Olten
Kampfschrift erklärt das Oltner Kunstmuseum zu einer autonomen Zone

Ein Anonymes Pamphlet an den Innenseiten der Fensterscheiben des Oltner Kunstmuseums fordern ebendort eine autonome Zone und kündigt eine Besetzung des Museums an. Taten sind auf die Worte bisher aber keine gefolgt.

Urs Huber
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Die Sammlung als Geisel nehmen? Neue Töne im Kunstmuseum Olten.

Die Sammlung als Geisel nehmen? Neue Töne im Kunstmuseum Olten.

Bruno Kissling

«Wir verteidigen uns mit Feuerwerkskörpern, und wenn es sein muss, nehmen wir die Sammlung als Geisel.» Wo ist solches zu lesen? Auf einem Blatt Papier am Montagmorgen, mit Klebstreifen auf der Scheibeninnenseite befestigt.

Ein paar Absperrbänder im Innenraum markieren andeutungsweise die Attribute einer kleinen Meuterei - nicht derjenigen auf der «Bounty», nein; derjenigen im Kunstmuseum Olten.

Denn die kleine Kampfschrift fordert auch, die «Bezahlten» rauszuschmeissen. Fort mit den Kapitänen, herbei die Matrosen, die das Ruder übernehmen wollen. An Ideen gebricht es dem Verfasser jedenfalls nicht, an kecken Vorstellungen ebenso wenig.

«Wir besetzen das Kunstmuseum Olten» - so lautet die Ouvertüre der Botschaft. Deren Programmatik bleibt aber lediglich sprachlicher Natur, wie sich später zeigen wird.

Kein Einbruch

Zunächst: Ein schon fast besorgter Blick ins Innere des Gebäudes gibt Entwarnung: menschenleer. Weder Schlafsäcke noch irgendwelche Menschengruppen sind auszumachen. Weder zersplitterte Scheiben noch aufgewuchtete Türen deuten auf eine dreiste Aktion hin.

Kein Spuren eines Einbruchs. Das Kunstmuseum wurde also nicht handstreichartig übernommen. Nichts da also von «wir holen die Gesellschaft ins Museum», wie die anonyme Kampfschrift in Aussicht stellt; das «Museum als Ort der Diskussion, politischer Vorgänge.»

Wie aber ist die Botschaft von Roger Fähndrich, vom Solothurnischen Kuratorium für Kulturförderung 2012 mit dem Förderpreisträger für Film ausgezeichnet, ins Haus gekommen. Am Sonntagabend wurde sie platziert, im Rahmen der dort laufenden Aktion Transformation.

«Am Abend erhielt ich eine Mail, in der von dieser Aktion die Rede war», sagt Museumleiterin Dorothee Messmer gestern am Telefon. Roger Fähndrich habe dabei die Aktion als symbolische Geste tituliert. «Wir werden miteinander reden müssen», hält Messmer dazu fest.

Der Urheber selber, der in Eigenregie gehandelt hat, und dank besagtem Förderpreis einen 55-minütigen Essayfilm realisieren konnte, der in der Jahresausstellung gezeigt wird, meint auf Anfrage dazu, die Blätter seien von Passanten draussen gelesen worden.

Und: Die Botschaft sei nicht im gewalttätigen Kontext zu verstehen. Die Aufforderung zu Schluss des Pamphlets, nämlich «schmeisst die Bezahlten raus», sei nicht etwa auf die Museumsleitung bezogen, sondern richte sich im Grundsatz gegen die monetär bestimmte und definierte Welt.

Dazu passt jedenfalls die in der Botschaft platzierte Aussage, dass die Besetzer des Kunstmuseums Nachbarn um Essen und Material fragen würden. Fähndrich sieht das besetzte Kunstmuseum in seiner Vorstellung als Wunderkammer, zu der jeder Oltner Haushalt einen Gegenstand beisteuert.

Und kommen keine Menschen vorbei, dann schlägt der Autor vor, die Räumlichkeiten mit Betten zu versehen, Obdachlose zu beherbergen und das Museum zum autonomen Gebiet zu erklären. Einem allfälligen Räumungsversuch würde man sich entgegenstellen und mit der Geiselnahme von Bildern drohen.

Verantwortliche gehen auf Distanz

Am Nachmittag sind Fähndrichs Gedanken nicht mehr zu sehen; dokumentiert und abgehängt. Stadt und Museumsleitung distanzieren sich in aller Form vom Inhalt des Schreibens, welches ohne ihre Zusage angebracht worden sei. Zudem wirke eine solche Aktion kontraproduktiv, ist man sich einig.

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