Gestern Morgen früh konnte man entlang der A1 schon die ersten Gigathleten per Inline-Skates auf Nebenstrassen ausmachen. Sie waren in verschiedenen Kategorien ab 5.30 Uhr in Olten gestartet. Das erste Ziel war das 52 Kilometer entfernte Storchendorf Altreu. Dort, beim sogenannten «Sängeli», sollte die Strömung der Aare ausgenutzt und so rasch als möglich wieder nach Solothurn zurückgeschwommen werden. 9 Kilometer sind damit an reiner Distanz zurückzulegen.

Auch Gemeindepräsident Viktor Stüdeli war schon auf den Beinen. «Als Buben sind wir viel auf der Aare geschwommen. Auch schon mal bis nach Solothurn», sagt er schmunzelnd und beobachtet mit anderen Zaungästen, wie die Neopren-bekleideten Sportlerinnen und Sportler sich in die 20 Grad warme Aare stürzen. «Nicht köpfeln, gerade hinaus gehen und die Strömung ausnützen.» Jedem Gigathleten wird dieser Tipp mitgegeben. Viele sind wohl so konzentriert, dass sie nicht hinhören. Andere bedanken sich brav oder jauchzen vor Freude auf das kühlende Nass. Etliche Schlauchboote, besetzt mit dem sogenannten Nautic-Team, sorgen für die Sicherheit beim Schwimmabschnitt.

Applaus von den Zuschauern

In Solothurn steigen die Gigathleten beim «Solheure» aus dem Wasser. Auf den Brücken und am Ufer stehen Passanten und bewundern und beklatschen die Leistungen der Sportler. Zwei Mann mit beinlangen Fischerstiefeln stehen beim Wasserausstieg und helfen den Ankommenden raus. Einige sind noch ganz benommen nach dem rund einstündigen Wasserkontakt. Helfer stützen sie auch beim Aufstieg die steilen Uferstufen aus Beton hinauf und rufen; «nach links». Sofort laufen sie hinauf Richtung Chantierwiese. Dort befindet sich die Wechselzone vom Schwimmen zum Mountainbike.

Hunderte Bikes stehen in Reih und Glied, alle mit Nummern versehen. Hunderte Helfer der Gigathleten warten mit trockenen Handtüchern, frischen Velokleidern oder Verpflegung auf ihre Leute. Sie ziehen den Athleten die Schwimmanzüge aus, stecken ihnen schnell etwas zum Knabbern zwischen die Zähne, reichen Helm oder Handschuhe. Denn jetzt muss es so rasch als möglich Richtung Schanzengraben gehen. Bis dorthin muss das Bike geschoben werden, erst wird aufgesessen und davon-gebraust. Etliche Männer mit «Schiedsrichter»-Westen stehen da und beobachten, ob auch alles mit rechten Dingen zugeht. Der Platz-Speaker heisst jeden mit vollem Namen willkommen und teilt den Zuschauern auch mit, ob es sich um einen Einzelkämpfer oder das Mitglied eines Teams handelt. Bei aller Ernsthaftigkeit und Trainingsdisziplin, mit der ein solcher Gigathlon angegangen werden muss, ist es doch erstaunlich festzustellen, dass diese Athletinnen und Athleten immer noch Zeit für Spässchen oder die Begrüssung ihrer Fans finden. Die Mountainbike-Route beträgt 54 Kilometer und führt nach Rüttenen, Lommiswil auf den Grenchenberg über den Weissenstein nach Niederbipp und Oensingen.

Warten bei brütender Hitze

Der Einsatz aller ist unglaublich: Die Biker quetschen auf dem Weg nach Oensingen das letzte Tröpfchen Schweiss und die letzte Energie aus ihren gestählten Körpern. Und das nach einer mörderischen Bike-Tour durch die Höhen und Tiefen der Jurakette. Zuweilen quälen sie sich auch mit einem platten Reifen über die letzten Meter. Nicht minder setzen sich aber die Ablöser ein: Sie warten bei brütender Hitze auf ihren Biker und setzten sich (zum Teil gefährlich lange) der prallen Sonne aus.

Literweise fliesst nicht nur der Schweiss, sondern folgerichtig auch die Getränke: Trinken, trinken, trinken konnte dabei die Devise nur lauten. Die Festwirtschaft im Schatten erfüllte diese Ansprüche genauso wie die Bedürfnisse nach einem letzten Schub Pasta vor der grossen Fahrt auf der Radstrecke nach Sissach. Dank dem ersten Gigathlon unter öV-Bedingungen entfällt die berühmt-berüchtigte sechste Disziplin des Transfers. Somit gibt es keine Begründung mehr für nicht abgelöste Fahrerinnen und Fahrer, denn es gibt keine Staus mehr in den Anfahrten auf die Wechselzonen – eine Wohltat für die Natur und die Gigathleten.Mitarbeit: rwu