Hägendorf/Rickenbach
Kampfwahlen bei den Katholiken: Eine Frau fordert den bisherigen Präsidenten heraus

Eine Besonderheit ereignet sich in der römisch-katholischen Kirchgemeinde von Hägendorf-Rickenbach: Die 54-jährige Monika Flückiger (FDP) fordert den amtierenden Kirchgemeindepräsidenten Hans Trachsel heraus. Damit nicht genug, denn die Kampfwahl ist eine Neuauflage des Duells von vor vier Jahren.

Fabian Muster
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Monika Flückiger (FDP) gegen Hans Trachsel (parteilos) heisst es am 2. Juli bei der Wahl ums Kirchgemeindepräsidium in Hägendorf-Rickenbach. Bruno Kissling

Monika Flückiger (FDP) gegen Hans Trachsel (parteilos) heisst es am 2. Juli bei der Wahl ums Kirchgemeindepräsidium in Hägendorf-Rickenbach. Bruno Kissling

Bruno Kissling

Kampfwahlen um das Amt des römisch-katholischen Kirchgemeindepräsidenten sind selten. «Ich habe in meiner Zeit noch nie gehört, dass ein amtierender Präsident herausgefordert wurde», sagt etwa Kurt von Arx, Präsident der katholischen Synode im Kanton, und selbst einst langjähriger Kirchgemeindepräsident in Egerkingen.

Genau dies geschieht nun am 2. Juli in der Kirchgemeinde Hägendorf-Rickenbach: Die von der FDP unterstützte Monika Flückiger aus Rickenbach fordert den parteilosen Hans Trachsel aus Hägendorf heraus, der seit vier Jahren im Amt ist. Sie sei von Leuten angegangen worden, um zu kandidieren, und wolle der Bevölkerung so eine Auswahl bieten, begründet die 54-jährige Hauswartin ihre Kandidatur. Sie ist seit vier Jahren Vizepräsidentin und sitzt seit 2007 im Kirchgemeinderat. Zudem kam laut Flückiger bei der letzten Kirchgemeindeversammlung vergangenen Dezember Unmut auf bei den Katholiken, weil Trachsel an vorderster Front weibelte für die Wiederbeschäftigung des bei den Leuten mit seiner ruppigen Art zum Teil wenig beliebten Pfarrers René Aerni. Erst die Stimmberechtigten hätten ihn dann zur Vernunft gebracht. «Es gab Leute, die wegen des Pfarrers nicht mehr in die Kirche kamen», sagt Flückiger. Auch aus dem Kreis der Ministranten hätte es Widerstand gegeben.

Seit René Aerni im August 2016 nach einem Jahr seinen Posten räumte, hat die Kirchgemeinde keinen eigenen Pfarrer mehr und muss sich mehrheitlich mit Aushilfen aus dem Oltner Kapuzinerkloster zufriedengeben. Dies soll auch so bleiben, bis der Pastoralraum mit den anderen drei Kirchgemeinden Wangen, Gunzgen und Kappel-Boningen bis spätestens Anfang 2019 errichtet wird.

Auf das Thema angesprochen sagt Hans Trachsel, dass er die Art René Aernis geschätzt habe: «Endlich hatten wir einen Pfarrer, der klare Richtlinien vorgibt; das hat mir gefallen.» Trachsel sagt aber auch, dass Aerni sich im Gottesdienst zum Teil im Ton vergriffen und die Leute gemassregelt hätte. An der Kirchgemeindeversammlung letzten Dezember seien dann die Emotionen hochgekommen. Das Volk hätte sich gegen eine erneute Beschäftigung des Pfarrers gewehrt. «Für mich war danach klar, dass er für uns kein Thema mehr sein kann.» Trachsel weist zudem von sich, dass er Aerni nach seinem Abstecher in den Aargau für die freie Pfarrstelle erneut angefragt hätte. Es sei umgekehrt gewesen, Aerni habe sich bei Trachsel wieder gemeldet.

Handicap für Flückiger

Trachsel findet es ausserdem schade, dass Flückiger nicht vorgängig mit ihm das Gespräch gesucht hat. Man hätte sich vielleicht auf einen Zeitplan einigen können, um Kampfwahlen zu vermeiden, so Trachsel. «Wenn ich gewählt werde, mache ich es sicher noch vier Jahre», sagt der 70-jährige Rentner. Er schliesst nicht aus, danach Flückiger das Präsidentenamt zu überlassen.

Bereits bei den letzten Wahlen vor vier Jahren, als ein neuer Kirchgemeindepräsident gewählt werden musste, kam es zur gleichen Affiche. Trachsel holte damals 340 Stimmen, Flückiger deren 270. Ein grosses Handicap hat Flückiger mit ihrem Wohnort: Weil sie aus Rickenbach mit nur 265 Stimmberechtigten stammt, muss sie die 1380 katholischen Hägendorfer überzeugen, für eine Auswärtige zu stimmen.