Mordfall Dulliken
Kann nun der brutale Raubmord an einem Rentner von 1993 geklärt werden?

Ein 51-jähriger Serbe muss sich ab Montag vor dem Amtsgericht verantworten. Er gibt zu am Tatort gewesen zu sein, will den Mord aber nicht begangen haben. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem brutalen Raubmord.

Adriana Gubler
Drucken
Teilen
In dieser Liegenschaft in Dulliken wurde ein 80-jähriger Rentner auf brutale Weise ermordet.

In dieser Liegenschaft in Dulliken wurde ein 80-jähriger Rentner auf brutale Weise ermordet.

HR Aeschbacher

Am Montag und wohl auch am Dienstag der kommenden Woche nimmt ein 51-jähriger Serbe auf der Anklagebank des Amtsgerichts Olten-Gösgen Platz – wegen eines äusserst brutalen Raubmordes, den er vor über 20 Jahren begangen haben soll.

In der Nacht auf den 1. August 1993 ist der Serbe laut Anklageschrift gemeinsam mit einem Landsmann in die Wohnung eines 80-jährigen Rentners an der Aegertenstrasse 1 in Dulliken eingedrungen. Sie überwältigten und misshandelten den im Bett liegenden alten Mann.

Nach Bissen und etlichen Schlägen mit den Fäusten, aber auch mit einem Gegenstand gegen dessen Kopf, knebelten sie ihn derart fest, dass er in der Folge erstickte. Der Angeklagte hat gestanden, am Tatort gewesen zu sein. Er bestreitet jedoch, den Mord begangen zu haben.

Die späte heisse Spur

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn, die ab Montag in der Person von Raphael Stüdi vertreten sein wird, wirft dem Angeklagten und seinem Mittäter vor, bei der Tötung des 80-jährigen Witwers besonders skrupellos gehandelt zu haben. Einerseits, weil die Tötung im Zuge eines Raubüberfalles erfolgt sein soll, und andererseits, weil die Ausführung brutal und heimtückisch gewesen sei. «Das Opfer hatte gegen die Täter mit Jahrgang 1963 und 1974 keine Chance», heisst es in der Anklageschrift. «Der Mann wurde auf ausgesprochen brutale und qualvolle Weise getötet.»

Die Ermittlungsarbeiten der Strafverfolgungsbehörden blieben seinerzeit, 1993 und in den darauf folgenden Jahren, ohne Erfolg. Das Tötungsdelikt konnte damals nicht geklärt werden. Im November 2012 dann die Überraschung: Sabine Husi, stellvertretende Oberstaatsanwältin, gab auf Anfrage bekannt, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen worden seien: «Wir ermitteln derzeit aufgrund neuer Hinweise aktiv.»

Und tatsächlich entpuppten sich diese neuen Erkenntnisse als ganz heisse Spur: In enger Zusammenarbeit mit der Solothurner Kantonspolizei konnte die Staatsanwaltschaft in der Folge zwei tatverdächtige Männer serbischer Staatsangehörigkeit, die in Däniken beziehungsweise in Oberentfelden zu Hause waren, ermitteln und festnehmen.

Der 40-Jährige wurde im Januar 2013 aus der U-Haft entlassen. Die Staatsanwaltschaft teilte jedoch mit, dass die Ermittlungen gegen ihn noch nicht abgeschlossen seien. Der Ältere der beiden Tatverdächtigen, der sich ab Montag vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen verantworten muss, befindet sich nach wie vor im Untersuchungsgefängnis.

Nichts mit Brand von 1994 zu tun

Während ihrer Ermittlungen schlossen die Strafverfolger vorerst nicht aus, dass ein Zusammenhang zwischen dem Dulliker Mordfall von 1993 und dem Brand im Kolpinghaus in Olten im Dezember 1994, bei dem ein 51-jähriger Schweizer ums Leben kam, besteht. Ende des vergangenen Jahres teilte die Staatsanwaltschaft allerdings mit, dass die Fälle, gestützt auf das Ermittlungsergebnis, nicht in Verbindung miteinander stehen.