeit 30 Chinesen auf die Bühne bringen», sagt der Künstler und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. «Bei unseren Shows gibt es immer wieder Überraschungen.»

Der Tunnel...

...mag zwar schon ein durchaus begehbarer Hingucker sein, aber ansonsten sieht das Gelände noch arg nach Baustelle aus und die Schoggifabrik ist bis jetzt nicht mehr als ein reduziertes Blechkonstrukt. Für Ernesto Graf kein Anlass zur Beunruhigung: «Natürlich wird es zum Schluss noch hie und da ein ‹Gjufel› geben, aber wir sind im Fahrplan.» Und dies trotz der garstigen Wetterverhältnisse der vergangenen Wochen. Die technischen Mitarbeiter von Karl’s kühner Gassenschau, von denen die meisten vorübergehend in Zelten und Campern auf dem Olten-SüdWest-Gelände leben, mussten Kälte und Nässe aushalten. «Wenn ich jeweils vom Büro aus nach draussen blickte, bekam ich beim Gedanken an die Arbeiter fast Bauchschmerzen», sagt Graf. Mit kleinen Aufmerksamkeiten wie Gipfeli zum Znüni oder einem gemeinsamen Ausflug auf eine Kartbahn habe man die Crew aber bei Laune halten können.

Die Openair-Show «Fabrikk» machte nicht nur Arbeiten in Bezug aufs Bühnenbild notwendig, sondern auch ganz grundlegende Arbeiten auf dem Areal Olten SüdWest: Die Technikcrew musste beispielsweise den Boden stabilisieren, Wasser- und Kanalisationsrohre verlegen, elektrische Leitungen ziehen und für eine passable Zufahrt zur Bühne sorgen. Denn mit über 60 Lastwagen-Zügen musste Material vom vorherigen Spielort Winterthur nach Olten gebracht werden. Bei der Verkehrssituation in Olten stellte dies hie und da eine gröbere Herausforderung dar. «Den Leuten zu erklären, wie sie aufs Gelände kommen, war nicht immer einfach», sagt die Medienverantwortliche Catherine Bloch.

Verkehr und ERO-Eröffnung lösen bei ihr im Hinblick auf die «Fabrikk»-Premiere am 23. Mai denn auch ein mulmiges Gefühl aus. «Wir wissen nicht so recht, was uns erwartet, und können uns nicht vorstellen, wie die Verkehrssituation zu diesem Zeitpunkt aussehen wird», sagt Bloch. Zum Glück sprühen manchmal Funken in «Fabrikk» – so ist einfach zu erkennen, wo die spektakuläre Open-Air-Show beheimatet ist.