Olten
Kandidaten der Nordwestschweiz für nationale Berufsmeisterschaft ermittelt

Wer macht das beste Verkaufgespräch und nimmt an den nationalen Berufsmeisterschaften in Bern teil? Darum gings an der kaufmännischen Berufsfachschule Olten. Sieben künftige Fachkräfte aus dem Detailhandel haben die Hürde übersprungen.

Urs Huber
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Briefing am Morgen: Die Berufsleute lassen sich mit ihren Supporter und Betreuern in die Abläufe des Wettbewerbs einweihen.

Briefing am Morgen: Die Berufsleute lassen sich mit ihren Supporter und Betreuern in die Abläufe des Wettbewerbs einweihen.

Urs Huber

Ungewöhnliche Szenerie gestern an der kaufmännischen Berufsfachschule Olten: Wettbewerbsstimmung allenthalben. Grund: 35 nervöse Kandidatinnen und Kandidaten aus der ganzen Nordwestschweiz bewerben sich um sieben Plätze an den diesjährigen nationalen Berufsmeisterschaften. Getestet werden die jungen angehenden Berufsleute in der Sparte Verkaufsgespräch. Je nach Branchen gehts um die Beratung zu Handy, kosmetischem Pflegeprodukt, Sportartikel, Kleidung, Schmuck, Möbel, Bioprodukt und, und, und. Zwei Tische und zwei Stellwände in der Aula oder einem Klassenzimmer dienen als Grundlage des Verkaufsambientes, Waren und weitere Accessoires wie etwa Dekomaterial – zur Hebung der Verkaufsatmosphäre – werden von den Kandidierenden mitgebracht.

Zehn Minuten freundlich bleiben

Schlag 8.30 Uhr gehts los. Unter den Augen einer vierköpfigen Jury nimmt sich Jennifer Kaufmann, Parfümerie, Berufsschule Basel, ihrer Kundin, gespielt von Manuela Bopp, an. Und die Kundin ist nicht die Einfachste, will jünger wirken, neigt zu Pickel, will vieles über den Preis wissen («kostet das wirklich unter 100 Franken?») und fragt auch nach anderer Darreichungsform des Produkts. Jennifer Kaufmann bleibt ruhig, bedient in dem zehn Minuten dauernden Gespräch auch noch eine englischsprachige Kundin, antwortet fachkundig, wechselt ohne Holperer die Sprache, bleibt höflich, wirkt angenehm. Die zehn Minuten vergehen wie im Flug. «Ich bin immer freundlich und höflich geblieben und meiner Einschätzung nach auch auf die Fragen und Vorstellungen der Kundin eingegangen», bilanziert die junge angehende Berufsfachkraft ihren Auftritt selbst. Natürlich sei sie nervös gewesen, meint Jennifer Kaufmann noch. «Es ist doch was anderes, wenn noch viele Zuschauer dabei sind.» Dass es im Verlauf der zehn Minuten übrigens zu einem Verkaufsabschluss kommt, ist nicht zwingend. «In der Kosmetikbranche reichen zehn Minuten dafür auf keinen Fall aus», meint Manuela Bopp.

50 Punkte im Maximum

50 Punkte hat die Jury insgesamt zu vergeben, bringt dabei eine breite Palette an Kriterien zur Anwendung. Wie fällt die persönliche Begrüssung aus (3 Punkte), wie effizient wird der Kundenbedarf ermittelt (4 Punkte), wird die Kundin oder der Kunde von Beginn an in eine Kaufstimmung gebracht (4 Punkte), wie geht die Kandidatin mit der «Störaktion» der fremdsprachigen Kundin um (insgesamt 10 Punkte) oder wie beurteilt die Jury die äussere Erscheinung (Frisur, Kleidung, Körperhaltung) der Kandidatin (total 10 Punkte). «Im Grunde genommen kennt man eigentlich nur die Ausgangslage», sagt Jennifer Kaufmann. Was der Kunde suche, erfahre man erst bei der Begegnung.

Dem kann Kevin Bittel aus Zuchwil mit Schulort Olten, der nachmalige Gesamtsieger der Nordwestschweizer Ausscheidung, nur beipflichten. «Stimmt, man kennt tatsächlich nur die allgemeine Richtung des Verkaufsgesprächs, nicht aber den Kunden. Dabei gibts wesentliche Unterschiede, ob das Gegenüber männlich oder weiblich ist», sagt er, der schon früh wusste, später im Detailhandel tätig sein zu wollen. Und der Mann, der wie alle seine Mitkonkurrenten im zweiten Lehrjahr steckt und der die interne Qualifikation an seinem Schulstandort gewann, gibt sich dementsprechend ambitioniert. «Klar ist Bern das Ziel, möchte jeder von uns hier an den nationalen Berufsmeisterschaften teilnehmen.»

Noch nicht zuversichtlich

Nach der ersten Runde war der Zuchwiler noch nicht sehr zuversichtlich, unter den besten sieben rangiert zu sein. Warum? Er selber habe sich halt viele Kundengespräche angeschaut. Und? «Ich bin sehr beeindruckt von dem, was ich gesehen habe. Vor allem haben mir die Dekorationen meiner Mitkonkurrenten gefallen, die fein säuberlich aufgereihten Laufschuhe etwa oder auch die Schmuckserie von Aylin Karaboyun, meiner Mitkonkurrentin im Final. Da lässt sich sicher eine Scheibe von abschneiden», meint Bittel selbstkritisch. Überhaupt, so findet der ambitionierte Berufsmann, habe er von dieser Veranstaltung sehr profitierten können. «Ich glaube, der heutige Sieg bedeutet einen weiteren positiven Schritt in die richtige Richtung.»

Auch für Dieter Amann, Abteilungsleiter Detailhandel am BBZ Olten und gleichzeitig OK-Präsident der Veranstaltung, lagen die Präsentationen auf einem sehr guten Niveau. «Besonders beeindruckend fand ich, mit welcher Hingabe die 35 Teilnehmenden ihren Verkaufsladen gestaltet haben.»

Die Qualifizierten für Bern: 1. Kevin Bittel, Consumer Electronics, Schule Olten; 2. Leandro Vaglietti, Sportartikel, Schule Aarau 3. Aylin Karaboyun, Uhren-Schmuck-Edelsteine, Schule Basel; 4. Giulia Lüthy, Textil, Schule Basel; 5. Jasmin Bandini, Farben, Schule Aarau; 6. Dmytro Maslyanka, Consumer Electronics, Schule Basel; 7. Rahel Wyss, Textil, Schule Aarau.