In Olten kann man ein weiteres Parkhaus-Projekt ad acta legen: Kurz vor Weihnachten letzten Jahres berichtete diese Zeitung über die spektakulären Pläne der beiden Investoren Marc Thommen und Massimo Hauswirth: Sie wollten unter dem Klostergarten für 25 Millionen Franken ein rein privat finanziertes Parkhaus mit 440 Parkplätzen realisieren.

Soweit kommt es nun nicht: Die Klosterbrüder haben ihren Segen zum bereits detailliert ausgearbeiteten Projekt nicht gegeben. Sie störten sich daran, dass ihr Wirken während der rund zweijährigen Bauzeit stark eingeschränkt würde.

Sie befürchteten, dass wegen des Baulärms die Klosterkirche nicht mehr für Beerdigungs- und Abschiedsgottesdienste genutzt werden könnte. Zudem zeige «die Projektarbeit für das Parkhaus auch einen wenig sensiblen und wenig respektvollen Umgang mit unserem denkmalgeschützten Kloster», heisst es in einer Stellungnahme von damals.

Weil die Klosterbrüder gegen einen Bau sind, will auch der Kanton, dem das Kapuzinerkloster samt Garten gehört, ein Parkhaus unter dem Klostergarten nicht bewilligen. Eine direkte Absage an die Investoren gab es allerdings nicht, weil laut Regierungsrat und Baudirektor Roland Fürst «gar nie etwas beim Kanton eingereicht wurde». Fürst war Mitte November ebenfalls anwesend, als die Investoren das Projekt den Klosterbrüdern vorstellten.

Nichts gehört von den Initianten hat auch die Stadt Olten. Der städtische Baudirektor Thomas Marbet: «In Sachen Klostergartenparking wurde ich von den Investoren nie kontaktiert.» Er hätte immer nur über Dritte davon gehört. Auch in der Bau- oder Stadtentwicklungskommission lag nie ein Projekt vor.

Thommen: «Gute Chance gewesen»

Die Klosterbrüder weibelten im Hintergrund, um das Bauprojekt zu verhindern. Sie luden ihnen genehme linke und CVP-Politiker ein, um sie von ihrem Nein zu überzeugen. Sie liessen ferner vom bekannten Oltner Architekten Edi Stuber eine negative Stellungnahme verfassen. Darin kommt dieser zum Schluss, dass «der Klostergarten durch eine Unterhöhlung massiv beeinträchtigt würde» und zudem «die für ein Parkhaus betrieblich notwendigen Hochbauten in die Betrachtung einzubeziehen» seien.

Auch die erneute Idee, die Auslastung der öffentlichen Oltner Parkhäuser zur Spitzenzeit an einem Adventssamstag zu erheben, soll den Grünen nach der Unterredung mit den Klosterbrüdern gekommen sein.

Der Oltner Unternehmer Marc Thommen trägt die Absage der Klosterbrüder mit Fassung: «Das wäre eine gute Chance gewesen.» Ob er ein weiteres Parkhaus-Projekt an einem anderen Ort verfolge? «Es ist noch nichts spruchreif.»

Wenn schon ein Parkhaus in Olten, dann müsste es in den Augen des Oltner Architekten Stuber nicht unter dem Klostergarten stehen, sondern in der Schützenmatte. Auch der Kanton sieht das so, wie eine Verkehrsplananalyse im Vorfeld der ERO zeigt. Der Kanton rechnet künftig damit, dass ein Grossteil des Verkehrs in die Innenstadt über den Rötzmatt-Anschluss erfolgt.

Darum schwingt Schützi obenaus

Eine wirtschaftliche Beurteilung des Bauunternehmens Implenia vom Februar 2007 kam nämlich zum Schluss, dass der Standort Schützenmatte die grössten Chancen hätte im Vergleich zum Standort unter dem Munzingerplatz, wo ein Parkhaus-Projekt 2010 vom Volk mit 54 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt wurde. Bei der Schützi wäre die höchste Rendite möglich, weil die Kosten im Vergleich zu einem Parkhaus unter dem Munzingerplatz viel tiefer sind. Und der Nachteil der grösseren Entfernung zur Innenstadt könnte mit einem «optimierten Parkhauslayout entlang des Dünnernkanals» vermindert werden, wenn ein Weg via Leberngasse und Mühlegasse bestünde, heisst es im Papier.

Ob diese Implenia-Beurteilung in den Stadtrats-Antrag für die Parlamentssitzung Ende Juni 2007 überhaupt einfloss, wo es um den Entscheid des Parkhaus-Standorts ging, ist unklar. Die Variante Munzingerplatz schnitt trotzdem am besten ab: «Der Standort Munzingerplatz vermag die Anforderungen respektive Erwartungen, welche an ein innerstädtisches Parkhaus gestellt werden, am besten zu erfüllen.»

Zum Standort Schützenmatte fällt die Stellungnahme trotz des positiven Implenia-Berichts negativ aus: «Ein Parkhaus Schützenmatte würde diese Allmend räumlich unvorteilhaft belasten und die Möglichkeit der vielfältigen Nutzbarkeit massgebend einschränken (Schulfest, Chilbi und andere grössere Veranstaltungen und Anlässe). Aus diesen Gründen sollte auf ein Parkhaus im Raum Schützenmatte verzichtet werden.» Nicht verwunderlich also, entschied das Parlament damals, nur noch die Variante unter dem Munzingerplatz weiterzuverfolgen.

Der heutige Baudirektor Thomas Marbet will sich auf keinen Parkhaus-Standort festlegen, sagt aber, dass «ein ideales Parkhaus sicher nicht zu weit vom Stadtkern entfernt sein darf, aber auch keinen nennenswerten Mehrverkehr erzeugen soll und ökonomisch rentieren muss». Diese Beschreibung würde eigentlich ganz gut zu einem Parkhaus in der Schützi passen.